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6:1 in Paderborn : Der BVB schießt sich den Frust von der Seele

Justice for George Floyd: Auch Jadon Sancho schließt sich nach seinem ersten Tor in Paderborn dem Protest an. Bild: AFP

Nach der Niederlage gegen den FC Bayern war die Dortmunder Chance auf die Meisterschaft dahin. Gegen Paderborn wahrt der BVB seine komfortable Ausgangsposition im Kampf um die Champions-League-Plätze. Sancho und Hakimi schließen sich einem weltweiten Protest an.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Lange war es nur eine Pflichtübung, ehe Borussia Dortmund in der zweiten Hälfte die Kür folgen ließ. Sie mündete in einen überdeutlichen 6:1-Auswärtssieg beim schließlich wehrlosen Bundesliga-Letzten SC Paderborn durch die Treffer von Hazard (54. Minute), Sancho (57./74./90.+1), Hakimi (85.) und Schmelzer (89.). Der hohe Favorit verteidigte damit am Pfingstsonntagabend Platz zwei in der Tabelle der Fußball-Bundesliga souverän – wenn auch mit weitem Rückstand auf den um sieben Punkte enteilten Klassenprimus Bayern München.

          „Wir haben sie nicht von Anfang an unter Druck  gesetzt, zum Glück ist nichts passiert“, sagte BVB-Torhüter Bürki bei Sky: „In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht und das Spiel kontrolliert. Durch unsere schnellen Spieler außen hatten wir gute Waffen. Wir geben jetzt alles, um jedes Spiel noch zu gewinnen."

          Die Ostwestfalen hatten in den zweiten 45 Minuten dem Dortmunder Sturmlauf bei aller Leidenschaft nichts mehr entgegenzusetzen. Der Aufsteiger, der zwischenzeitlich durch Hünemeiers Handelfmeter auf 1:2 verkürzte (72.), ist fünf Spieltage vor Schluss acht Punkte vom Relegationsrang 16 entfernt und steuert geradewegs auf den Abstieg zu. Trainer Steffen Baumgart haderte nach der Niederlage auch mit den Schiedsrichtern. „Ich würde die Leistung der Schiedsrichter ähnlich einschätzen wie unsere: Erste Halbzeit sehr gut, zweite Halbzeit auch ein bisschen nachlassend in beide Richtungen“, sagte Baumgart.

          Bundesliga

          So etwas wie beim Hinspiel, das hatten sich alle Dortmunder vor dem Wiedersehen mit dem westfälischen Ligaschlusslicht geschworen, sollte „nie wieder“ passieren, wie Sportdirektor Michael Zorc exemplarisch sagte. Damals, am 22. November des Vorjahrs, lag der stolze BVB nach einer haarsträubenden ersten Hälfte 0:3 gegen den Aufsteiger zurück. Das große Desaster wurde letztlich zwar durch das 3:3 am Ende vermieden, doch blamabel genug fühlte sich das Unentschieden gegen den Außenseiter trotzdem an – zwei Wochen nach der 0:4-Klatsche beim FC Bayern München.

          Dessen Dominanz mussten die Schwarz-Gelben in der vorigen Woche aufs Neue anerkennen. Auch wenn die 0:1-Niederlage gegen den alten und mutmaßlich neuen Meister im Ergebnis knapp war, so verband sich mit der missglückten Revanche doch die Erkenntnis, dass der BVB in den entscheidenden Augenblicken der Saison wieder einmal nicht mit den Bayern Schritt halten konnte. Dass danach Trainer Lucien Favre mit ein paar kryptischen Äußerungen hier und da den Eindruck erweckte, er sei in Dortmund amtsmüde, dementierte der Schweizer Gentleman mit dem Hinweis, er wolle seinen Vertrag bis 2021 erfüllen, zwar umgehend, doch der Eindruck, mit Favre seien nun mal keine großen Titel zu gewinnen, hat sich am 23. Mai verfestigt. Auch der Realist Zorc gab sich kurz vor dem Anpfiff keinen Illusionen mehr hin: „Für Platz eins wird es nicht mehr reichen.“

          Kurze Dienstreise

          Um zumindest den Champions-League-Anspruch mit Siegen zu untermauern, kam den Schwarz-Gelben die kurze Dienstreise nach Ostwestfalen gerade recht. Auch wenn Haaland und Dahoud, der in dieser Saison nicht mehr eingesetzt werden kann, wegen einer leichten und mittelschweren Knieverletzung (Innenbanddehnung) passen mussten, vertraute Favre immer noch einer erstklassigen Mannschaft, in der die zuletzt wegen Trainingsrückständen nach leichteren Blessuren wieder in die Anfangsformation berufenen Emre Can und Jadon Sancho erste Wahl waren.

          Die Farbe der Sitze in Paderborn passt für den BVB: Die Ersatzspieler auf der Tribüne.

          Die Paderborner hatten sich unterdessen fest vorgenommen, den Dortmundern noch einmal nach dem Motto, „Frechheit siegt“, zu begegnen. „Wir müssen bei uns bleiben“, hatte der ungebrochen furchtlose Trainer Steffen Baumgart vor dem Wiedersehen mit der Nummer zwei der Bundesliga gesagt, „und das Ding bis zum Schluss durchziehen. Egal, ob wir noch eine Chance haben oder nicht.“ Immerhin verschaffte sich der umtriebige Antwi-Adjej dreimal den freien Raum zu Distanzschüssen, die jedoch allesamt ihr Ziel verfehlten. Da aber auch der Favorit vor der Pause nicht mehr als gehobenen Sommerfußball anbot, dauerte es bis zur 45. Minute, ehe die Borussia ihre erste große Gelegenheit besaß. Nationalspieler Julian Brandt vertat sie indes aus freier Bahn nach Hakimis Anspiel äußerst unkonzentriert.

          Sancho protestiert mit T-Shirt-Aufdruck

          Die zweite Hälfte ging Dortmund dann druckvoller und zielstrebiger an. Hazard, der Haaland-Vertreter im Sturmzentrum, erzielte schon kurz nach dem Wiederbeginn das 1:0, dem Sancho wenig später das 2:0 folgen ließ. Dabei schloss sich der Engländer im Jubel dem weltweiten Protest gegen die Tötung der schwarzen Amerikaners George Floyd an. Auf einem gelben T-Shirt unter seinem Trikot zeigte er die Aufschrift „Justice for George Floyd“. Später war die selbe Botschaft auch auf einem Shirt seines Teamkollegen Achraf Hakimi zu lesen.

          Der SCP durfte kurz auf mehr hoffen, als Can einen Schuss von Dräger mit dem Ellbogen abwehrte und Schiedsrichter Siebert auf Elfmeter entschied. Eine Chance, die sich Kapitän Hünemeier nicht nehmen ließ. Das 1:2 hielt aber nur drei Minuten, ehe Sancho die letzten Zweifel am Dortmunder Erfolg nach Guerreiros Vorarbeit beseitigte. Für die Zugaben zum guten Schluss sorgten bei minütlich wachsender Dortmunder Spiellust Hakimi und Schmelzer mit seinem ersten Saisontor, ehe abermals der nach der Pause überragende Sancho mit seinem 17. Saisontreffer den Pfingstsonntag auf vortreffliche Weise abrundete.

          „Ich habe in der Halbzeit fast nichts gesagt. Nur, dass wir weiter spielen müssen“, sagte BVB-Coach Favre.  „Wir wollten keine Konter kriegen und haben es weiter so gemacht, wie in der ersten Halbzeit.“ Am Ende war das Rezept dann sehr erfolgreich.

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