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Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

Herzlich Willkommen in München: Philippe Coutinho mit seiner Frau Aine bei der Vorstellung im Stadion. Bild: Reuters

Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.

          Das rote Trikot mit der 10 und mit seinem Namen, das er am Montag in die Kameras hielt und dann zum Fototermin an seinem neuen Arbeitsplatz auf dem Rasen der Münchner Arena überstreifte – es war Philippe Coutinho schon ein paar Tage vertraut. Schon am Mittwoch, damals noch als Spieler des FC Barcelona, hatte er es in der Hand gehalten, ein vorausschauendes Präsent, als die Delegation der Bayern ihm ihr „Projekt“ vorstellte, wie Hasan Salihamidzic es nannte. Was genau dieses Projekt ausmacht, erklärte der Sportdirektor bei der Vorstellung des neuen Bayern-Stars nicht explizit. Doch in seiner Beschreibung der für Coutinho vorgesehenen Rolle steckte schon die Ahnung, dass es eine Art Ein-Mann-Projekt sein könnte: „Er kann der zentrale Punkt in unserem Spiel sein.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Weil der Plan, den man, neben dem beflockten Trikot, beim Treffen in Barcelona dem Spieler, seiner Frau, seinen zwei Brüdern und seinen zwei Beratern vorstellte, selbstverständlich mit Trainer Niko Kovac abgesprochen war, spricht viel dafür, dass man Coutinho in genau dieser Rolle schon bald auf den Spielplätzen der Fußball-Bundesliga sehen wird: als neues Kraftzentrum und kreative Mitte des Bayern-Spiels. „Er kann die Bälle in die Spitze chippen oder durchstecken er kann unsere Außen einsetzen, er kann selbst torgefährlich sein“ – Salihamidzics Stellenbeschreibung für den 27 Jahre alten Brasilianer ist nicht die eines Flügelspielers, wie man ihn zuletzt mit Callum Hudson-Odoi und Leroy Sané vergeblich jagte, sondern einer Position, die man bei den Bayern so explizit seit über zehn Jahren nicht hatte: die eines echten Zehners.

          Obwohl man beim FC Bayern „als Geste gegenüber unseren beiden großen Spielern“, den im Mai verabschiedeten Franck Ribéry und Arjen Robben, „die Nummern 7 und 10 dieses Jahr nicht vergeben wollte“, so der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, entschied man sich, für Coutinho (und wohl auch für den Überzeugungseffekt, den das auf ihn haben sollte) eine Ausnahme zu machen – „um zu zeigen, welche Wertigkeit dieser Transfer für uns hat“. Salihamidzic telefonierte eigens mit Robben, der die Zehn zehn Jahre trug, und verkündete erleichtert, dass „Arjen damit überhaupt kein Problem“ habe und seinem Nachfolger alles Gute wünsche.

          Coutinho würdigte am Montag die Gesten des Vertrauens und der Wertschätzung durch die Münchner, die bei ihm nach anderthalb schwierigen Jahren in Barcelona, wo die Fans ihn am Ende mehrfach auspfiffen, auf fruchtbaren Boden fiel: „Man hat sich sehr viel Mühe gegeben, dass ich hier bin. Das war sehr, sehr wichtig für mich.“ Außerdem sprachen wohl auch die Empfehlungen, die er bei dem halb brasilianischen Bayern-Star Thiago und bei den früheren Bayern-Brasilianern Rafinha und Lúcio einholte, nicht entscheidend gegen einen Wechsel zum FC Bayern.

          „Das ist ein sehr glücklicher Tag für mich“, sagte Coutinho – in dessen Vornamen Philippe auch die dritte Silbe mitgesprochen wird, wie in „Filipe“. Dabei klang ehrliche Vorfreude auf einen Neuanfang durch, auf unbeschwerten Fußball ohne ständige Kämpfe um Platz und Position im Team, wie er sie in Barcelona hatte. Anders gesagt: die Vorfreude auf eine feste Rolle im Herzen des Spiels.

          Natürlich muss man dabei unterscheiden zwischen der 10 als Nummer und der 10 als Rolle, zwischen Zehn und Zehner. Das eine ist eine oft beliebige Zahl, das andere die Chiffre für die Aura des Stars und Strategen. Beides ist nicht immer deckungsgleich, auch bei Robben war es das nicht, abgesehen von einer kurzen Phase, in der ihn Pep Guardiola einmal in zentraler Rolle hinter den Spitzen ausprobierte. Zur Bayern-Legende wurde Robben auf dem rechten Flügel, von dem aus er nach innen zog, um mit links dann den linken Torwinkel anzuvisieren – eine Art spiegelverkehrte Version dessen, was auch Coutinho beherrscht und in fünf Jahren beim FC Liverpool oft gezeigt hatte. Doch nun könnte er beides zusammenbringen, Zehn und Zehner zugleich.

          An seinem ersten Tag beim neuen Klub erklärte sich der Brasilianer, wie es sich als braver Musterprofi gehört, bereit, dort zu spielen, wo ihn der Trainer hinstellt. „Aber meine Lieblingsposition, um mein Bestes geben zu können, ist die Zehnerposition“, fügte er unmissverständlich an. „Dort kann ich mich am besten bewegen.“ In der brasilianischen Nationalmannschaft, die er ohne Neymar im Juli zum Gewinn der Copa América führte, gelang ihm das meist glänzend, in Barcelona allerdings, an der Seite des berühmtesten Zehners der Welt, Lionel Messi, der gleichwohl lieber von der rechten Seite aus agiert als zentral, nur selten. Wohl auch deshalb bekamen die Bayern den kleinen Brasilianer zu deutlich günstigeren Konditionen als zunächst aus Spanien gemeldet. Einen „Freundschaftspreis“ nannte Rummenigge die offizielle Leihgebühr von 8,5 Millionen Euro. „Der FC Barcelona wollte den Transfer nicht verhindern. Deshalb ein Preis, der aus Sicht von Bayern München sehr günstig erscheint.“

          Der Preis für eine Verlängerung über die laufende Saison hinaus wäre weniger günstig. Es bestehe eine einseitige Kaufoption, bestätigte Rummenigge, „die nicht preiswert ist“. Er schloss trotzdem nicht aus, „dass das auch eine sehr langfristige Zusammenarbeit werden kann“. Etwas, wovon Coutinho bereits fest ausgeht: „Ich glaube, dass ich sehr lange hierbleiben werde und vieles gewinnen kann.“

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