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Leidende HSV-Fans : Als stünde das Leben auf dem Spiel

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Der Chronist des HSV

Wenn Lotto die Stimme des Stadions ist, dann ist Dieter Matz der Chronist des HSV. Seit bald 35 Jahren schreibt er über den Klub, fast immer für das Abendblatt, seit fünf Jahren auch in einem vielbeachteten Blog. Matz hat seine eigene Autogrammkarte, seit Jahren ist er auch Vereinsmitglied. Sein erstes Spiel sah er als Kind, noch am Rothenbaum, das war 1959, ein 9:1 gegen Bremen mit drei Toren von Uwe Seeler. Er siezt bis heute nur zwei HSV-Spieler: Seeler und Beckenbauer, eine Frage des Respekts. Matz sitzt in der Vereinsgaststätte Raute, und wenn er dort über den HSV erzählt, hat er bald Tränen in den Augen.

„Die Chancen sind gleich null, in dieser Saison gibt es keine schlechtere Mannschaft als den HSV. Ich glaube, sie werden Letzter. Aber dass es mal so weit kommt, hätte ich nie gedacht, und auch alle ehemaligen Spieler und Funktionäre, die ich kenne, sind überzeugt, dass der HSV absteigt. Für mich war das seit der Winterpause klar, als der HSV dringend Verstärkung gebraucht hätte, aber zwei Spieler von Juventus und Benfica geholt hat, die dort ein halbes Jahr nicht gespielt haben. Da wusste ich: Mit dieser Mannschaft hast du keine Chance. Diese Transfers waren unverzeihliche Fehler, daran sieht man, dass beim HSV nur Amateure entscheiden. Es stimmt schon, dass der Klub kein Geld hat, aber er hat auch keinen Weitblick. Der Niedergang hat schon mit dem Abschied von Sportchef Beiersdorfer begonnen.

Seit der Winterpause habe ich eine enorme Wut, auf alle Verantwortlichen, vornehmlich auf Fink und van Marwjik. Und wenn ich jetzt höre, wenn ein Trainer sagt, sie würden bis zum Saisonende weiter hart arbeiten, was hier alle Trainer gesagt haben, und sich damit in die Tasche lügen, würde ich den Herren gerne mal einen Vortrag halten, was hart arbeiten heißt. Keiner der Trainer kann hier behaupten, hart gearbeitet zu haben. Keiner.

Inzwischen bin ich nur noch traurig. Seit einiger Zeit schlafe ich nachts nicht mehr richtig. Mir tut das so weh, was die hier aus dem Verein gemacht haben, das ist ein Wahnsinn. Wenn es nicht so spektakulär wäre, könnte ich sofort anfangen zu heulen.

Der HSV weiß noch gar nicht, was auf ihn zukommt, wenn er absteigt. Ich kenne so viele Leute, die Dauerkarten besitzen oder Logen gemietet haben, die dann nicht mehr bei der Stange bleiben. Viele der Leute gehören zum Tafelsilber unter den Zuschauern, die identifizieren sich völlig mit dem HSV, aber die werden in der zweiten Liga nicht mehr dabei sein. Es wird einen ganz harten Bruch geben – ich glaube; es wird Jahre dauern, bis der HSV wieder zurückkommt. Keiner hier ist auf zweite Liga eingestellt, und einige hier würden auch gegen Sandhausen und Aue hochnäsig ins Spiel gehen und glauben, dass sich hinter der Raute immer noch der große HSV versteckt. Aber dahinter ist nichts mehr.“

Matz zitiert in seinem Blog zum Bayern-Spiel den Profi Rafael van der Vaart. „Wir müssen spielen, als ginge es um unser Leben“, sagt er. Aber tatsächlich geht es um das Leben von Andreas, Gerrit und Dieter.

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