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Neuzugang aus Italien : Darum ist Perisic wichtig für den FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Ab sofort im Münchner Trikot: Ivan Perisic kommt von Inter Mailand zu den Bayern. Bild: Picture-Alliance

Mit Ivan Perisic haben die Münchner endlich einen Neuzugang für die Offensive geholt. Der Kroate bietet einige Vorteile. Ein ähnlicher Fall wäre Philippe Coutinho vom FC Barcelona. Doch bei der Personalie gibt es noch einen Haken.

          Ivan Perisic ist schon seit Anfang der Woche in München. Nicht offiziell, aber Heimlichtuerei im Fußball, das klappt schon lange nicht mehr. Deshalb hatte der FC Bayern auch keine großen Versuche unternommen, den Neuzugang von Inter Mailand nach seiner Ankunft zu verstecken. Der Kroate war einfach zum Vereins-Internisten Roland Schmidt in ein Krankenhaus gegangen.

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          Dass der deutsche Fußball-Rekordmeister den Transfer nicht gleich am Montag, nach dem Medizin-Check, verkündet hatte, lag wohl alleine daran, dass das DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus nur ein paar Stunden später begann. Als die Münchner nach holprigen Start letztlich doch noch mit einem souveränen 3:1-Sieg die zweite Runde erreicht hatten, war Perisic bereits offiziell Spieler des FC Bayern. Der Vertrag war nach der Untersuchung und vermutlich noch vor Anpfiff des Spiels beim Viertligaklub aus Cottbus unterschrieben worden.

          Der 30 Jahre alte Flügelspieler kommt auf Leihbasis für ein Jahr aus Mailand, mit anschließender einseitiger Kaufoption. Finanzielle Details machte der FC Bayern zwar nicht öffentlich, dem Vernehmen nach kostet der Kroate etwa fünf Millionen Euro an Leihgebühr. Bei einer fixen Verpflichtung des eigentlich noch bis Mitte 2022 an Inter gebundenen Profis würden 20 Millionen Euro dazu kommen. „Ich freue mich sehr, zurück in Deutschland zu sein. Der FC Bayern ist einer der größten Klubs in Europa. Wir wollen nicht nur in der Bundesliga und im DFB-Pokal, sondern auch in der Champions League angreifen“, sagte Perisic. Er ließ außerdem wissen, dass er nicht nur auf dem Flügel zuhause sei, sondern bei Bedarf auch Robert Lewandowski in der Spitze ersetzen könne. „Ich habe zuletzt sieben, acht Jahre auf links gespielt, kann aber auch rechts spielen. Ich war auch schon klassischer Stürmer. Ich bin offen für alles.“

          Perisic ist zwar kein so genannter Perspektiv-Spieler, aber einer, der vermutlich keine lange Eingewöhnungszeit brauchen wird. Als ehemaliger Spieler bei Borussia Dortmund und beim VfL Wolfsburg kennt er die Bundesliga bestens, und unter Trainer Niko Kovac hat Perisic in der kroatischen Nationalmannschaft gespielt. Außerdem hat er das, was jüngeren, ebenfalls bei Bayern gehandelten Spielern wie dem 21 Jahre alten Steven Bergwijn von der PSV Eindhoven fehlen: „Ivan wird uns mit seiner langjährigen Erfahrung auf internationalem Top-Niveau sofort weiterhelfen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

          So ähnlich formulierte es auch Kovac, der sich für die Verpflichtung seines Landsmanns stark gemacht hat: „Ich bin mir sicher, dass sich Ivan schnell integrieren wird.“ Perisic ist nach den französischen Weltmeistern Lucas Hernandez und Benjamin Pavard sowie Nachwuchs-Angreifer Fiete Arp der vierte Neuzugang der Münchner für die kommende Saison. Am Freitag zum Bundesligastart gegen Hertha BSC (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga, im ZDF und bei DAZN) wird er allerdings noch nicht sein Debüt geben können. In der letzten Partie für Inter sah er seine fünfte Gelbe Karte. Die Sperre gilt saisonübergreifend und auch nach dem Wechsel in der Bundesliga. „Wir haben das Vertrauen in die Bosse nie verloren. Wir wussten, dass noch was kommt“, sagte David Alaba zum Deal mit Perisic. „Wir haben im Vorfeld mit den Verantwortlichen gesprochen, deshalb war ich mir sicher, dass was passiert“, fügte Manuel Neuer hinzu.

          Vielleicht hatte sich Kovac schon länger mit der Personalie Perisic beschäftigt. Er dürfte den Transfer stark forciert haben, nachdem beim deutschen Nationalspieler Leroy Sané ein Kreuzbandanriss diagnostiziert worden war. Die Verletzung des Wunschkandidaten von Manchester City beendete die Transfer-Posse des Sommers – erst einmal. Im Gegensatz zu Sané, der laut englischen Medien deutlich mehr als 100 Millionen Euro kosten soll, ist Perisic ein wahres Schnäppchen – allerdings, wie Kovac findet, auf keinen Fall „eine B-, C-, oder D-Lösung“. Man solle die Spieler „nicht in die zweite oder dritte Kategorie“ stecken. Jeder habe „den gleichen Respekt verdient“, sagte der Bayern-Trainer.

          Tatsache ist aber, dass vieles an der Personalie Sané hing. Die hat sich mit der Verletzung zwar nicht erledigt, könnte aber zurückgestellt werden, um in dieser Saison noch einmal in etwas größerem Stil zu investieren und den Kader aufzufüllen, qualitativ und quantitativ. Allerdings werden die Münchner vermutlich nicht daran denken, das ganze Geld, das für Sané gedacht war oder noch immer ist, auszugeben.

          Ähnlich erschwinglich wie Perisic wäre womöglich Philippe Coutinho. Laut Meldungen aus Spanien sollen die Bayern an dem 27 Jahre alten Brasilianer vom FC Barcelona interessiert sein. Ein erstes Angebot lehnten nach Informationen der Zeitung „Mundo Deportivo“ die Katalanen allerdings ab. Coutinho war erst im vergangenen Jahr vom FC Liverpool gekommen, für eine Ablösesumme von mehr als 150 Millionen Euro. Er konnte sich aber keinen Stammplatz erobern.

          Womöglich will der FC Barcelona auch erst einmal abwarten, was mit Neymar passiert, ob der Landsmann von Coutinho zu dem spanischem Klub zurückkehrt. Dann wäre die Offensivreihe überbesetzt – und der FC Barcelona womöglich ganz froh, wenn sich ein Abnehmer für Coutinho finden würde. In jedem Fall ist der FC Barcelona in Sachen Neymar offensichtlich offensiver geworden. Eine Delegation der Katalanen reiste zu Gesprächen mit Paris Saint-Germain in die französische Hauptstadt, meldete der katalanische Rundfunksender RAC1. So könnte in den Fall Coutinho schnell Bewegung kommen.

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