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Der Bundesliga-Kommentar : Deutscher Frost, Bremer Feuer

  • -Aktualisiert am

Bremens „Spitzenspaßfußballer” Bild: AP

Welch frostiges Klima für Deutschlands Lieblingsspiel. Nur gut, daß ausgerechnet eine Mannschaft aus dem angeblich so kühlen Norden kräftig auf den Blasebalg tritt, um die Flamme der Fußball-Begeisterung am Leben zu halten.

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          Willkommen in der Winterzeit. Passend dazu ist bekanntgeworden, daß es um die internationale Vermarktung des verfilmten deutschen Sommermärchens eine Diskussion gibt, die Streit zu nennen vielleicht übertrieben wäre. Aber zwischen Darstellern und Managern auf der einen sowie Regisseur und Verbandsvertretern auf der anderen Seite herrscht eine etwas unterkühlte Stimmung. Auf jeden Fall ist sie futsch, die schöne Zeit.

          Jetzt drohen Düsternis, Dunkelheit, Depression. Wer diese Worte als überzogen ansieht, sei darin erinnert, daß im Fußball einige wenige Niederlagen ausreichen, um ein vor kurzem noch gepriesenes Arbeitsverhältnis zwischen Verein und Trainer ganz und gar grundsätzlich in Frage zu stellen. Gestern standen Doll, Marwijk und Skibbe auf der schwarzen Liste, heute Heynckes, Klopp und Koller. Und morgen? Gut zu wissen, daß manchmal ein schlankes Unentschieden ausreicht, um alle Turbulenzen ad acta zu legen - wie es ja soeben bei Borussia Dortmund geschehen sein soll. "Der Trainer war vorher schon über den Berg", behauptete der Vorstandsvorsitzende. Doch womöglich hätte man, um im Bild der Bergwelt zu bleiben, bei einer Niederlage diese Seilschaft einfach auseinandergerissen.

          Krawalle im Siegerland

          Immerhin tut man sich gegenseitig allenfalls verbal weh, wird (noch) nicht handgreiflich, wie abseits der Erstliga-Schauplätze in zunehmender Häufigkeit zu beklagen. Perdu auch hier die Harmonie der Fan-Meilen dieses Sommers, als Hunderttausende aus aller Herren Länder friedlich feierten. Stattdessen werden regionale oder lokale Rivalitäten in geradezu brutaler Weise ausgetragen, und Politiker, die eben noch den Fußball als Erfolgsmodell für Gewaltprävention und Integration sowie als beste Werbung für das moderne Deutschland-Bild in der Welt gerühmt haben, echauffieren sich mit routinierter Rhetorik gegen eskalierende Gewalt in Fußballstadien, fordern hartes Durchgreifen.

          Wir warten auf Krisengipfel, Sofortmaßnahmen - und auf die Sondersendung zum Thema mit Sabine Christiansen. Zynisch könnte man bemerken, daß die Krawalle im Siegerland, im Osten, ebenso in Baden-Württemberg und in Bayern auch ihr Gutes haben: als Motor für dringend notwendige Investitionen in Stadionsicherheit jenseits des großen Fußballs.

          Welch frostiges Klima für Deutschlands Lieblingsspiel. Nur gut, daß ausgerechnet eine Mannschaft aus dem angeblich so kühlen Norden kräftig auf den Blasebalg tritt, um die Flamme der Fußball-Begeisterung am Leben zu halten. Und es ist nicht zu befürchten, daß bei Werder Bremen das Feuer so schnell ausgehen wird; "vollgeblasen von schon unmenschlichem Selbstbewußtsein", sind diese Spieler nach Einschätzung des Mainzer Trainers Klopp.

          Schade, daß die "Meenzer" nach dem 1:6 gegen Werder endgültig jenes Etikett verloren haben, das so lange ihr Bundesliga-Abenteuer zierte: Spaßfußballer. Als solche dürfen in der Bundesliga überhaupt nur noch die phantasievollen Bremer gelten. Um jede Verwechslung mit weit weniger begabten Vorgängern in dieser Kategorie auszuschließen, ist ein neuer Titel zwingend erforderlich: "Spitzenspaßfußballer".

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