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Cenk Sahin beim FC St. Pauli : Dem Salut folgt das Aus

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Empfangen im Ministerium: Cenk Sahin ist nach seiner Suspendierung in St. Pauli zu Gast bei Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoglu . Bild: Getty

St. Pauli zeigt Flagge, Cenk Sahin muss nach einer Solidaritätsbekundung mit dem türkischen Militär gehen: Der Klub handelt anders als weitere Klubs aus dem deutschen Profifußball.

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          Es sind nur kleine Spuren, die Cenk Sahin beim FC St. Pauli hinterlassen hat. Seit Jos Luhukay die Hamburger trainiert, saß der 25 Jahre alte Türke auf der Bank oder der Tribüne. Andere Trainer sahen in dem Rechtsaußen mehr als einen Lückenbüßer. Immerhin war St. Pauli, das am Samstag in der zweiten Bundesliga mit 0:1 verloren hat gegen Darmstadt 98,  im Sommer 2017 bereit, für ihn 1,3 Millionen Euro an Basaksehir zu überweisen. Dorthin ist Sahin nun wieder zurückgekehrt, und die Umstände dieses Wechsels hätten kaum spektakulärer sein können. Die Bilder salutierender türkischer Fußballspieler in den Partien der Qualifikation zur Europameisterschaft gegen Albanien (1:0) und Frankreich (1:1) gingen um die Welt. Nach dem Tor in Frankreich jubelten die meisten türkischen Akteure mit dieser Geste Richtung ihrer Fans, die Uefa leitete daraufhin Ermittlungen ein. Bis hinunter in die Kreisliga zeigten sich türkischstämmige Fußballspieler in dieser Manier. Es kam zu Ausschreitungen, in Herne wurde ein Spiel abgebrochen.

          Schon am vorvergangenen Freitag hatte Cenk Sahin die Syrien-Offensive des türkischen Militärs begrüßt und seine Solidarität mit den türkischen Soldaten bei Instagram bekundet. Sahin hatte in seinem Post geschrieben: „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!“ Später stellte der Spieler den Post vom allgemein zugänglichen in den privaten Bereich des Dienstes.

          Allenthalben Zuspruch

          Das änderte aber nichts mehr an der Reaktion seines Arbeitgebers. Zunächst hatte sich die „Ultra“-Fangruppierung zu Wort gemeldet und Sahins Ausschluss mit deutlichen Worten gefordert; auch, weil er jemand sei, der sich offenbar schon vorher ähnliche Verfehlungen geleistet habe. Die Vereinsführung um Präsident Oke Göttlich reagierte umgehend. „Nach erneuten Gesprächen zwischen den Verantwortlichen des Vereins und dem Spieler wird Cenk Sahin vom Trainings- und Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zur Entscheidungsfindung trugen vor allem die wiederholte Missachtung der Werte des Vereins sowie der Schutz des Spielers bei“, hieß es vom FC St. Pauli. Und weiter: „Nach zahlreichen Gesprächen mit Fans, Mitgliedern und Freund*innen, deren Wurzeln in der Türkei liegen“, sei der Vereinsführung bewusstgeworden, „dass wir differenzierte Wahrnehmungen und Haltungen aus anderen Kulturkreisen nicht bis ins Detail beurteilen können und sollten. Ohne jegliche Diskussion und ohne jeglichen Zweifel lehnen wir dagegen kriegerische Handlungen ab. Diese und deren Solidarisierung widersprechen grundsätzlich den Werten des Vereins.“

          Beim FC St. Pauli nur kurz dabei: Cenk Sahin (links) im Derby gegen den HSV.

          Der Verein gab Sahin eine Trainings- und Gastspielerlaubnis, die ihm gestattet, bei einem anderen Verein unterzukommen – einen regulären Transfer kann es erst geben, wenn das Wintertransferfenster öffnet. Schnell fand Sahin einen Abnehmer: seinen ehemaligen Klub Basaksehir. „Hier ist sein Zuhause“, sagte Präsident Göksel Gümüsdag. Sahin könne, wenn er wolle, mit dem Team trainieren. „Als Basaksehir-Fußballklub sind wir immer auf seiner Seite“, sagte Gümüsdag, der mit der Nichte der Ehefrau des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verheiratet ist. Der Klub gilt als regierungsnah.

          Die Klubführung des FC St. Pauli bekam allenthalben Zuspruch für die entschlossene Reaktion. Sie ist bislang bundesweit einzigartig. Darüber hinaus zeigt der „Fall Sahin“, wie kritisch und wachsam die St-Pauli-Ultras über „ihren“ Verein wachen – das muss nicht immer gut und kann sehr anstrengend sein, in diesem Fall half die Wächterfunktion dem gesamten Klub.

          Doch das Aufreger-Thema wird die Ligen hierzulande weiterbeschäftigen. Der Schalker Ozan Kabak und die Düsseldorfer Kaan Ayhan und Kenan Karaman waren bei den Länderspielen der Türkei dabei und salutierten – in Frankreich allerdings weigerte sich Ayhan nach seinem Tor auf dem Platz, militärisch zu grüßen, obwohl seine Mitspieler ihn dazu aufforderten. Doch es gibt auch ein Bild aus der türkischen Kabine, auf dem auch beide Düsseldorfer salutieren. Fortuna-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel stellte sich vor die beiden, nichts läge ihnen ferner als „politische Statements“.

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