https://www.faz.net/-gtm-94deo

Darmstadt-Trainer Frings : „Der ganze Verein krempelt sich gerade um“

  • -Aktualisiert am

„Ich habe vom ersten Tag dieser Saison an gesagt, dass es ein schwieriges Jahr wird“: Torsten Frings. Bild: dpa

Bei Darmstadt 98 läuft es nach gutem Start in der zweiten Bundesliga gar nicht mehr. Trainer Torsten Frings spricht im F.A.Z.-Interview über neun sieglose Spiele, seine Idee von Fußball und sein Führungstrio .

          5 Min.

          Herr Frings, lassen Sie uns mit dem Spiel Dortmund gegen Schalke beginnen, diesem 4:4. Was ist da passiert?

          Es war ein gutes Beispiel dafür, dass die Psyche in solchen Situationen eine große Rolle spielt. Die Dortmunder hätten sich und ihren Fans viel Gutes tun können nach schweren Wochen. Zunächst klappte alles, aber als in der zweiten Halbzeit nicht mehr alles gelang, haben sie den Glauben verloren. Und dann kam die Angst zurück.

          Kann man diesen Befund auf Darmstadt 98 übertragen? Ihre Mannschaft ist seit neun Spielen ohne Sieg.

          Der Unterschied ist: Wir hauen uns die Dinger oftmals selbst rein. Wenn man nur unsere vergangenen beiden Auswärtsspiele betrachtet, haben wir uns in Braunschweig (2:2) und Berlin (3:3) jeweils in letzter Minute um den Lohn gebracht. Die Gegentore in Berlin waren ein Torwartfehler, eine unberechtigte Elfmeter-Fehlentscheidung und ein Eigentor. Wir werden nicht ausgespielt und überrannt.

          Ist die Mannschaft der Herausforderung nicht gewachsen, zum einen die in Darmstadt erwarteten kämpferischen Tugenden zu verkörpern und zum anderen Ihrem Anspruch von gepflegtem Fußball gerecht zu werden?

          Ich habe vom ersten Tag dieser Saison an gesagt, dass es ein schwieriges Jahr wird – und wurde dafür belächelt. Es sind keine fünf Spieler mehr da, die diese spezielle Darmstadt-Mentalität geprägt haben. Der Rest muss sie erst eingeimpft bekommen. Dennoch haben wir bis auf das desolate Sandhausen-Spiel immer gezeigt, dass wir niemals aufgeben, dass wir immer nach vorne spielen. Das sind gute Charakterzüge. Dass viele Dinge noch nicht laufen werden, haben wir im Trainerteam eingeplant. Deshalb habe ich vor fünf Monaten schon gesagt, dass wir mit dem Aufstieg nichts zu tun haben werden.

          Warum kommt ein Spieler wie Kevin Großkreutz so oft nicht in die Gänge, warum tut sich Hamit Altintop in der zweiten Liga schwerer als in der ersten?

          Hamit hatte keine Sommervorbereitung, Kevin hat in den vergangenen zwei Jahren kaum Fußball gespielt. Er braucht seine Zeit, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Trotzdem war nicht alles schlecht, was er gespielt hat. Er hat wichtige Assists und Tore für uns gemacht. Aber weder Kevin noch Hamit sind die Heilsbringer, zu denen sie manchmal gemacht werden. Hamit soll unserem Spiel ein Gesicht geben, um es zu lenken. Dass nun über solche Spieler diskutiert wird, dass sie nicht gut genug sein sollen für Darmstadt 98, ist in meinen Augen Wahnsinn. Wir haben mit Hamit einen Fußballer geholt, der unser ganzes Spiel verändert hat. Und warum soll ich jetzt lange Bälle spielen lassen, wenn ich einen Altintop habe? Wenn ich lange Bälle spielen lassen will, dann brauchen wir Hamit nicht. Aber wir brauchen ihn, wenn wir besser Fußball spielen wollen. Und das wollen wir. Er ist ganz wichtig für uns.

          Kommen Sie noch gerne zur Arbeit?

          Es macht mir unheimlich Spaß in Darmstadt. Ich habe meinen Vertrag langfristig bis 2020 verlängert, weil ich das große Ziel habe, hier etwas aufzubauen. Ich möchte das neue Stadion erleben. Ich möchte eine Mannschaft aufbauen, die eine gute Adresse in Fußball-Deutschland wird.

          Ist die Fallhöhe das Problem? Sie haben zu Jahresbeginn eine abgeschlagene Bundesliga-Mannschaft übernommen, verankerten trotz des folgenden Abstiegs einen besseren Fußball und legten dann in der zweiten Liga einen prima Saisonstart hin.

          Ich hatte einiges zu verlieren, als ich unterschrieben habe. Hätten wir in der Rückrunde nur zwei Punkte geholt, wäre mein Name als Trainer ganz schnell wieder vom Markt gewesen. Am Ende waren es 17, wir waren wieder konkurrenzfähig, wurden mit ganz anderen Augen gesehen und zu Recht gelobt. Auch die Mannschaft ist wieder als Team aufgetreten.

          Die Aufgabe am Sonntag gegen Regensburg dürfte ein Spiel mit Wucht werden. Die Fans haben die desolate Partie gegen Sandhausen noch in den Köpfen.

          Eine Leistung wie gegen Sandhausen darf uns nicht noch mal passieren. Das haben unsere Fans nicht verdient. Dass man sich quasi in sein Schicksal ergibt. Ich weiß, dass die Fans uns am Sonntag unterstützen, wie sie es immer getan haben. Wenn wir schlecht spielen, können sie gern pfeifen nach dem Spiel. Aber sie werden ihre Jungs 90 Minuten lang unterstützen. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir an unsere gute Leistung aus Berlin anknüpfen werden. Wir werden uns mit einem anderen Gesicht präsentieren als gegen Sandhausen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impfen im ostafrikanischen Land Malawi.

          Patentschutz : Auf der Suche nach der gerechten Impf-Welt

          Die Pharmakonzerne haben viel investiert. Der Anreiz, solche Leistungen zu vollbringen, muss erhalten bleiben. Das Patentrecht ist ein Baustein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.