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„Eurofighter“ David Wagner : Ein Trainer aus der Schalker Ruhmeshalle

  • -Aktualisiert am

Der frühere Trainer des Premier-League-Klubs Huddersfield Town, David Wagner, während eines Spiels gegen Manchester City (Archivfoto) Bild: EPA

Unter David Wagner sollen nach einem Jahr spielerischer Dürre Erfolg und schöner Fußball nach Gelsenkirchen zurückkehren. Ein Platz in der Vereinshistorie ist Schalkes neuem Trainer aber bereits jetzt sicher.

          Irgendwann während seiner ersten Saison mit Huddersfield Town in der englischen Premier League wurde David Wagner gefragt, ob es ihn nicht nerve, ständig mit Jürgen Klopp verglichen zu werden. Wagner zuckte die Schultern. Anfangs sei ihm der Hinweis auf seine enge Verbindung zum weltberühmten Kollegen vom FC Liverpool schon auf den Geist gegangen, räumte er ein, aber mit der Zeit sei es besser geworden. „Nur noch in jedem dritten Satz“ ging es am Ende um Klopp, dessen Trauzeuge er aufgrund einer in Mainzer Zweitligaspielertagen gewachsenen Freundschaft ist. Wobei die enge private Verbindung zu Klopp dem künftigen Trainer von Schalke 04 sicher nicht geschadet hat, selbst in Gelsenkirchen, wo der Klopp-Zauber aufgrund der schwarz-gelben Einfärbung nicht so stark wirkt wie anderswo. Insofern ist es ganz gut, dass Wagner noch ein paar andere Referenzen vorzuweisen hat: Bei Huddersfield Town hat er an einem Fußballmärchen mitgewirkt. In einer wirtschaftlich verblühten Arbeiterstadt mit vernagelten Ladenlokalen und wenig Zukunft hat er einen – trotz Investor – finanziell unterentwickelten Klub erstmals in die Premier League geführt und dort auch noch im ersten Jahr den Klassenverbleib geschafft. Vor allem aber ist Wagner auch ein Mitglied der auf Schalke vergötterten Eurofighter, die 1997 den vielleicht größten Moment der Klubgeschichte schufen: den Gewinn des Uefa-Pokals.

          Bis heute singen die königsblauen Anhänger das Lied, in dem ein Spiel vorkommt, in dessen Verlauf Wagner ein Tor für Schalke geschossen hat. „Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon . . .“, beginnt der Song. Mittelstürmer Wagner war seinerzeit beim 2:2 in Kerkrade das 1:0 gelungen. Am Ende der Saison verließ er damals den Klub, nun kehrt er als Cheftrainer zurück. „Ich kenne aus eigener bester Erfahrung als Spieler die Kraft, die Schalke 04 entwickeln kann, wenn Mannschaft, Verein und Fans an einem Strang ziehen“, wird Wagner zitiert. „Erneut in diese Welt einzutauchen und mitzuhelfen, die aktuelle Situation wieder zum Positiven zu verändern: Das ist die größte Motivation für mich, wieder in die Bundesliga zurückzukehren.“

          Der neue Sportvorstand Jochen Schneider hat damit eine erste Schlüsselfigur für den FC Schalke der Zukunft gefunden, nun sucht er noch einen Sportdirektor und einen Kaderplaner, wobei sich der zuletzt als Kandidat gehandelte Markus Krösche (SC Paderborn) wohl für RB Leipzig entscheiden wird; dafür ist Horst Heldt (zuletzt Hannover) wieder ein Kandidat, seit Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärte: „Nichts spricht gegen Horst.“ Und weil ungefähr die Hälfte der 29 Spieler den Klub verlassen soll, ist das Gesicht des künftigen FC Schalke 04 bislang nur schemenhaft erkennbar.

          Wagner erhält einen Vertrag bis 2022 und passt „perfekt in unser Anforderungsprofil“, sagt Schneider. Der 47 Jahre alte Deutschamerikaner sei ein Coach, „der den Fußball so gestaltet, dass die Mannschaft das Heft des Handelns selbst in die Hand nimmt, laufintensiv, mit möglichst viel Tempo. Aber auch einer, der mit seiner Persönlichkeit ein Team formen und Spieler individuell verbessern kann.“ Aktiv und schnell spielte die U23 des BVB unter Wagner, den Klassenverbleib in der Premier League mit Huddersfield schaffte er hingegen im Underdog-Stil: tief stehen, Bälle lang schlagen, vorne hoffen. Was die Spielweise betrifft, ist er Pragmatiker, aber in Gelsenkichen ist nach einem Jahr spielerischer Dürre nicht nur die Sehnsucht nach Erfolgen groß, sondern auch nach schönem Fußball. Sollte nicht nur der Trainer, sondern auch das Spiel der Schalker künftig Assoziationen zu Jürgen Klopp wecken, können die Schalker sich auf eine schöne Zeit freuen.

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