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Zweifel an Favres BVB-Zukunft : Kimmich schlenzt dank Trainer-Hinweis

  • -Aktualisiert am

Gab es da die Erinnerung an den Schlenzer? Joshua Kimmich gibt das Lob fürs Tor an das Trainerteam weiter. Bild: dpa

Joshua Kimmichs Tor ist genial. Entscheidend aber ist die größere defensive Stabilität der Bayern. In Dortmund klingt es nach einem Abschied von Trainer Lucien Favre.

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          Die ganze Dimension des Kunststücks, das wohl die deutsche Meisterschaft entschieden hat, wurde erst nach und nach erkennbar. Zunächst wirkte der Treffer des Abends wie ein genialer Einfall von Joshua Kimmich, der kurz vor der Halbzeit mit einem ebenso schlauen wie anspruchsvollen Lupfer aus 17 Metern das einzige Tor im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern geschossen hatte. Ein großer Moment eines großen Spielers.

          Bundesliga

          Allerdings verriet Kimmich nach dem Abpfiff, dass das Trainerteam um Hansi Flick genau diese Art von Torabschluss empfohlen hatte. „Wir wurden vorher drauf hingewiesen, dass (BVB-Torhüter Roman; d.Red.) Bürki immer relativ hoch steht“, berichtete der Mittelfeldspieler. Der individuelle Geniestreich entpuppte sich als Gemeinschaftswerk, und das passt ziemlich gut zu diesen wunderbar harmonierenden Bayern unter dem Menschenfreund Hans-Dieter Flick, die in den kommenden Wochen wohl zum achten Mal in Serie Meister werden.

          Der etwas größere Hunger entscheidet

          Es waren Nuancen, die den Unterschied ausmachten in diesem Duell auf hohem fußballerischem Niveau, Nuancen jedoch, die jeder sehen konnte. Grundsätzlich waren zwar beide Trainer zufrieden mit den Leistungen ihrer Mannschaften. Als „sehr konzentriert, sehr, sehr entschlossen, auch hellwach und dann teilweise auch sehr mutig“, beschrieb Münchens Flick den Auftritt des Tabellenführers.

          Sein Dortmunder Kollege Lucien Favre fand sein Team ebenfalls „sehr gut“, und doch waren da diese Unterschiede, die zum Fundament dieses knappen 1:0-Sieges wurden: dieser etwas größere Hunger der Bayern. Die ausgeprägtere Fähigkeit, sich in einem entscheidenden Spiel an die eigene Leistungsfähigkeit heranzutasten. Die bessere Form der Einzelspieler genau zum entscheidenden Zeitpunkt.

          „An einem besseren Tag hätten wir vielleicht zwei Tore geschossen“, sagte Dortmunds Mittelfeldanführer Emre Can, der die Leistung seiner Mannschaft ebenfalls okay fand. Aber es gehört nun mal zum Wesen einer großen Mannschaft, die besten Tage dann zu haben, wenn es wirklich darauf ankommt. Als das „wichtigste Spiel der Saison“ hatte Raphael Guerreiro dieses Duell bezeichnet, gespielt wie ein Team am Leistungszenit hatte aber nur der FC Bayern München.

          Denn zu einer Mannschaft, die Pokale und Trophäen gewinnt, gehören Einzelspieler, die in der Lage sind, besondere Momente zu erzeugen. Das geniale Tor von Joshua Kimmich war genau solch eine Heldentat, beim BVB trat an diesem Abend hingegen niemand aus dem ordentlich spielenden Kollektiv hervor, um dem besonderen Spiel mit einem besonderen Moment eine neue Richtung zu geben. Weder Erling Haaland, der zudem verletzt ausgewechselt werden musste, noch Julian Brandt oder der eingewechselte Jadon Sancho waren dazu in der Lage.

          Boatengs Glück

          Das lag einerseits daran, dass einige der Dortmunder Topspieler nach der langen Saisonunterbrechung nicht so fit und formstark auftreten wie in besseren Phasen der Saison (Haaland, Sancho, Can), zum anderen aber auch daran, dass die Bayern unter Flick eine beachtliche Defensivstabilität entwickelt haben. Als der Klub sich nach dem zehnten Spieltag von Trainer Niko Kovac trennte, hatte die Mannschaft bereits 16 Gegentore zugelassen. In den 18 Partien danach sind nur zwölf weitere hinzugekommen. In Dortmund haben sie keine einzige wirklich klare Chance zugelassen.

          Normalerweise stehen 25.000 Dortmunder Fans auf der Südtribüne. Bilderstrecke

          Nur einmal hatten sie Glück, als Jerome Boateng im Fallen einen Haaland-Schuss mit dem Oberarm neben das Tor lenkte, die Schiedsrichter aber auf eine Elfmeterentscheidung verzichteten.

          Favre im Fokus der Kritik

          Die Bayern dürfen sich damit mal wieder als strahlende Sieger im ewigen Duell mit dem Rivalen aus dem Revier fühlen. „Das war heute brutal wichtig, für die Dortmunder wird es jetzt mental schwierig, da dran zu bleiben“, sagte Kimmich.

          Aber für die Attraktivität der Bundesliga ist dieser Spielausgang weniger gut. Im vorigen Jahr war das Titelrennen bis zum letzten Spieltag offen, nun droht wieder eine Entscheidung mehrere Wochen vor Saisonende – in einem Jahr, in dem die Dortmunder ihren Kader mit einem enormen Aufwand und auch einer klugen Strategie verstärkt haben.

          Damit steht wieder einmal Trainer Favre im Fokus der Kritik. Schon lange begleitet den Schweizer der Verdacht, jenseits seiner unbestrittenen Fachkenntnis in den entscheidenden Situationen eines Wettbewerbs nicht die richtigen Impulse zu setzen. Es ist gut möglich, dass die Klubführung des BVB endgültig den Glauben daran verloren hat, dass der BVB mit Favre Titel gewinnen kann. Der 62 Jahre alte Trainer reagierte vage, als er auf das wiederholte Versagen seines Teams in den wegweisenden Partien und auf seine Zukunft in Dortmund angesprochen wurde: „Ich lese nicht die Zeitungen, aber ich weiß wie es geht. Ich werde darüber in ein paar Wochen sprechen.“ Irgendwie klang das nach Abschied.

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