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0:3 gegen Hamburg : Abschiedsstimmung in Hannover

  • -Aktualisiert am

Mission verpasst: Trainer Thomas Schaaf war eigentlich gekommen, um Hannover zu retten. Bild: firo Sportphoto

Die Hannoveraner verlieren gegen Hamburg unverdient mit 0:3. Nun wissen sie allerdings, dass sie dem fünften Abstieg aus der Bundesliga nicht mehr entgehen können.

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          Wie ein Absteiger hat Hannover 96 nicht gespielt – aber dafür konnte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf am Ende wenig kaufen. Beim 0:3 gegen den Hamburger SV waren die „Roten“ die in vielen Belangen bessere Mannschaft in einer schwachen Partie. Doch die späten Hamburger Tore durch Cléber in der 61., Ivo Ilicevic in der 74. und Nicolai Müller in der 75. Minute besiegelten die 21. Saisonniederlage der Niedersachsen – der fünfte Abstieg aus der Bundesliga ist näher gerückt. Dass der neunte Hamburger Saisonsieg zu hoch ausfiel und keiner guten Leistung entsprang, war da nebensächlich.

          „Martin Kind muss weg!“, riefen einige Hannover-Fans an die Adresse ihres ungeliebten Präsidenten gerichtet. „Oh, wie ist das schön“, hallte es anschließend aus Tausenden Kehlen der Fankurve. Der blanke Hohn kurz vor Ende einer deprimierenden Saison. Scharenweise verließen Fans das ausverkaufte Stadion am Maschsee nach dem dritten Hamburger Tor. Am Ende waren die „Roten“ eben doch eingebrochen, obwohl sie dem HSV lange ebenbürtig waren und Torwart René Adler oft beschäftigten. 34 Punkte lassen die Hamburger entspannter in die verbleibenden sechs Partien gehen.

          Hannovers Edgar Prib (rechts) und der Hamburgs Dennis Diekmeier kämpfen um den Ball. Bilderstrecke

          Eine Frage war in der Woche beantwortet worden: Thomas Schaaf hatte sich nach langem Zögern entschlossen, im Falle des Abstiegs aufzuhören, seinen Vertrag bis 2017 also unvollendet zu lassen. „Ein personeller Neuanfang auf der Trainerposition ist dann die beste Lösung“, hatte Sportchef Martin Bader gesagt. Nicht wenige waren bis vor kurzem davon ausgegangen, dass Schaaf in der zweiten Liga mit dem Neuaufbau betraut würde – doch zu schlecht ist seine Bilanz mit zehn Niederlagen in elf Spielen. Mirko Slomka, der die Hannoveraner von 2010 bis 2013 trainierte, und Holger Stanislawski sind im Gespräch, um zu übernehmen.

          Beim HSV gibt es keine Diskussionen um Trainer Bruno Labbadia, wohl aber darum, warum diese teure und gefestigt wirkende Mannschaft doch wieder Richtung Abstiegszone schaut (siehe Kommentar auf Seite 33). Eine schwache Rückrunde mit nur zwei Siegen hatte das Zittern zurück an Elbe und Alster gebracht, der Sieg in Hannover wirkte da wie Balsam. Die Schwäche beim Ausnutzen von Möglichkeiten war vor allem bei den vergangenen Niederlagen in Leverkusen und gegen Hoffenheim auffällig. Und es blieb auch in Hannover lange so.

          Labbadia hatte Mittelstürmer Artjoms Rudnevs draußen gelassen und stellte den bislang enttäuschenden Sven Schipplock in die Startelf. Letztlich machte Schipplock seine Sache ordentlich. Wie Ivo Ilicevic in der 12. Minute den Ball hingegen freistehend aus fünf Metern übers Tor schoss, war ein weiteres Beispiel für fahrlässigen Umgang mit Chancen. Besser machte es Hugo Almeida in der 17. Minute. Seinen Linksschuss wehrte René Adler mit der Hand zum Eckball ab.

          Hannover, mutig und kampfstark, wollte seine nächste und vielleicht letzte Chance nutzen, der HSV war verunsichert und passiv und bot in der Abwehr enorme Lücken. In dieser Phase hätte Labbadia sicher gerne eine Auszeit genommen. Adler brüllte die Kollegen an, doch die blieben in der Mehrzahl schläfrig – vor allem Innenverteidiger Cléber Reis. Hannover wirkte als Mannschaft intakt, war besser und bekam zur Pause zarten Applaus für einen ordentlichen Auftritt. In der 60. Minute verhinderte Torwart Ron-Robert Zieler noch die HSV-Führung durch Ilicevic, doch den anschließenden Eckball wuchte Cléber ins Tor. Sicherheit brachte das keineswegs. Hannover hielt den Kopf oben, versuchte, was möglich war – und verfehlte den zweiten Rückrundensieg doch, weil der HSV durch die Treffer Ilicevics und Müllers alles klar machten. Aber selbst ein „Dreier“ hätte ja kaum mehr als etwas Hoffnung zurückgebracht.

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