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Kommentar zum 1. FC Köln : Leiden ohne Modeste

  • -Aktualisiert am

Keine einfache Situation: Der 1. FC Köln um Torhüter Timo Horn sucht nach der Form Bild: dpa

25 Jahre hat der 1. FC Köln auf ein Europapokalspiel im Müngersdorfer Stadion warten müssen. Die Vorfreude aufs Comeback ist getrübt von Tristesse in der Bundesliga.

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          Alles könnte so schön sein beim 1. FC Köln. Umsatz und Gewinn haben Rekordwerte erreicht, das Eigenkapital hat sich mehr als verdoppelt. Doch Geld allein macht nicht glücklich. An diesem Donnerstagabend (19 Uhr/ live bei Sky und F.A.Z.-Liveticker) gegen Roter Stern Belgrad geht es im ersten Europapokal-Heimspiel nach einem Vierteljahrhundert auch darum, den Schaden zu begrenzen, den die Mannschaft in der Bundesliga angerichtet hat. Zwar neigten die Verantwortlichen des Tabellenletzten zuletzt dazu, den missratenen Start zu verharmlosen, aber einen Fehler haben sie bisher nicht gemacht: Trainer Peter Stöger in Frage zu stellen, den Mann, der die Krise so zu meistern versucht, wie er den Erfolg vorangetrieben hat – mit ruhiger Hand. Ob man es oberflächlich betrachtet oder mit Tiefgang, das Ergebnis ist immer dasselbe: In Köln liegt es nicht am Trainer, sondern an einem Angreifer, der nicht mehr da ist.

          Insofern scheint durchaus ein Managementfehler vorzuliegen. Die Verantwortlichen hatten angenommen, der Verkauf des Stürmerstars Anthony Modeste lasse sich mit überschaubaren Mitteln kompensieren. Aber es war ein Irrtum, zu glauben, ein Mann, der in 68 Ligaspielen vierzig Tore geschossen hat, ließe sich ersetzen durch Jhon Córdoba, einen erschwinglichen, als Torschütze aber unauffälligen Mann aus Mainz. Dessen bisherige Flaute ließe sich vielleicht noch mit Anlaufschwierigkeiten erklären; auch Modeste hatte bei seiner Ankunft nicht darauf verweisen können, dass bei ihm jeder Schuss ein Treffer war. Aber wenn eine ganze Mannschaft in sechs Spielen nur ein Tor erzielt hat, liegt die Erkenntnis nahe, dass auch die anderen Offensivkräfte höchstens Mittelmaß sind.

          Erschwerend kommt hinzu, dass es dem „FC“ im Transfersommer misslungen ist, Mark Uth zu verpflichten, einen Stürmer der TSG Hoffenheim, der kurioserweise auch noch in Köln geboren ist. Uth hätte Phantasien geweckt. Auch Modeste war aus dem Kraichgau nach Köln gekommen. Und die aktuellen Daten lassen vermuten, dass der FC mit Uth besser dastehen würde. In sechs Ligaspielen traf der Stürmer für Hoffenheim viermal und gab eine Vorlage. Das Scheitern dieses Transfers hat die Kölner nicht dazu verleitet, in Aktionismus zu verfallen. Allerdings stellt sich die Frage, ob es überhaupt nötig war, Modeste abzugeben. 35 Millionen Euro Ablöse sind für den Klub eine Rekordablöse, aber auf dem internationalen Markt keine Summe mehr, die Erstaunen hervorruft.

          Suche nach Lösungen: Trainer Peter Stöger (rechts) und Manager Jörg Schmadtke

          Jetzt behauptet Modeste auch noch, er wäre bereit gewesen, in Köln zu bleiben, statt nach China zu gehen. Natürlich hätte er sich eine saftige Gehaltserhöhung gewünscht, sagt er, die aber habe der Klub ihm nicht gewähren wollen. Die Geschäftsführung muss aus ihrer Sicht den Transfer anders bewerten. Aber sie hat sich auf ein schwankendes Terrain zwischen Augenmaß und Fahrlässigkeit begeben. Sportlich wäre es geboten gewesen, alles zu unternehmen, Modeste zu halten. Mittelfristig wäre das vielleicht sogar wirtschaftlicher gewesen. So oder so sei allen tiefschürfenden Erkenntnissen zum Trotz diese Prognose gewagt: Die Kölner werden unter dem Verlust des französischen Torjägers länger leiden, als sie gedacht haben.

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