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Darmstadt 98 vor Saisonfinale : „Fußball ist verrückt, ich habe da so ein Gefühl“

  • -Aktualisiert am

Zupackend und verlässlich: Darmstadts Torwart Marcel Schuhen Bild: Witters

Der SV Darmstadt 98 muss am letzten Spieltag der zweiten Bundesliga auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen. Torwart Marcel Schuhen geht voran und glaubt noch an den Aufstieg.

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          In den Schlussminuten in Düsseldorf ist Marcel Schuhen nur noch über den Rasen gesprintet. Vorne, hinten, links, rechts – als Torwart wohlgemerkt. Unter dem Gejohle des Publikums hob er mit beiden Händen den schmerzgeplagt am Boden liegenden Kollegen Mathias Honsak auf und schob den Verdutzten gen gegnerischen Strafraum. Alles geben, alles nach vorne, sollte das heißen in seiner zupackenden Art.

          2. Bundesliga

          Doch aller mit Haut und Haaren gelebter Ansporn des Schlussmanns sollte nichts mehr einbringen. Die 1:2-Niederlage bei der Fortuna hat die „Lilien“ im Aufstiegsrennen von der Pole Position gepflückt und auf die Rolle des ersten Verfolgers zurückgeworfen. Vor dem spannungsgeladenen letzten Spieltag an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) sind die „Lilien“ nicht nur auf das eigene Ergebnis im Heimspiel gegen Paderborn, sondern auch auf Ausrutscher der norddeutschen Konkurrenten Werder oder HSV angewiesen. Aufstiegsplatz zwei, Relegationsrang drei oder der undankbare vierte Platz sind noch möglich.

          Wie man Marcel Schuhen dieser Tage ärgern kann? „Jedes Mal, wenn ich höre, dass wir eine gute Saison gespielt haben, kriege ich das Kotzen – wenn ich das mal so offen sagen darf“, sagt der 29-Jährige in seiner bewährten Art, die Klartext jeder Binsenweisheit vorzieht. „Wir spielen noch ein Spiel, wir können noch etwas erreichen. Die Stimmung wird unglaublich sein, weil jeder weiß, wo es hingehen kann.“

          Schuhen fängt seit Sommer 2019 Bälle am Böllenfalltor. Nach einigen Rückschlägen zu Beginn hat er sich – auch aufgrund der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Dimo Wache – zu einem verlässlichen Rückhalt entwickelt. Patzer, zumal spielentscheidende oder Punkte kostende, hat er sich nicht geleistet in dieser Runde. Darüber hinaus hat er noch eine wichtige Funktion im Team inne. Die des Aufrüttlers, Einpeitschers, ja des „Emotional Leader“.

          „Ausstrahlung, Präsenz, Emotionalität“

          Schuhens Stimme tönt oft und laut über den Platz. Unmittelbar vor dem Anpfiff ist er es, der im Mannschaftskreis auf dem Rasen die letzten Worte an die Kollegen richtet. Wenn er Feldspieler geworden wäre, wäre er gewiss ein knüppelharter Kämpfer mit Malocher-Image. „Schuh ist ein wichtiger Faktor mit seiner Ausstrahlung, Präsenz und Emotionalität. Auf dem Platz, aber auch in der Kabine mit seiner positiven Art, vorneweg zu gehen“, sagt Sportdirektor Carsten Wehlmann.

          Der Siegerländer Schuhen hat großen Anteil an dem besonderen Gemeinsinn, der in der Darmstädter Hintermannschaft kreiert worden ist. Mit besonderer Inbrunst wird seit Monaten jede gelungene Abwehraktion der Spieler untereinander wertgeschätzt. Deutlich mehr als – auch zuvor in Darmstadt – üblich in einem Profiteam, das als Ansammlung von Ich-AGs meist das individuelle Fortkommen mindestens so stark gewichtet wie das Wohlergehen des Vereins.

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          Schuhen suggeriert, dass das Jagdfieber ihn ihm noch lodert. „In der Darmstädter Vereinsgeschichte ist in der Vergangenheit schon einiges Verrücktes passiert. Warum nicht wieder am Sonntag?“, sagt der Familienvater. Die Südhessen haben während der Saison viel Kraft und Überzeugung gezogen aus ihrer Außenseiterrolle im Aufstiegskampf mit so manchen schwergewichtigen Marken des deutschen Fußballs.

          Vor dem 33. Spieltag war der SVD auf Rang zwei der Gejagte, vor dem 34. Spieltag ist er nun zurück in der Rolle des Eroberers, der wenig zu verlieren hat. „Wir werden das genießen. Das wird so sein“, so Schuhen. „Es ging in den letzten Wochen immer hoch und runter. Auch abhängig von anderen Ergebnissen zu sein, kennen wir.“ Als ehemaliger Torhüter von Hansa Rostock plant er nicht, bei den alten Kollegen vorzusprechen.

          Denn auf den Nordostdeutschen liegen die größten Darmstädter Hoffnungen – auf dass sie gegen den Hamburger SV daheim nicht verlieren. Vielleicht kann ja auch Hanno Behrens etwas bewegen bei Hansa. Der einstige „Lilien“-Profi war Stammkraft, als es vor sieben Jahren, im Mai 2015, in einem dramatischen Saisonfinale letztmals hoch in die Bundesliga ging für die Darmstädter.

          An diesem Sonntag werden die SVD-Spieler während der Partie wohl nicht über die Zwischenstände von Werder und Hamburg informiert werden, glaubt Schuhen und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn es in unsere Richtung kippen sollte, merkt man das im Stadion. Fußball ist manchmal verrückt. Ich habe da so ein Gefühl.“

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