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Darmstadt- Spieler Niemeyer : „Verträge sind nicht viel wert“

  • -Aktualisiert am

Peter Niemeyer lässt sich durch die aktuelle Wechselpolitik der „Lilien“ nicht beirren. Bild: dpa

Schon fünf Stammkräfte haben den SV Darmstadt 98 verlassen. Für „Lilien“-Profi Peter Niemeyer ist das kein Grund zur Aufregung. Ein Gespräch über das Gebaren in der Bundesliga, den Aderlass und über den speziellen Spirit bei den Südhessen.

          Die erste Frage an einen „Lilien“-Leistungsträger muss ja in diesen Tagen heißen: Bleiben Sie?

          Wieso, bin ich ein Wechselkandidat?

          Nach unserem Kenntnisstand nicht. Aber mit Slobodan Rajkovic ist ja in dieser Woche die fünfte Spitzenkraft der Vorsaison gegangen - und wenn es nach dem Willen von Marcel Heller ginge, wäre er der sechste . . .

           . . . in der Transferperiode ist es einfach normal, dass Spieler und Trainer kommen und gehen. Unabhängig von diesen beiden Fällen kann und sollte man Reisende in meinen Augen nicht aufhalten. Das lehrte mich auch die vergangene Saison, als wir mit Spielern, die anderswo nicht mehr gewollt waren, und Spielern, die kurz zuvor noch in der dritten Liga gespielt haben, einen besonderen Spirit im Team hatten. Wir wollten aller Welt unbedingt zeigen: Wir können sehr wohl kicken. Diesen Spirit gilt es, wieder zu entfachen. Da kommt es nicht auf Spieler A und nicht auf Spieler B an, sondern auf das große Ganze.

          Demnach sollte die Darmstädter Vereinsführung Heller, der trotz Vertrag bis Juni 2017 um die sofortige Freigabe gebeten hat, gehen lassen?

          Es steht mir nicht zu, mich zu diesem expliziten Fall zu äußern. Zumal es durchaus auch Sonderfälle gibt. Ich bin aber lange genug in diesem Geschäft und im Allgemeinen der festen Meinung, dass man Spieler nicht halten kann und sollte, wenn sie sich nicht mehr mit der Aufgabe identifizieren können. Gerade bei uns, weil wir eine Truppe sind, die über den Spirit kommen muss.

          Marcel Heller (links) äußert Wechselwünsche.

          Sind Verträge in der Fußballwelt nichts wert?

          Ist das nicht überall in der Arbeitswelt oft so? Das gilt ja nicht nur spezifisch für den Fußball. Auch Trainer dürfen sich zu den Verantwortlichen eines Klubs zählen - und auch bei denen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Da sollte man nicht päpstlicher als der Papst sein und die Moralapostel-Keule rausholen. Ich meine, dass das Einhalten von Verträgen wünschenswert, aber doch eher idealistisch ist.

          Also ist der Spieler immer der König, weil er seinen Vertrag wahlweise aussitzen oder beliebig den Klub verlassen kann?

          Ich hatte im vorigen Sommer nicht das Gefühl, König zu sein. Da durften Sandro Wagner und ich trotz laufender Verträge bei der Hertha nicht mit ins Trainingslager und haben stattdessen daheim lange Bälle gespielt und aufs leere Tor geschossen. Man bekommt es doch beinahe täglich mit in der Bundesliga, dass Verträge nicht viel wert sind. Und das betrifft beide Seiten, Verein und Spieler, aber auch Berater und Trainer. Dass die Vereine immer den Kürzeren ziehen, sehe ich nicht. Die Vereine üben teils auch ihrerseits massiv Druck aus, wenn sie einen Spieler nicht mehr haben wollen.

          Welche Sprengkraft birgt es für eine Gruppe, wenn einige Spieler unzufrieden sind, lieber heute als morgen wegwollen?

          Es wird in einer Mannschaft immer zufriedene und immer unglückliche Spieler geben. Die Frage ist: Wie gefestigt ist eine Mannschaft, wie intakt ist das Gefüge? Darmstadt 98 ist in dieser Hinsicht mega speziell. In der vergangenen Saison hat unser Spirit bewirkt, dass sich niemand hat runterdrücken lassen.

          Und heute?

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