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Leidende HSV-Fans : Als stünde das Leben auf dem Spiel

  • -Aktualisiert am

Wenn die Raute Trauer trägt: Der HSV kämpft ums Überleben - und die Fans leiden Bild: Axel Busch

Dass der HSV womöglich in die zweite Liga muss, erschüttert nicht gerade ganz Hamburg – viele Menschen aber leiden wie nie zuvor an ihrem Verein. Drei besonders harte Fälle.

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          Es ist das letzte öffentliche Training des Hamburger SV vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern (15.30 Uhr/ live in Sky unc F.A.Z.-Liveticker), am Tag der Arbeit, morgens um zehn Uhr bei herrlichem Sonnenschein. Eine mobile Würstchenbude steht neben dem Fußballplatz und versorgt die Fans mit Würstchen und Bier, die Kinder bekommen Limo. Knapp tausend Zuschauer sind da; sie sind einem Aufruf im Internet gefolgt. Aber eigentlich hat sie die Abstiegsangst getrieben.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Einer hat ein Mikrofon dabei wie für eine 1. Mai-Demo, und daraus scheppert schon beim Einzug aufs Trainingsgelände immer wieder der trotzige Ruf: „Und wir sind das Urgestein!“ An diesem Samstag jedoch könnte der HSV nach mehr als einem halben Jahrhundert sein vorerst letztes Heimspiel in der Bundesliga erleben, eine Woche später droht in Mainz der Abstieg.

          Hanseatisches Schulterzucken

          Am nahenden Untergang des Klubs kommt man in diesen Tagen in der Stadt nicht vorbei. In den Medien ist er allgegenwärtig. Aber dass darunter die ganze Metropole litte, wie das bei einem Abstieg in Dortmund oder Gelsenkirchen der Fall wäre, gilt in der traditionsbewussten Hansestadt weit weniger. Es hat hier keine gemeinsame Initiative der Stadtgesellschaft für den Klub gegeben wie zuletzt in Stuttgart. Es finden sich auch keine Persönlichkeiten, die sich in offenen Briefen oder bewegenden Interviews zum Klub bekannt hätten; der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und einige Senatoren haben sich bestenfalls pflichtschuldig geäußert, mitunter nur in Nebensätzen.

          Den HSV begleitet so vielfach ein hanseatisches Schulterzucken auf dem drohenden Weg in die Zweitklassigkeit: „Schade zwar, aber eben nicht zu ändern.“ Und trotzdem gibt es beim HSV viele Menschen, denen der Niedergang zu Herzen geht, so wie es in jeder Bundesligastadt wäre. Eben jene Fans, die den Fußball lieben und leben – und nun leiden; die mit ihrem Klub verwachsen sind, die vielen Namenlosen, deren Stimme man nur im Stadion hört.

          „Meine Gefühle schwanken derzeit extrem“

          Andreas Kloss ist einer von ihnen, er steht auch an diesem 1. Mai am Trainingsplatz, ein Mann in den Vierzigern. Er ist im Sauerland aufgewachsen, in den siebziger Jahren wurde er zum HSV-Fan, viele Jahre fuhr er zu jedem Heimspiel, 800 Kilometer, bis ihm das zu viel wurde. Er kündigte seinen Job als Industriekaufmann und zog vor zehn Jahren nach Hamburg, wegen des HSV.

          „Im Moment ist das Leben für mich sehr anstrengend. Ich denke Tag und Nacht an den HSV. Ich überlege mir, wie man als Fan auf den Verein einwirken kann, damit es besser läuft. Heute beim Training mit den vielen Fans war ein gutes Beispiel: Wir versuchen, gute Stimmung zu verbreiten, wir wollen nicht pöbeln und meckern, sondern als Fans vorweg gehen. Wir wollen zeigen, dass wir für die Mannschaft da sind. Aber ich muss zugeben, dass ich mich immer öfter zwingen muss, Optimist zu bleiben.

          Der Mannschaft mache ich nur den Vorwurf, dass sie nicht in alle Spiele mit hundert Prozent Leistungsbereitschaft und Kampfgeist gegangen ist. Meine Gefühle schwanken derzeit extrem, nach guten Spielen wie gegen Dortmund und Leverkusen fühle ich mich voller Hoffnung, aber durch Niederlagen wie gegen Hannover oder in Augsburg werde ich immer wieder brutal auf den Boden zurückgeholt. Dass wir der Dino der Bundesliga sind, ist doch das Einzige, was wir noch haben, das ist total wichtig. Ich habe ziemlich oft schlechte Laune, meine Freundin ist auch HSV-Fan, sie arbeitet in einem Fan-Shop in der Stadt. Sie bekommt dann montags immer den Frust der Leute ab. Es steht ja jetzt bei jeder Partie die Existenz des Vereins auf dem Spiel, daran hängen auch Arbeitsplätze, auch über dem Job meiner Freundin hängt dieses Damoklesschwert.

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