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1. FC Kaiserslautern : Pfälzer Scherbenhaufen

  • -Aktualisiert am

Dunkle Wolken: Der Betzenberg in Kaiserslautern Bild: Picture-Alliance

Der 1. FC Kaiserslautern muss sparen – und die Hinweise auf Missmanagement in der kürzlich zu Ende gegangenen Ära Kuntz werden immer zahlreicher. Hat der Aufsichtsrat versagt?.

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          Die glorreiche Vergangenheit blitzte am Donnerstag noch mal kurz auf. Da trafen sich einige Altvordere vor dem Fritz-Walter-Stadion am Denkmal, das dort zur WM vor zehn Jahren zu Ehren der fünf Lauterer Weltmeister von 1954 errichtet worden war. Doch heute steht der Kultklub aus der Pfalz vor einem Scherbenhaufen. Der Kassensturz der neuen, um Transparenz bemühten Führung zeigt: Der FCK ist finanziell schwer belastet. Dafür steht auch eine verbratene Fananleihe über sechs Millionen Euro, die eigentlich komplett für das Zukunftsprojekt des Nachwuchsleistungszentrums vorgesehen war. Hier herrscht vorerst Ausbaustopp. Der Traditionsverein droht durch die angespannte Wirtschaftslage in eine Abwärtsspirale zu geraten.

          Dabei klangen die Parolen der langjährigen Bosse äußerst selbstbewusst. Die kürzlich abgetretenen Vorstände Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt sprachen noch zuletzt vom „Substanzverein“. Der FCK sei wirtschaftlich saniert. Doch viele Mitglieder fühlen sich von dem Duo in die Irre geführt. Und die Zahlen geben ihnen recht. „Ich bin von ihnen enttäuscht. Da wurde nie ehrlich gearbeitet“, sagt Klaus Becker, mehr als 20 Jahre im FCK-Fanbeirat. Er trägt für seine Verdienste die Goldene Ehrennadel des Vereins. Als die „Betze-Anleihe“ 2013 herausgegeben wurde, zeichnete der FCK-Enthusiast Becker nicht mal die Mindesteinlage von 100 Euro. „Ich habe dem damals schon nicht getraut.“

          Kritiker als „Ratten“ bezeichnet

          Wer das undurchsichtige Geschäftsgebaren der alten FCK-Führung in Frage stellte, wurde entweder juristisch angegangen, was den Verein stets Geld kostete, oder diffamiert. Auch die Auseinandersetzung mit dem Bund der Steuerzahler um die Abhängigkeit des Vereins von öffentlichen Subventionen mündete in einen kuriosen Rechtsstreit. Kritiker wurden schon mal als „Ratten“ bezeichnet.

          Bei einer Vereinsversammlung in johlender Bierzeltatmosphäre gab es die Ansage „draufzuhauen“. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Rombach, dem im Winter von den Mitgliedern das Vertrauen entzogen worden ist, dachte laut darüber nach, ob nicht manche Journalisten ausgesperrt werden sollten. Nach dem Motto: Lügenpresse.

          Rombachs Ehrenwort

          Der Informatik-Professor hatte in der Vergangenheit stets in enger Bande mit Kuntz gewirkt. Dass die sechs Millionen Euro der Fananleihe nur fürs bedeutsame Talentzentrum gedacht seien und nicht zum Stopfen von Finanzlöchern zweckentfremdet würden, dafür gab Rombach sein „Ehrenwort“. Die Aussage liegt dieser Zeitung schriftlich vor. Eigentlich war Rombach oberster FCK-Kontrolleur.

          Nun steht die alte Führung ganz schlecht da. Der Zweitligaverein wurde in Wirklichkeit über all die Jahre offenbar schwer geschädigt. Es sei eine „spannende Frage“, sagt der neue Finanzvorstand Michael Klatt, ob die Vorgänger die Öffentlichkeit bei der Verfügbarkeit der Anleihe belogen hätten. Viele Mitglieder fühlen sich getäuscht. Manche diskutieren schon, ob nicht gegen Rombach, Kuntz und Grünewalt vorgegangen werden sollte. Der FCK steht als Beispiel dafür, wie ein Fußballklub mit heldenhafter Geschichte, gutem Entwicklungspotential und einem begeisterungsfähigen Umfeld durch Misswirtschaft, Unfähigkeit und Fehlverhalten des Managements sowie mangelnde Aufsicht ins Straucheln gerät. Das erinnert an Borussia Dortmund Mitte der 2000er, als das Duo Niebaum/Meier das Finanzdesaster zu vertuschen versuchte und den Klub so fast in die Insolvenz trieb.

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