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Einstand beim BVB : Daumen hoch für den neuen Götze

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Kann sich für die neue, alte, echte Liebe wieder reinknien: BVB-Rückkehrer Mario Götze Bild: dpa

Die Verantwortlichen des BVB haben vor dem Rücktransfer in die Mannschaft gehorcht - und positive Signale erhalten. Nun folgt das Wiedersehen mit den Bayern im Supercup (20.30 Uhr).

          Eine heikle Herausforderung hat Mario Götze nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund schon gemeistert: das sogenannte Einstandsritual, eine Art Aufnahmeprüfung, bei der neue Spieler den Kollegen, die schon länger im Verein sind, zeigen müssen, dass sie bereit sind, für die Mannschaft auch Aufgaben zu erledigen, die ihnen unangenehm erscheinen. Der Mittelfeldspieler hatte Losglück, so blieb ihm die wenig beliebte Aufgabe erspart, vor den Kollegen zu singen.

          Stattdessen musste Götze sich als Servicekraft in den Dienst der Mannschaft stellen, mit Kochmütze und Schürze. Dem Vernehmen nach hat es keine Beschwerden gegeben, und auch der kickende Oberkellner zeigte sich mit dem Verlauf des Abends zufrieden. „Das Ritual ist nicht schlecht, es sorgt für Abwechslung und Unterhaltung“, sagte er. Bald werden weitaus schwierigere Prüfungen folgen, die erste davon schon an diesem Sonntagabend (20.30 Uhr/ ZDF) im Supercupspiel gegen den FC Bayern München.

          Auch wenn es um den ersten Titel der Saison geht, ist dieser Wettbewerb letztlich nur ein besseres Vorbereitungsspiel vor großer Kulisse. Aber gerade weil Götze dabei ist, verspricht die Partie Brisanz. Der Filigrantechniker absolviert seinen ersten Auftritt als BVB-Profi im Dortmunder Stadion nach mehr als drei Jahren. Im Frühjahr 2013 hatte Götze sich von den Bayern abwerben lassen; in der Annahme, dort dem Ziel einer Weltkarriere näher zu kommen.

          „eher etwas neues Altes.“

          Jeder weiß, dass dieser Plan nicht aufgegangen ist. Ein Weltmeister, sogar der Siegtorschütze im Finale von Rio de Janeiro, ist aus Götze als Bayern-Spieler geworden, ein Weltstar nicht. Wenn er nicht verletzt war, fand Götze sich oft, gemessen an seinem Talent, viel zu oft auf der Ersatzbank wieder, und wenn er spielen durfte, kam er über die Rolle eines Nebendarstellers nicht hinaus. Also versucht Götze es nun wieder beim BVB, dort, wo er schon als Siebzehnjähriger die Massen verzückt hatte. „Für mich ist das hier eigentlich nichts Neues“, sagt der Nationalspieler, „eher etwas neues Altes.“

          Vor zwei Jahren schoss er Deutschland zum Weltmeister, bei Bayern bekam er aber nur auf der Ersatzbank einen Stammplatz.

          Der „neue“ Götze wirkt konzentriert, puristisch, voll auf Fußball fixiert - mit kürzeren Haaren, ohne Halskette und ohne Muscle-Shirt. Anscheinend ist Götze gewillt, sich der Ballarbeit mit Haut und Haaren zu verschreiben; bei einem Trainer wie Thomas Tuchel bleibt ihm auch gar keine andere Wahl. Ob Götze wieder so elanvoll, so brillant aufspielen wird wie einst der Teenager Götze, gehört zu den spannendsten Fragen der kommenden Fußballsaison.

          Zumindest atmosphärisch könnte der Neustart für den Vierundzwanzigjährigen schwierig werden. Es soll immer noch BVB-Fans geben, die ihm seinen Wechsel nach München übelnehmen. Wie klein oder groß, wie laut oder kleinlaut diese Gruppe ist, darüber wird der Supercup vielleicht einen ersten Aufschluss geben. Wenn Götze als Bayern-Spieler in Dortmund antrat, musste er feststellen, dass er in den Augen vieler BVB-Anhänger vom Himmelsstürmer zur Hassfigur mutiert war. Die Schmähungen, die er auszuhalten hatte, zeugten teils von unterstem Niveau.

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