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Auftakt für Darmstadt 98 : Große Not, keine Punkte

Clemens Riedel (rechts) spielt normalerweise für die AJugend des SV Darmstadt 98. Bild: dpa

Das Coronavirus raubt dem SV Darmstadt 98 zum Saisonauftakt der zweiten Bundesliga die Kraft, um gegen Regensburg bestehen zu können. Auch die nächsten Spiele dürften schwierig werden.

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          Ein bisschen dürften sie sich beim SV Darmstadt 98 am Wochenende gefühlt haben wie der Gastgeber, dem kurz vor der großen Party fast die Hälfte der wichtigsten Gäste absagen musste. Zwar notgedrungen, aber das macht es bekanntlich ja nicht besser, wenn die fehlen, die man für eine gute Feier braucht.

          2. Bundesliga
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          Volontär.

          Für die war alles angerichtet: 100 Jahre Stadion am Böllenfalltor. Und dann durften beim Saisonauftakt der Zweiten Fußballbundesliga gegen Jahn Regensburg endlich wieder 4786 Zuschauer kommen, denen die Freude über die Rückkehr ins Stadion trotz der 0:2-Niederlage auch nach dem Spiel noch immer anzumerken war. Viele Sitzschalen blieben zwar leer, doch das passte zu diesem Tag, weil auch beim SV Darmstadt 98 nicht alle der verfügbaren Plätze auf der Ersatzbank belegt waren.

          Beeindruckende Fans

          Wegen drei positiver Corona-Fälle war unter der Woche lange unklar gewesen, wer denn nun überhaupt für die „Lilien“ auflaufen würde. Am Ende mussten die Darmstädter, die über 21 Spieler mit Profierfahrung in ihrem Kader verfügen, auf zwölf Akteure verzichten: Vier Verletzte sowie die drei positiven Corona- und fünf Quarantäne-Fälle – und doch machte sich am „Bölle“ danach das Gefühl breit, dass die Rumpftruppe von Trainer Torsten Lieberknecht hier zwar keine Punkte, dafür in großer Not aber etwas anderes gewonnen hatte: die Anerkennung der Zuschauer für eine Leistung, die angesichts der Umstände auch Lieberknecht nicht unzufrieden stimmte.

          „Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen. Was heute sehr sehr gut getan hat, war nicht nur vor, während, sondern auch nach dem Spiel die Unterstützung der ,Lilien‘-Fans“, sagte Lieberknecht. Ihr Gespür für die Situation sei beeindruckend gewesen. Lieberknecht, der auch nach der Partie betonte, wegen der Situation nicht lamentieren zu wollen, nutzte die im Fußball häufiger bemühte Floskel vom „erwartet schweren Spiel“ – seltener war sie wohl so zutreffend wie am Samstag.

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          Wie groß die Nöte waren, verdeutlichte nicht nur ein Blick auf die Bank, wo überwiegend A-Jugendliche Platz genommen hatten, sondern auch ein Einblick, den Lieberknecht in seine Gedanken gab, die er in der Halbzeitpause hatte. Sein Team lag da durch einen Treffer vom Regensburger Sarpreet Singh in der 21. Minute 0:1 zurück. Der Trainer stellte um auf eine 4-4-2-Formation. Vorrang hatte bei dieser Entscheidung allerdings nicht primär der Gedanke, den Rückstand mit aller Macht drehen zu wollen, wie man aus seinen Aussagen nach der Partie schließen konnte.

          Hoffen auf Rückkehrer

          „Wir mussten viel Laufarbeit verrichten und schauen: Wie kriegen wir die Jungs 90 Minuten übers Feld und haben dann umgestellt“, sagte der Coach. Früh mussten die „Lilien“ Kräfte sparen – und doch gingen sie in der zweiten Hälfte aus. Benedikt Gimber traf mit einem Distanzschuss in der 61. Minute zum 2:0. Darmstadt gelang es im Anschluss nicht mehr, wirklich gefährlich zu werden.

          „Wir wussten, dass es mit der Zeit noch schwieriger werden würde“, sagte Lieberknecht. Er haderte am Ende nur mit dem guten Start seines Teams in die Begegnung, aus dem dieses zu wenig Kapital schlug. Allen voran Angreifer Erich Berko, der mit Neuzugang Philipp Tietz den Angriff beleben sollte – mit seiner besten Chancen in der zwölften Minute aber am Innenpfosten scheiterte. Erst danach nahm das Spiel den Lauf, den im Vorfeld jeder erwartet hatte: Regensburg dominant, Darmstadt aufopferungsvoll kämpferisch.

          So könnte es in den kommenden Tagen und vielleicht auch Wochen weitergehen. Schon am Freitag treffen die „Lilien“ auswärts auf den Karlsruher SC, der sein Auftaktspiel beim Aufsteiger Hansa Rostock 3:1 gewann. Vielleicht werde der eine oder andere bis dahin aus der Quarantäne zurückkommen, sagte Lieberknecht, der allerdings auch schon vorbaute: „Die Jungs werden noch Zeit brauchen. Es wird sicherlich zwei, drei Spieltage dauern, bis alle ihre Fitness haben.“

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