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Krise in Fußball-Bundesliga : Das große Dilemma von Hannover 96

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Haben es derzeit nicht besonders leicht mit ihrem Team: die Fans von Hannover 96. Bild: dpa

Hannover 96 geht mit einer großen Hypothek in die zweite Saisonhälfte der Fußball-Bundesliga. Trainer André Breitenreiter spricht offen über Probleme in der Mannschaft. Auch eine Personalie macht dem Klub zu schaffen.

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          André Breitenreiter ließ plötzlich Milde walten. Seine völlig niedergeschlagenen Profis hatten gerade für den letzten Tiefpunkt einer historisch schlechten Hinrunde gesorgt, da deutete der Chefcoach von Hannover 96 eine mögliche Abkehr von seiner angedrohten Urlaubssperre an. Trotz der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf, trotz der miserablen Bilanz von nur elf Punkten nach 17 Spielen und trotz größter Abstiegsgefahr könnte er seinen ursprünglichen Plan zumindest modifizieren, so der Trainer. Und tatsächlich: Einen Tag nach der Pleite gab der Tabellenvorletzte nach einer Teambesprechung bekannt: „Die Mannschaft hat bis einschließlich Donnerstag, den 27. Dezember, frei. Ab dem 28. wird dann wieder in Hannover trainiert.“ Die beiden Brasilianer Walace und Felipe werden aus familiären Gründen sogar erst am 3. Januar wieder zur Mannschaft stoßen. Allen anderen Spielern wurde der Weihnachtsurlaub um sechs Tage gekürzt.

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          In puncto Einsatz wollte der Coach seinem Team noch am Samstagabend dennoch keinen Vorwurf machen. Das war es dann aber auch schon, was man Kapitän Waldemar Anton und Co. nach einer abermals schwachen Leistung zugutehalten konnte. In der Form, mit diesem Kader stehen die Chancen auf den Klassenverbleib nicht gut -  das hat die schwächste Hinrunde der Vereinsgeschichte gezeigt.

          „So kann es nicht weitergehen“, sagte nicht nur Horst Heldt, der in der Winterpause besonders gefordert ist. Der Manager muss auf dem Transfermarkt echte Verstärkungen finden. An der Besetzung des Trainerpostens soll sich trotz der mageren Bilanz nichts ändern. „Der Präsident hat sich ja dazu geäußert, da gibt es nichts Weiteres zu sagen“, meinte Heldt. Für den Sonntag bat Vereinsboss Martin Kind, der Breitenreiter auch für den Fall einer Niederlage eine Jobgarantie ausgesprochen hatte, zur Sitzung. Breitenreiter betonte: „Wir müssen gemeinsam kämpfen.“ Mit dem Aufstieg und dem sicheren Klassenverbleib im vergangenen Jahr kann er auf Verdienste verweisen.

          Es gilt für die 96er, spätestens mit dem Beginn des Jahres 2019 entschlossen auf den Resetknopf zu drücken und wieder enger zusammenzurücken. In der Hinrunde gab es nicht nur öffentlichen Streit um die Übernahmepläne von Kind. Es gab auch größere Probleme in der Mannschaft. „Ich hatte es nicht so extrem eingeschätzt“, sagte Breitenreiter dazu: „Aber es gab deutliche Signale aus dem Mannschaftsrat, dass sie die Kabine nicht in den Griff kriegen.“

          Um seine Profis wieder auf ein Ziel zu vereinen, habe er gedroht, den Weihnachtsurlaub zu streichen, wenn seine Mannschaft aus den Spielen beim SC Freiburg (1:1) und gegen Düsseldorf nicht mindestens drei Punkte holt. Dieses Ziel verpassten am Samstag schwache 96er durch das späte Gegentor von Oliver Fink (90.+2) nach einem kapitalen Fehler von 96-Keeper Michael Esser klar. Trotzdem sagte Breitenreiter am Sonntag: „Das Ziel, dass sich die Mannschaft wieder als Einheit präsentiert, haben wir erreicht.“ Hannover kann sich wohl dennoch nur mit einer äußerst erfolgreichen Rückrunde retten. Breitenreiter glaubt daran: „Ich habe die absolute Überzeugung, mit passenden Verstärkungen den Klassenerhalt zu schaffen.“

          Zukunft ungewiss: Wie geht es für Hannover und Trainer André Breitenreiter nun weiter?

          Eine Position, auf der es dringend einer Verstärkung bedarf, ist die der Stürmer. Niclas Füllkrug muss nämlich noch zwischen Weihnachten und Neujahr an seinem verletzten Knie operiert werden. Das bestätigte 96-Manager Horst Heldt am Samstagabend. Die Operation werde am 27. Dezember in Augsburg stattfinden, sagte Heldt. Erst danach lasse sich auch verlässlich einschätzen, wie lange der 25 Jahre alte Angreifer ausfallen wird. Hannovers Manager bestätigte jedoch noch einmal, dass er nicht mehr mit einem Einsatz von Füllkrug in dieser Saison rechnet. „Es ist kompliziert“, sagte er. „Das kann sehr lange dauern – auch über die Saison hinaus.“

          Bereits vor dem Spiel gegen Düsseldorf hatte Heldt in einem Sky-Interview bestätigt, dass der Verein in der Winterpause einen Ersatz für Füllkrug suchen werde und seit dem Bekanntwerden der Knieverletzung am Freitag permanent entsprechende Angebote von Spielerberatern erhalte. Bei ihm und seinem Mitarbeiter seien „in kürzester Zeit 400 Mails“ eingegangen. „Das waren nicht alles Weihnachtsgrüße, die geschickt wurden“, meinte Heldt.

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