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Bayern-Schreck Ramy Bensebaini : Gladbach hat einen neuen Liebling

  • -Aktualisiert am

Ist gut dabei: Gladbachs neuer Linksverteidiger Ramy Bensebaini beim Feiern Bild: AP

Wer ist Ramy Bensebaini? Den algerischen Linksverteidiger kannten vor dem Spiel gegen die Bayern nur wenige. Nun ist er mit einem Schlag ein bisschen berühmt. Dabei hätte er seinen späten Elfmeter-Auftritt fast verpasst.

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          Am Niederrhein weiß mittlerweile jedes Kind, wer im Kader von Borussia Mönchengladbach der große Zeremonienmeister für die Rituale nach Siegen ist. Wenn es wieder einmal einen schönen Erfolg zu feiern gibt, läuft Marcus Thuram zur Spielfeldecke, zieht die Fahne aus dem Rasen und ersetzt das kleine Tuch an der Stange durch ein anderes Stück Stoff. Mal verwendet er sein eigenes Trikot, auch ein Weihnachtspullover aus dem Gladbacher Fanshop hing dort schon. Am Samstag hisste Thuram nun das Shirt des Tageshelden Ramy Bensebaini, dem bislang kaum bekannten Linksverteidiger des Tabellenführers, der beide Tore zum denkwürdigen 2:1-Sieg gegen den FC Bayern München erzielt hatte. „Zwei Tore. Unglaublich. Dieser Tag ist eine große Freude für mich“, sagte der 24 Jahre alte Algerier, der erst sein fünftes Bundesligaspiel bestritt, aber bereits seinen dritten Treffer erzielte. Ein Tor, das er zunächst gar nicht schießen wollte.

          Bundesliga

          Es lief die Nachspielzeit, als Schiedsrichter Marco Fritz einen Elfmeter für Borussia Mönchengladbach pfiff. Zwar hatte der Tabellenführer lange Zeit eher enttäuschend gespielt, doch nun schwebte das ganze Stadion in einem wunderbaren Zustand zwischen Hoffnung, Begeisterung und rauschhafter Aufregung. Der Mann, der das Werk nun vollenden sollte, hatte allerdings vergessen, dass er als Schütze vorgesehen war. „Tobias Sippel, unser Ersatztorwart, hat mich daran erinnert, dass ich der Elfmeterschütze bin“, berichtete Bensebaini. Also nahm der Linksverteidiger den Ball und verzückte den Borussia-Park mit einem nahezu perfekt ausgeführten Strafstoß. Aus gespannter Vorfreude wurde pure Begeisterung. Nicht nur Thuram, auch die Anhänger haben jetzt einen neuen Liebling.

          Bundesliga

          Bensebaini, der im Sommer mit seiner Nationalmannschaft den Afrika-Cup in Ägypten gewonnen hatte, kam vor der Saison für 7,5 Millionen Euro von Stade Rennes, um dem fast immer spielenden, aber nicht ganz unumstrittenen Schweden Oscar Wendt links in der Abwehrkette Konkurrenz zu machen. Dass dieser Mann ohne viel Bundesligaerfahrung in solch einem wichtigen Moment einen entscheidenden Elfmeter schießen darf, erzählt viel über das kollegiale Klima im Kader der Gladbacher. In der Woche zuvor gegen den SC Freiburg hatte Breel Embolo einen Strafstoß vergeben. „Da war klar, er macht das jetzt erstmal nicht mehr“, sagte Bensebaini: „Ich habe gesagt: Okay, dann mache ich es beim nächsten Mal.“ In der aufregenden Schlussphase dieses Topspiels war ihm das entfallen, aber niemand sonst drängelte sich vor.

          Der Schuss, mit dem er den bei Elfmetern sehr starken Torhüter Manuel Neuer anschließend überwand, war dann technisch genauso brillant wie sein Kopfballtreffer zum 1:1 (60.). „Wir kennen seine Kopfballstärke und wissen, was für einen starken linken Fuß er hat“, sagte Marco Rose, wobei das Lob des Trainers von einem spürbaren Widerwillen begleitet war. Schwärmereien zu Einzelnen mag Rose nicht. Und natürlich ist er schlau genug zu wissen, dass Bensebaini an diesem Tag mit einem Schlag von einem kaum bekannten Bundesligaprofi zu einem berühmten Mann geworden ist. Damit muss man erstmal klar kommen, und Bensebaini scheint ein Fußballer zu sein, der eher ein wenig gebremst werden muss in seinem Offensivdrang. Nicht unbedingt auf dem Platz, da passt seine Dynamik hervorragend ins Spiel der Borussia, aber jenseits des Rasens.

          Gleich nach seinem ersten Bundesligaeinsatz untergrub er die grundsätzlich eher defensive Strategie der Gladbacher im Umgang mit offiziell verkündeten Saisonzielen. Wenn in Mönchengladbach jemand sagt, dass die Qualifikation für einen Europapokal angestrebt werde, ist das schon mutig. Bensebaini aber erklärte direkt nach seinem Debüt im Spiel beim 1. FC Köln forsch: „Toll wäre es, wenn wir in der nächsten Saison in der Champions League spielen würden.“

          Auf dem Platz wird die forsche Spielweise des Verteidigers hingegen sehr geschätzt. Mit Steffen Lainer rechts und Bensebaini links hat die Borussia nun auf den in den Kadern fast aller Klubs schwer zu besetzenden Außenverteidigerpositionen äußerst robuste Fußballer mit viel Dynamik nach vorne. In den vergangenen Wochen ist ja häufig über den stark besetzten Angriff des Tabellenführers gesprochen worden, aber auch für die Abwehrkette scheinen sie mal wieder einen Hochbegabten entdeckt zu haben.

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