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Darmstadt-Trainer im Interview : „Wir hatten zu wenig Erfolgserlebnisse“

  • -Aktualisiert am

Geht der Blick nach oben? Trainer Anfang. Bild: dpa

Zu gut besetzt für Abstiegsgefahr, aber auch nicht stark genug für höhere Ambitionen? „Lilien“-Trainer Markus Anfang über sein leises Team und den Nutzen von Rückschlägen.

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          Sie beanstanden seit einer Weile die mangelnde Kommunikation Ihrer Mannschaft auf dem Platz. Wie lässt sich aus einem leisen ein lautes Team machen?

          Das Kuriose ist, dass es bei uns im Training häufig sehr laut zugeht und im Spiel dann sehr leise. Wir als Trainerteam können das immer wieder einfordern. Wir können jene Spielertypen, die lauter sind als andere im Kader, vermehrt aufstellen. Wir können auch auf das jüngste Paradebeispiel, die Heimniederlage gegen Nürnberg am vergangenen Wochenende, hinweisen. Und herausarbeiten, dass man über eine bessere Kommunikation das Eigentor in der 92. Minute hätte verhindern und ein positiveres Ergebnis bewirken können.

          2. Bundesliga

          Drückt Zweitliga-Abstiegskampf nicht nur aufs Gemüt, sondern auch an das Mundwerk der Spieler?

          Nein. Dass wir nicht ausreichend auf dem Platz kommunizieren, zieht sich bei uns durch die ganze Saison. Wir haben uns taktische Abläufe erarbeitet, in denen jeder weiß, was er zu tun hat. Wenn die Pläne dann auch in Stresssituationen aufgehen und du Erfolgserlebnisse hast, behalten die Spieler den Kopf oben. Wir aber hatten trotz oft überlegener Spielweise zu wenig Erfolgserlebnisse, woraus folgt, dass man mehr und besser kommunizieren und sich Hilfestellungen geben sollte.

          Welche Spieler nehmen Sie besonders in die Pflicht?

          Kommunikation betrifft immer die ganze Mannschaft. Ich freue mich auch vor diesem Hintergrund über die Rückkehr von Victor Palsson. Er ist ein Spieler, der sehr viel und stark über Kommunikation kommt und Einfluss auf die Mannschaft nimmt. Victor hat in der Hinrunde aber verletzungsbedingt nur vier Spiele für uns bestritten.

          Man hört Sie sehr laut und engagiert quasi 90 Minuten am Stück coachen. Springen Sie damit in die Bresche für Ihre Mannschaft? Oder erdrücken Sie durch Ihre Präsenz gar die Kommunikation der Spieler untereinander?

          Genau diese Frage habe ich der Mannschaft in dieser Woche gestellt. Ob wir im Trainerteam uns draußen ruhiger verhalten sollen? Ob wir uns ein bisschen rausnehmen sollen, um ihnen mehr Gefühl der Verantwortung zu geben? Wir machen das ja nicht zum Selbstzweck. Die Antwort der Spieler lautete: Bitte genauso weitermachen, weil es uns hilft. Man darf auch nicht vergessen: Wir Trainer schauen uns das Ganze ja nicht einfach nur an, wir leben da draußen mit, weil wir mit unserer Kommunikation die Mannschaft unterstützen wollen.

          Es zieht sich durch die bisherigen 20 Spieltage. In der Mehrheit der Spiele hieß es anschließend: Hättet ihr gewinnen können, habt ihr aber nicht. Wie viel Zerstörungskraft kann das für ein Team entwickeln?

          Es ist eine Frage des Umgangs damit. Rückschläge wie bei uns aktuell können dich auch eng zusammenschweißen, so dass du aus schweren Zeiten Stärke ziehst. Man muss das nicht immer nur von der negativen Seite aus betrachten. Wenn man Problemsituationen überwunden hat, empfindet man die nächste kritische Phase vielleicht gar nicht mehr als große Schwierigkeit. Wir haben sicher einige Nackenschläge einstecken müssen. Aber wir hatten viel Einfluss darauf. Wir hatten immer die Chance, die Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Und genau daran müssen wir arbeiten.

          Den Willen kann man dieser Mannschaft nicht absprechen. Ist es dann schlicht eine Frage der Qualität?

          Wenn man zwar häufig die bessere Mannschaft war, aber zu wenig daraus macht und der Gegner aus wenig viel, dann stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Qualität. Das können wir nur widerlegen, wenn wir in den Strafräumen besser treffen und verteidigen. Wir sind an einem Punkt, in dem wir beweisen müssen, dass wir Tore schießen und hinten hart Mann auf Mann verteidigen können.

          Was halten Sie von dieser These: Mit diesem Kader darf man niemals absteigen, aber fürs obere Tabellendrittel reicht es auch nicht.

          In dieser Liga ist und bleibt gefühlt alles möglich, sie bietet keinen Raum für Verallgemeinerung. Die vergangene Saison der „Lilien“ ist das beste Beispiel: Da war man in der Hinrunde zwischenzeitlich Siebzehnter und in der Endabrechnung Fünfter. Nur haben wir unter den erschwerten Corona-Bedingungen nicht mehr die Mannschaft vom letzten Jahr. Der Kader wurde aus wirtschaftlichen Gründen umstrukturiert.

          An diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Fußball-Bundesliga und bei Sky) geht es gegen den punktgleichen VfL Osnabrück, der sechs Spiele in Folge verloren hat.

          Das hat nullkommanull Aussagekraft für das Spiel. Wir wollen und müssen uns auf uns konzentrieren in diesem wichtigen Spiel.

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