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2:1 gegen Dortmund : Darmstadt kann sein Glück kaum fassen

  • -Aktualisiert am

Führung für die „Lilien“: Terrence Boyd hat getroffen Bild: AP

Der BVB zeigt weiter zwei Gesichter: Nach dem Sieg gegen Leipzig und dem Pokalerfolg gegen Berlin verliert die Borussia beim Tabellenschlusslicht. Die „Lilien“ dürfen noch mal hoffen.

          Thomas Tuchel hatte von vornherein eine dunkle Ahnung. „Gegen Darmstadt ist es eher ein mentales Spiel“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund voraus, „weil die Favoritenrolle klar vergeben ist und dadurch eine Erwartungshaltung und ein Druck entstehen, mit dem wir bisher nicht so gut umgegangen sind.“ Wie wahr! Der BVB, vor einer Woche noch verdienter Sieger gegen den Bundesliga-Zweiten RB Leipzig, verlor am Samstag auf blamable Art und Weise beim Tabellenletzten Darmstadt 98 1:2.

          Während die Südhessen nach den Treffern von Boyd (21. Minute) und Colak (67.) bei einem Gegentor durch Guerreiro (44.) neuen Mut fassten, präsentierten sich die Westfalen drei Tage vor dem Champions-League-Achtelfinalhinspiel bei Benfica Lissabon in beklagenswerter Verfassung. Diese Niederlage hatte nichts mit Pech, dafür sehr viel mit eigenen Schwächen und Unvermögen zu tun.

          Polizei stoppt BVB-Anhänger

          Nach den Ausschreitungen vor einer Woche rund um das Spiel der Dortmunder gegen RB Leipzig mussten die Gäste-Fans genaue Kontrollen über sich ergehen lassen. Bereits auf der Anfahrt stoppte die Polizei bei Gießen zwei Fan-Busse und stellte Pyrotechnik, Kampfsporthandschuhe und Vermummungsgegenstände sicher. Rund 90 mutmaßliche Randalierer sind nach Polizeiangaben zur Verhinderung weiterer Straftaten direkt zurück zur Landesgrenze begleitet worden.

          Einziger Lichtblick beim BVB: Raphael Guerreiro gleicht zwischenzeitlich aus Bilderstrecke

          Schon die ersten 25 Minuten setzte der BVB komplett in den Sand. Die fast hoffnungslos abgeschlagenen Südhessen führten nach einer Reihe von Torgelegenheiten noch zu knapp 1:0 gegen den Klub, der den Anspruch hat, die Nummer zwei im Land hinter dem FC Bayern München zu sein. Der Treffer des wieder einmal freistehenden Amerikaners Terrence Boyd (21. Minute) belohnte das wesentlich couragiertere Team, das sich die Schläfrigkeit der ersatzgeschwächten Westfalen - ohne Götze, Piszczek und Schmelzer, mit dem angeschlagenen Dembélé bis zur 62. Minute auf der Bank - zunutze machte.

          Schläfriger BVB

          Erst nach 25 Minuten wachte die Borussia auf, als Reus bei einem Konter an Torhüter Esser scheiterte (25.) und einen Freistoß gegen die Latte setzte (32.). Nachdem auch Aubameyang mit einem Heber am starken Esser gescheitert war (42.), traf endlich Guerreiro mit einem technisch anspruchsvollen Linksschuss zum 1:1 (44.).

          Die Angst des Goliaths vor dem David verflog danach trotzdem nicht. Darmstadt besaß auch nach der Pause die besseren Gelegenheiten und schlug folgerichtig noch einmal zu, als der für Boyd eingewechselte Colak Sams feines Zuspiel mit einem Flachschuss zum 2:1 vollendete (67.). Ein weiterer Schock für die Westfalen, die von Glück reden konnten, dass Colaks Lattenknaller drei Minuten später die Entscheidung noch offen hielt.

          Schwarzer Tag für Schwarz-Gelb

          Dass die „Lilien“ nur einen Punkt aus den elf Spielen zuvor geholt hatten, sah man ihnen am Samstag wahrlich nicht an. Sie folgten der Parole ihres Trainers Torsten Frings: „Es heißt ja, man hat keine Chance, aber die will man nutzen.“ Der Tabellenvierte Dortmund dagegen nutzte die vermeintliche Gunst der Stunde an einem Tag der Favoritenstürze nicht. Nach dem Wechsel, als die bis dahin noch agilen Guerreiro und Mor gegen Kagawa und Dembélé ausgetauscht wurden, ging im Gegenteil gar nichts mehr für die Schwarz-Gelben, die einen schwarzen Tag erwischt hatten.

          Wille, Moral, Kampfgeist, spielerische Mittel: Alles hatte der Mannschaft des nun noch mehr unter Druck kommenden Tuchel in Darmstadt gefehlt. Sie verfehlte diesmal alles, was sich mit dem Selbstverständnis eines Spitzenteams verbinden ließe und gaben sich schließlich ohne große Gegenwehr geschlagen gegen eine Mannschaft, die furchtlos um ihre letzte Chance gekämpft hatte.

          Während in Darmstadt der alte „Lilien“-Elan nach Monaten der Dürre einen Festtag feierte, blickten sie in Dortmund mit mehr als nur Skepsis auf die nächste Reise zum portugiesischen Champions Benfica Lissabon. Den Fans der Südhessen war’s egal. Sie freuten sich mit hämischen Sprechchören wie, „gegen Darmstadt kann man mal verlieren“ über ihren bisher schönsten Tag in dieser bisher so mausgrau verlaufenen Bundesliga-Saison.

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