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Der älteste Feldspieler der Fußball-Bundesliga : „Das Schwierigste war, meine Frau zu überzeugen“

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„Man lebt und ernährt sich einfach bewusster” Bild:

Mit 38 Jahren ist er der älteste Feldspieler der Fußball-Bundesliga, und im Dezember verlängerte er seinen Vertrag in Hannover um eine weitere Saison. Michael Tarnat über seine Sucht nach Fußball, sein lange unentdecktes Talent und alte Sammelwut.

          Michael Tarnat spielte beim MSV Duisburg, Karlsruher SC, bei Bayern München, Manchester City und steht seit 2004 in den Reihen von Hannover 96. Mit 38 Jahren ist er der älteste Feldspieler der Fußball-Bundesliga. Im Dezember verlängerte er seinen Vertrag in Hannover um eine weitere Saison. Es wird das 19. Profijahr seiner Karriere. Der Fußball-Senior im Interview.

          Die Vorbereitungsphase gilt als schlimmste Zeit des Jahres für einen Fußballprofi. Dreimal am Tag wird trainiert, morgens um sieben Uhr das erste Mal gelaufen. Haben Sie schon mal bereut, dass Sie sich zur Fortsetzung Ihrer Karriere entschieden haben?

          Gott sei Dank hatten wir dieses Jahr humane Zeiten im Trainingslager auf Teneriffa. Wir durften bis halb neun schlafen. Aber selbst wenn man morgens um sieben durch die Dünen läuft, weiß man ja, wozu das gut ist. Noch macht mir das nichts aus. Noch kann ich mit den jungen Hüpfern gut mithalten.

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          Sie sind mit Bayern München deutscher Meister geworden, haben die Champions League gewonnen und im Ausland gespielt. Man könnte meinen, Sie haben als Fußballer alles erreicht. Was treibt Sie noch an mit 38 Jahren?

          Das lässt sich einfach sagen: der Spaß am Fußball. Das ist meine Motivation, jeden Tag zum Training zu fahren und mich jeden Samstag mit anderen zu messen. Außerdem habe ich einen fußballverrückten Sohn. Der ist stolz darauf, seinen Papa jede Woche auf dem Rasen zu sehen. Er sagt mir immer: „Oooh, du spielst gegen Ribéry, Klose, Diego oder van der Vaart.“ Auch das ist für mich ein Ansporn, weiterzumachen.

          Dabei war in den Tagen rund um Ihre Vertragsverlängerung zu lesen, dass Sie Ihre Familie erst mühsam von diesem Schritt überzeugen mussten.

          Das Schwierigste war, meine Frau zu überzeugen. Für uns war immer klar, dass wir nach dem Ende meiner Laufbahn nach München zurückgehen. Und in Bayern ist das Schulsystem ein bisschen härter als woanders. Mein Sohn ist jetzt in dem Alter, in dem er auf eine weiterführende Schule kommt, da hatten wir die Befürchtung, dass er Probleme kriegt, wenn er die fünfte Klasse hier besucht und ein Jahr später nach München wechselt. Deshalb war meine Frau dafür, schon in diesem Jahr zurückzugehen. Aber der Kleine hat uns gesagt: „Kein Problem, ich schaffe das.“ So kamen wir zum Entschluss, dass ich noch ein Jahr weiterspiele.

          Noch ein Jahr weiterspielen - das haben Sie schon häufiger gesagt.

          Stimmt. Eigentlich wollte ich schon vor drei Jahren meine letzte Saison spielen. Aber ich merke bis heute, dass ich Spaß habe und mithalten kann.

          Leben oder trainieren Sie mit 38 Jahren heute anders als früher?

          Sicherlich. Ich merke ja nach jedem Bundesligaspiel, dass ich ein, zwei Tage länger brauche als früher, um mich zu regenerieren. Als jüngerer Spieler spürt man ein Wehwehchen und denkt sich, das verschwindet nach ein, zwei Tagen schon wieder. Als älterer Spieler horcht man deutlich mehr hinein in seinen Körper. Ich achte darauf, mich regelmäßig pflegen zu lassen, zur Massage und in die Sauna zu gehen und viel zu schlafen. Man lebt und ernährt sich einfach bewusster. Ich glaube nicht, dass sich viele junge Spieler darüber Gedanken machen, dass sie eine Verantwortung für ihren Körper haben.

          Ist dieses Bewusstsein bei Ihnen auch erst mit der Zeit gekommen, oder war Ihnen das schon als Jungprofi klar?

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