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HSV-Torjäger Lasogga : Der Bär wacht auf

  • -Aktualisiert am

Wie im Vorjahr Retter des Dino? Pierre-Michel Lasogga scheint beim HSV alle Last stemmen zu können Bild: Reuters

Zwei Tore nach Monaten der Verletzungen und Ladehemmung: Pierre-Michel Lasogga weckt beim HSV nach dem 3:2-Sieg gegen Augsburg wieder Hoffnungen - und dankt Trainer Labbadia für das Vertrauen.

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          Stück für Stück setzt Pierre-Michel Lasogga sein Fußballspiel gerade wieder zusammen. Als ihm am vorvergangenen Sonntag in Bremen ein (ungefährlicher) Volleyschuss aufs Tor gelang, klatschte er in die Hände. In den Schlussminuten rannte er wild aufs Werder-Tor zu, er wollte sein Tor, er nahm sich den Schuss, obwohl abspielen besser gewesen wäre. Der Ball blieb hängen. Der HSV verlor bekanntlich 0:1, und Lasogga gelang in der Gesamtschau wenig.

          Aber es gab immerhin diese zwei Aktionen, die vage an den durchsetzungsfähigen, schussstarken Stürmer von früher erinnerten. Vier Tage vor dem Spiel hatte der HSV Bruno Labbadia als neuen Trainer vorgestellt. Nach dem zweiten Training sagte Labbadia, dass er auf Lasogga setze: „Pierre ist ein Bär, wir brauchen ihn.“

          Endes des Winterschlafs

          Der Bär hat einen langen Winterschlaf hinter sich, und die müden Glieder sind immer noch nicht richtig munter. Doch ein Trainer, der ohne Vorbehalte, ohne den Blick auf die vergangenen Wochen und Monate auf Lasogga setzt, der kann erwarten, oder zumindest hoffen, dass er von diesem treuherzigen Riesen etwas zurückbekommt.

          Vielleicht konnte sich der ehemalige Mittelstürmer Labbadia tatsächlich etwas besser in den Mittelstürmer Lasogga hineinversetzen als seine Vorgänger. Labbadia kennt es, wenn öffentlich die Minuten der Torlosigkeit gezählt werden. Auf knapp 600 hatten sie sich beim Hamburger SV und Lasogga vor dem 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg addiert. Dann folgte der „Brustlöser“, wie Labbadia das 1:0 durch Ivica Olics erstes Saisontor für den HSV nannte. Und dann? Sah man einen Lasogga, der ins Gedächtnis rief, im Sommer 8,5 Millionen Euro Ablöse an Hertha BSC wert gewesen zu sein: Ein Kopfball-Aufsetzer zum 2:0 in der 19. Minute und ein stürmisch bejubelter Knaller zum 3:2 in der 71. Minute, nachdem die Tore Bobadillas und Werners zum Ausgleich alle Hamburger Hoffnungen schon zu knicken schienen.

          „Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als wenn die Leute deinen Namen rufen“, sagte der 23 Jahre alte Angreifer später. Seit dem achten Spieltag jagte er einem Tor nach. Er wandelte zwischen Stammelf und Bank, er sah die Doktoren und Masseure häufiger als die Kollegen. Der Kauf Olics im Januar war ein Misstrauensvotum gegen Lasogga. Der Stürmer schien hier zu versauern. Und wenn er eingewechselt wurde, misslangen die einfachsten Dinge.

          Kraft für 90 Minuten

          Als Labbadia am Samstag nun erzählen sollte, wie er Lasogga wieder „hinbekommen“ habe, verzichtete er auf Märchen. Labbadia sagte: „Die Physios und Docs haben viel geleistet, damit er in seine alte Form kommt.“ Lasogga hat die vergangenen drei Saisonvorbereitungen beinahe komplett verpasst; Winter, Sommer, Winter. In keine Halbserie konnte er austrainiert starten. Er musste sich die Fitness immer im laufenden Betrieb holen. Das mag in einem funktionierenden Team gerade noch hinhauen. Aber nicht beim ewigen Patienten HSV.

          Jetzt hat Lasogga wieder die Kraft für neunzig Minuten Fußball. Weil er die Woche über ganz normal trainiert. Weil auch niemand mehr von Übergewicht oder schlechter Ernährung schreibt. Dass Labbadia ihn trotz deutlicher Müdigkeit in Bremen durchspielen ließ, musste Lasogga als Zeichen des Vertrauens verstehen. Er nahm es als Ansporn. „Für einen Stürmer ist es immer gut zu wissen, dass der Trainer hinter einem steht. Bruno Labbadia hat das von der ersten Minute an getan. Mit den Toren konnte ich ihm etwas zurückgeben.“ Mit ihm und Olic vorn kann der HSV zumindest ansatzweise modernen Fußball spielen, die Verteidiger anlaufen. Und Lasogga bekommt jetzt auch wieder Freistöße und Flanken hin, die ihm vor ein paar Wochen garantiert misslungen wären – oder die gleich ein anderer übernommen hätte.

          Sein gestiegenes Selbstvertrauen soll sich auf die Kollegen übertragen. Wild ruderte er gegen Augsburg mit den Armen, forderte die Mitspieler in der heißen Schlussphase auf, sich nicht zu weit zurückzuziehen. Ähnlich hatte es Lasogga auch vor einem Jahr gemacht, als er und Hakan Calhanoglu quasi allein den Abstieg des Dinos verhinderten. Kurz vor Saisonende liegt die Last nun wieder auf seinen breiten Schultern. „Wir haben vier wichtige Wochen vor uns“, sagte Lasogga, „wenn wir alles reinhauen, bleiben wir drin.“

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