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2:1 gegen Mainz : Darmstadt sucht höheren Berg als den Mount Everest

  • -Aktualisiert am

Zu schlecht abgeschirmt: 05-Stürmer Jhon Cordoba bleibt gegen Darmstadt ohne Tor Bild: dpa

Darmstadt 98 spielt gegen Mainz 05 mutig – und fühlt sich erlöst. Die Gäste befassen sich zu viel mit Nebenkriegsschauplätzen und sind bitter enttäuscht. Jetzt stecken beide mitten im Abstiegskampf.

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          „Wie eine Erlösung“ kam Sven Schipplock der Schlusspfiff vor, der einen emotionalen und erfolgreichen Arbeitstag der „Lilien“-Profis beendete. „Das war mehr als verdient und gibt uns Kraft für die kommenden Wochen“, sagte der Darmstädter Angreifer nach dem 2:1-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 nach Toren durch Aytac Yulu (6. Minute) und Sidney Sam (Strafstoß/ 12.) sowie einem Gegentreffer durch Robin Quaison (45. +3.).

          In der Tat zeigten die Südhessen im Rhein-Main-Derby eines ihrer besten Spiele der Saison – weil neben dem ausgeprägten Kampfgeist auch spielerisch vieles gelang.  Im „Lilien“-Lager war man im Nachgang bei aller Freude über den Tagessieg bemüht, den Erfolg nicht in einen größeren tabellarischen Zusammenhang zu stellen. Angesichts von acht Zählern Rückstand auf den Hamburger SV, der den Darmstädter Rückstand auf den Relegationsrang an diesem Sonntag daheim gegen Gladbach erhöhen kann, sagte Trainer Torsten Frings: „Der Berg, den wir besteigen müssen, ist höher als der Mount Everest.“

          Frings sieht „bemerkenswerte Leidenschaft“

          Auch dem 40-jährigen Fußballlehrer war die Erleichterung deutlich anzusehen. „Die Leidenschaft, welche die Mannschaft in Unterzahl gezeigt hat, war bemerkenswert“, sagte Frings. Die Darmstädter nahmen an diesem Nachmittag am Böllenfalltor, der im Zeichen des Gedenkens an den vor einem Jahr verstorbenen „Lilien“-Fan Jonathan Heimes stand, jede Hürde gegen wenig griffige Mainzer. Vor allem in der knapp halbstündigen Phase zu zehnt auf dem Platz nach der Gelb-Roten Karte für den bis dahin starken Mario Vrancic (59.) bewiesen die Darmstädter ihre Fortschritte der vergangenen Wochen, indem sie den Gegner geschickt vom eigenen Tor fernhielten und offensiv dennoch gefährlich blieben.

          Mittelfeldrenner Jerome Gondorf, einer der dienstältesten SVD-Profis, sprach auch in Bezug auf Jonathan Heimes von einem „kleinen Märchen, das wir heute geschrieben haben“. Die Darmstädter waren in – im Nu ausverkauften - Sondertrikots aufgelaufen mit der Aufschrift „Du musst kämpfen. Jetzt erst recht“,  – und füllten das Motto von Jonathan Heimes mit Leben. Die Darmstädter Anhänger unter den 17.400 Zuschauern am Böllenfalltor verbreiteten eine Stimmung wie zu besten Zeiten und waren den aufopferungsvoll kämpfenden Profis eine willkommene Hilfe. Dabei hätten sich die „Lilien“ das Zittern bis zur letzten Sekunde durchaus ersparen können. Erstmals seit langem vermochten sie früh einen Zweitorevorsprung herauszuschießen.

          Darmstädter Urschrei: Kapitän Sulu köpft das frühe Führungstor Bilderstrecke

          Schon nach sechs Minuten hatte das lange Warten auf den ersten Saisontreffer von Aytac Sulu ein Ende. Der Kapitän verwandelte eine Vrancic-Ecke per Kopf (6.) – es war sein erster Heimtreffer in der Bundesliga überhaupt. Seine sieben Saisontore in der Vorsaison hatte der Darmstädter Vorkämpfer allesamt auswärts erzielt. „Die vergangenen Wochen waren ein Stück weit hart, weil wir sehr gut gespielt haben ohne Lohn. Heute sind wir sehr stark aufgetreten“, sagte Sulu, der sich sechs Minuten nach dem eigenen Erfolgserlebnis über den zweiten Darmstädter Streich durch Sidney Sam freuen konnte. Der Winterneuzugang traf per Elfmeter, den Gondorf gegen den Mainzer Innenverteidiger Ramalho herausholte.

          Dennoch stapfte Frings wutschnaubend in die Kabine, weil sein Team den Mainzern mit dem Halbzeitpfiff nach einer Ecke durch Quaison den 1:2-Anschluss gestattete. Doch spätestens in der zweiten Halbzeit nach weiteren vergebenen Großchancen durch Vrancic (51.) und vor allem Schipplock (52.) hellte sich Frings‘ Miene immer weiter auf – ehe er den (erst) vierten Saisonsieg des SVD ausführlich bejubelte.

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