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4:0 in Freiburg : Der BVB bleibt nur im Bächle hängen

Dortmunder Jubel: Jadon Sancho hat die Führung erzielt. Bild: Reuters

Borussia Dortmund hält das Meisterschaftsrennen offen. Dank mustergültig herausgespielter Tore zieht der BVB in Freiburg im Fernduell mit den Bayern nach. Und es stehen manche Eheschließungen in Aussicht.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Der Schlusspfiff nahte, der Widerstand des SC Freiburg begann mehr und mehr zu schwinden, der Sieg des BVB nahm immer konkreter Formen an, da schufen die Fußballer von Borussia Dortmund noch einen historischen Moment. Zehn Minuten vor dem Ende legte Marco Reus einen Ball von der linken Seite quer ins Zentrum, wo sein alter Kumpel Mario Götze zum 3:0 traf, und in diesem Moment wussten die beiden noch gar nicht, dass ihnen gerade eine kleine Sensation gelungen war. Noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat Reus einen Treffer Götzes vorbereitet, dabei haben die beiden schon so viel zusammen erlebt. „Ich kann mir das schwer erklären, aber dann wurde es ja auch mal Zeit“ sagte Reus nach einer Partie, die der Meisterschaftskandidat aus dem Revier am Ende ziemlich souverän mit 4:0 (1:0) im Breisgau gewonnen hatte. Der Kapitän war mächtig überrascht von dieser Information.

          Bundesliga

          Vielleicht wird diese Premiere das eine Detail sein, das von diesem Spiel übrig bleibt, vor dem die Dortmunder jede Menge Respekt hatten. Doch verglichen mit den Dramen, die der BVB seinem Publikum in den vergangenen Wochen geboten hatte wurde das Gastspiel im Badischen zu einen Osterspaziergang durch die frische Schwarzwaldluft. Zumindest am Ende, und die Freiburger hatten ihren Teil dazu beigetragen. Nach Jadon Sanchos frühem 0:1 (13.) hätte sein Team sich auch „hinten reinstellen“ und auf irgendwelche Zufallchancen oder Standardsituationen warten können, sagte Trainer Christian Streich, nach dem Abpfiff. „Aber wir wollen Fußball spielen“. Und so wurden sie kühl und in einigen Momenten auch mit beeindruckender fußballerischer Finesse ausgekontert.

          Kaum Freiburger Widerstandskraft

          Womöglich spielte bei der bewundernswerten Freiburger Risikobereitschaft auch die Tabellensituation eine gewichtige Rolle; weil der VfB Stuttgart immer weiter verliert, hat der Sportclub seine Ausgangslage trotz zuletzt drei Niederlagen am Stück mit einem Torverhältnis von 1:11 verbessert. Die Anzahl der Spiele hat abgenommen, der Elf-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz ist aber gleich geblieben. Die von der ganzen Liga gefürchtete Freiburger Widerstandskraft ist wahrscheinlich erst in der kommenden Saison wieder gefordert.

          2:0 für den BVB: Marco Reus schießt an Freiburg-Schlussmann Alexander Schwolow vorbei ein.

          Vielleicht lag auch deshalb über einigen Phasen der Partie vielmehr ein Gefühl kollektiver Frühjahrsmüdigkeit. Die Anhänger in den Fankurven sangen ihre Lieder, ganz unabhängig davon, was auf dem Rasen passierte, und  den Fußballern unterliefen immer wieder Ungenauigkeiten und unnötige Ballverluste, auch dem BVB. Doch lange Zeit nutzten das weder die Freiburger noch die Dortmunder zur Erzeugung eigener Torgefahr, jedenfalls bis Reus nach einem schönen Zuspiel von Raphael Guerreiro zum 0:2 traf (54.). „Wir waren sehr effizient heute und haben gut verteidigt“, lautete das knappe Fazit von Trainer Lucien Favre.

          Fernduell spielt immer mit

          Götzes historischem, weil von Reus vorbereitetem 0:3 folgte am Ende auch noch ein Handelfmetertreffer von Paco Alcácer (87.) zum 0:4. Dieser Sieg „tut gut“, resümierte Götze, auch weil der BVB sich in den zurückliegenden Wochen regelmäßig „sehr schwer getan“ habe, und dem SC Freiburg der Ruf eines ganz besonders unangenehmen Gegners voraus eilt. Zuletzt hatte auch der FC Bayern größte Mühe, wenigstens einen Punkt aus dem Breisgau mitzunehmen.

          Die Dortmunder wirkten da souveräner, und vielleicht können sie sich hier einen kleinen Vorteil im großen Fernduell zurecht phantasieren. Dieses Duell spielt ja immer mit in dieser Saisonphase, und war der Entstehung von Gefühlen wie Zuversicht oder fußballerischer Leichtigkeit zuletzt nicht gerade zuträglich ist.

          An diesem Tag sind wenigstens die ersten drei Treffer nicht nur sehenswert gewesen, sondern auch einer Spitzenmannschaft würdig. „Wir nehmen das schon wahr“, erwiderte Götze, als er  auf die Überlegenheit angesprochen wurde, mit der die Münchner ihre Gegner derzeit dominieren, im Subtext hießen diese Worte: Der FC Bayern nervt gewaltig. Nun haben sie selbst einen eigenen sehr klaren Sieg dagegen gesetzt, und vielleicht hat so mancher Dortmunder am Rande dieses Auswärtsspiels nicht nur einen Beitrag zum deutschen Meistertitel geleistet, sondern die Weichen für die private Zukunft gestellt.

          Die Reisegruppe aus dem Revier hatte während ihrer Anreise einen kuriosen Fauxpax erlebt, als der Mannschaftsbus in einem der berühmten Freiburger Bächle hängen geblieben war. Der lokalen Legende zu Folge heiraten all jene Gäste der Stadt eine Freiburgerin oder einen Freiburger, die versehentlich in eines dieser Gewässer hineingeraten. Badische Junggesellinnen können sich demnach Hoffnungen auf eine Ehe mit einem Dortmunder Fußballprofi machen.

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