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4:0 gegen Leverkusen : Der BVB versöhnt seine Fans

  • -Aktualisiert am

Erst hatte er Pech, dann kam doch Glück dazu: Marco Reus trifft doppelt gegen Leverkusen Bild: EPA

Ein 4:0 als Wiedergutmachung für die Pleite gegen 04: Borussia Dortmund meldet sich gegen Bayer Leverkusen nach der Derbyniederlage zurück. Marco Reus und Jadon Sancho sind die überragenden Spieler.

          Peter Stöger hatte nicht zu viel versprochen. Trotz der schwachen Leistung beim verlorenen Revierderby vor einer Woche gegen Schalke 04 hatte der Cheftrainer selbstbewusst verkündet, dass er seinem kickenden Personal zutraue, das einzige verbliebene Saisonziel zu erreichen. „Die Qualifikation für die Champions League haben wir in unseren Beinen“, sagte er. Beim 4:0 über Bayer 04 Leverkusen spielte sogar der Kopf mit. In der einseitigen Partie stürmten die Dortmunder phasenweise wie entfesselt und kamen dank der Tore von Jadon Sancho (13. Minute), Marco Reus (55./79.) und Maximilian Philipp (63.) zu einem souveränen Heimsieg, der sogar höher hätte ausfallen können.

          Buchstäblich im Sturm eroberte der BVB sich den dritten Tabellenplatz wieder zurück und verdrängte die auf der ganzen Linie enttäuschende „Werkself“ auf Rang vier des Bundesliga-Klassements.

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          Stöger hatte schon vor dem Anpfiff eine Überraschung parat. Der Cheftrainer des BVB verzichtete auf Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer. Für den Linksverteidiger war nicht einmal ein Platz auf der Ersatzbank frei. Die freie Stelle im Außendienst wurde Manuel Akanji zugeschlagen; als Bank-Angestellter erhielt Jeremy Toljan den Vorzug, ein Profi, der zuletzt keine große Rolle gespielt hatte. Stöger wollte den Personalwechsel als „sportliches Statement“ gewertet wissen. Schmelzer habe zu den Spielern gehört, die in den vergangenen Wochen „nicht ihre optimale Leistung abgerufen haben“. Schmelzer einen Kapitänsbonus einzuräumen hielt Stöger für unangebracht. „In der Grundformation des Fußblls ist ein Kapitän auch nur ein normaler Spieler“, sagte der Österreicher vor dem Anpfiff.

          Spielfreude wie lange nicht

          Stögers Fingerzeig folgte ein Statement auf dem Rasen. Die Dortmunder zeigten eine Spielfreude (inklusive Freude am Doppelpass) wie seit langem nicht und übten von Anfang an viel Druck aus. Am Ende der ersten Halbzeit konnten die Leverkusener als einzigen kleinen Erfolg verbuchen, dass die Borussen dem ersten Tor keine weiteren Treffer hatten folgen lassen. Der agile Flügelspieler Sancho, einer von vier neuen Kräften, in der Dortmunder Startelf, hatte den Ball nach Christian Pulisics formidabler Vorarbeit ins lange Eck platziert und so die Kräfteverhältnisse zu diesem Zeitpunkt wenigstens annähernd auch im Ergebnis zum Ausdruck gebracht.

          Tempomacher wie Pulisic und Sancho auf den Außenpositionen, Marco Reus und Mario Götze im zentralen Mittelfeld sowie Maximilian Philipp als Sturmspitze (anstelle des verletzten Michy Batshuayi) verliehen den Angriffen der Heimelf bei sommerlichen Temperaturen viel Schwung. Dortmund hätte zur Pause allerdings höher führen müssen. Götze (9.) und Sancho (12.) hatten schon vor dem Führungstor gute Möglichkeiten.

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          Gegen Ende des ersten Durchgangs versäumte es die überlegene Elf, ihren Vorsprung zeitig auszubauen. Ein Treffer von Reus wurde von Schiedsrichter Markus Schmidt nicht anerkannt, nachdem der Videoassistent sich eingeschaltet hatte (34.). Drei Minuten später scheiterte Reus mit einem Foulelfmeter an Ramazan Özcan, der den am Oberschenkel verletzten Leverkusener Stammtorwart Bernd Leno vertrat. Die Dortmunder ließen sich von den verpassten Gelegenheiten in ihrem Tatendrang nicht bremsen.

          Und die Einschläge kamen schon kurz nach dem Seitenwechsel wieder näher. Verteidiger Retsos wehrte Götzes Schuss vor der Linie ab (51.), Reus' nächster Versuch landete auf der Latte (52.). Doch der BVB-Kapitän ließ nicht locker, und dann brachen in der überforderten Bayer-Abwehr alle Dämme. Reus und Philipp bauten den Vorsprung aus und sorgten mit insgesamt drei weiteren Treffern dafür, dass sich die Dortmunder Spielfreude auch im Ergebnis spiegelte. Für Leverkusen ging es nur noch darum, die Niederlage wenigstens einigermaßen in Grenzen zu halten.

          „Wir sind gut in die Partie gekommen, haben die Zweikämpfe gewonnen und auch spielerisch gut gespielt. Es war wichtig, dran zu bleiben“, sagte Reus bei Sky und übte Selbstkritik wegen des verschossenen Elfmeters. „Der war ganz schwach geschossen.“

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