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Erfolgreiche „Lilien“ : Darmstadt 98 auf dem Sprung

  • -Aktualisiert am

36 Punkte: Darmstadt 98 verdankt die hervorragende Hinserie auch Thorsten Lieberknecht. Bild: dpa

Für den Spitzenreiter der zweiten Fußball-Bundesliga kommt die Pause gerade recht. Das neue Stadion soll als Booster für die Vereinsentwicklung wirken.

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          Zur Wahrheit des Darmstädter Dauerhöhenflugs gehört: Es brauchte bei aller Klasse auch Glück, um als Strahlemänner vom Böllenfalltor in die Winterpause gehen zu können. Bei engen, spielentscheidenden Schiedsrichterentscheidungen kann man sich bei den „Lilien“ nicht beschweren. Nicht gegebener Elfmeter für Mönchengladbach im Pokal, unberechtigter Platzverweis für Magdeburg, um zwei Beispiele zu nennen. Das größte Glück aber, was den personell seit Wochen gebeutelten Südhessen passieren konnte, ist: die WM in Qatar.

          Die nun begonnene Winterpause hat die Mannschaft von fünf Spielwochenenden befreit. Die These ist nicht gewagt: Das Polster von sieben Punkten Vorsprung vor Rang vier wäre bis zum gewohnten Pausentermin vor Weihnachten aller Voraussicht nach geschmolzen. Schon das Heimspiel gegen Fürth (1:1) war ein Spiel zu viel für die Rumpftruppe.

          Sie vermochte einzeln und als Kollektiv nicht mehr diese Energie und Wucht aufzubringen, die unersetzliche Zutaten für die so erfolgreiche Darmstädter Spielweise sind. Trainer Torsten Lieberknecht ließ durchblicken, dass es ihm große Sorgen bereitet hätte, hätte die Hinrunde bis Weihnachten gedauert. „Jeder hat gesehen, dass wir auf dem Zahnfleisch liefen“, sagte Mittelfeldmann Tobias Kempe.

          2. Bundesliga

          Deshalb haben die Verantwortlichen die Vorbereitung auf den Rückrundenauftakt am 28. Januar gegen Jahn Regensburg – auf die Niederlage dort am ersten Spieltag folgten 18 ungeschlagene Pflichtspiele in Serie – in zwei Hälften geteilt. Trainiert wird in diesem Jahr vom 5. bis zum 18. Dezember inklusive des Eröffnungsspiels (17. Dezember) für das dann quasi fertige neue Stadion gegen den Schweizer Erstligaklub Young Boys Bern.

          Im neuen Jahr geht es vom 3. Januar an weiter, ehe sich der Tross vom 5. bis zum 15. Januar ins Trainingslager nahe Valencia verabschiedet, um den Grundstein für das fünfte erfolgreiche Halbjahr in Serie zu legen. Zur Erinnerung: Der Aufschwung begann unter Trainer Markus Anfang in der Rückrunde 2020/21 mit 33 Punkten. Unter Lieberknecht folgten drei Halbjahre mit 32, 28 und nun in der abgelaufenen Hinserie 36 Zählern.

          Die „Lilien“ setzen zum Sprung in die Bundesliga an. Das zur Rückrunde neue Stadion in Vereinsbesitz soll als Booster für die Klubentwicklung wirken. Diese Vorwärtsentwicklung ohne Mäzen oder Investor im Rücken sucht ihresgleichen hierzulande. „Wer sagt, dass man das im Vorhinein so planen kann, der sollte ein Ehrendenkmal im Olymp der Fußball-Manager bekommen.

          2. Bundesliga

          Es geht darum, eine klare Strategie zu haben und nicht viele Fehler zu machen“, sagte Präsident Rüdiger Fritsch der F.A.Z. „Und der Sport ist und bleibt der Treiber. Für gute Fortschritte in Digitalisierung, Finanzen und Nachhaltigkeit bekommt man selten auf die Schultern geklopft. Die Wahrheit liegt auf dem Platz – diese Binsenweisheit ist korrekt.“

          Nun gehen sie als Herbstmeister in die Rückserie, was Ausweis ihrer Stärke ist, aber nicht unbedingt ein gutes Omen bedeutet. Von den letzten sechs Spitzenreitern zur Saisonhälfte stieg nur einer (Bielefeld 2019/20) am Ende auf. Alle anderen – St. Pauli, zweimal der HSV, Kiel und Braunschweig – brachten ihren Vorsprung nicht ins Ziel. Die Braunschweiger wurden damals von Torsten Lieberknecht angeführt.

          Damit das in Darmstadt nicht wieder passiert, braucht der 49-Jährige mehr Gestaltungsspielraum beim Personal. Dass im neuen Jahr im Kader die Namen der dann von ihren Verletzungen kurierten Klaus Gjasula, Fabian Schnellhardt, Aaron Seydel, Magnus Warming, Marcel Schuhen und Yannik Müller auftauchen dürften, ist keine gute Nachricht für die Konkurrenz. Aber ein Glück für die „Lilien“.

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