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Darmstadt-Profi Mai : Mit grimmigem Blick

  • -Aktualisiert am

Das Ziel fest im Blick: Lars Lukas Mai Bild: Picture-Alliance

Bayern-Leihspieler Lars Lukas Mai hat sich schnell bei Darmstadt 98 eingefügt. Die Lehrzeit in München kommt den „Lilien“ sehr gelegen. Im Heimspiel gegen den HSV wartet nun eine besondere Herausforderung.

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          Lars Lukas Mai setzt im Spiel stets diesen Blick auf, den man grimmig nennen kann. Als ob er den gegnerischen Angreifern noch mehr entgegenstellen möchte als seinen 1,90 Meter großen, 84 Kilogramm schweren Körper. „Diesen Blick“, erzählt der 20-Jährige, der nur Lasse gerufen wird, „habe ich auch bei Brettspielen drauf. Ich will jedes Spiel gewinnen.“ Nun ist der auf Tabellenplatz 14 stehende SV Darmstadt 98 in dieser Saison noch keine Gewinnermannschaft, doch für Mai ist diese Spielzeit bislang ein großer Gewinn. „Lasse ist ein sehr stabiler, mental starker Spieler. Er hat eine rasante Entwicklung bei uns gemacht“, sagte Trainer Markus Anfang am Donnerstag. Und auch bei der U-21-Auswahl des DFB, in der unlängst sein Debüt sofort in einen Stammplatz mündete.

          2. Bundesliga

          Der Innenverteidiger wirkt in Zweikämpfen schon erstaunlich abgeklärt und souverän. Und so mancher sieht in seinem Stil Parallelen zu seinen großen Lehrmeistern. Es sind keine Geringeren als Hummels, Boateng und Süle. Denn die FC-Bayern-Leihgabe hat während seiner vergangenen Jahre in der Zweitvertretung des Rekordmeisters viel mit den Münchner Profis trainiert. Mais dort erlernte zentimetergenauen Diagonalbälle auf die offensiven Außenspieler sind eine Waffe, die aus der Innenverteidigung kommend in Darmstadt zuvor unbekannt waren. Mai hat bei den „Lilien“ und in der Liga sofort Fuß gefasst, hat an den ersten zehn Spieltagen keine einzige Minute verpasst – und hat dementsprechend schon 21 Gegentreffer aus der Nähe erlebt.

          „Es kommt vielleicht als eine risikoreiche Spielweise rüber. Das führt aber dazu, dass wir vorne in jedem Spiel viele gute Chancen herausspielen“, sagt Mai mit Blick auf die noch fehlende Balance im SVD-Spiel. Die Darmstädter Spielweise mit kontrolliertem Aufbau aus der Innenverteidigung heraus kommt Mai aufgrund seines bajuwarisch geprägten Ausbildungsstandes entgegen. Für ihn hat in Südhessen quasi der Praxisteil begonnen auf seinem Weg, die guten Anlagen zu veredeln.

          Dafür sind die mitunter harschen Zweitliga-Gepflogenheiten eine gute Schule. Zumal Mai sowohl in den ligaweit längsten Ballbesitzzeiten des SVD mit Blick nach vorne gefordert ist als auch als Brandlöscher im eigenen Strafraum. Coach Anfang erwähnt explizit die „Stresssituationen“, die man als Darmstädter Verteidiger in dieser Saison zuhauf erlebt, die ihn „schnell und gut dazulernen lassen“. An diesem Samstag (13.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) wartet eine besondere Lernstandserhebung auf Mai und seine aufgrund von Sperren und Verletzungen häufig wechselnden Partner in der „Lilien“-Abwehr: Der Hamburger SV mit Torjäger Simon Terodde (neun Tore) kommt ans Böllenfalltor.

          „Hauptsache, es fällt kein Gegentor“

          Aber natürlich ist eine Abwehrkraft wie Mai darauf gepolt, dass Gegentore meist vermeidbar sind, weil sie aus eigenen Fehlern entstehen. „Es gab noch keine Defensivszenen, bei denen ich Mitspielern vorwerfen könnte, zu lasch verteidigt zu haben“, sagt er. Und dennoch sind die Darmstädter Sicherungssysteme offensichtlich löchrig. „Wir wissen alle, dass die Zahl an Gegentoren Mist für uns ist. Wir wollen und werden das ändern“, sagt Mai. „Ich spüre auch im Training die Haltung bei allen, dass sie zu null spielen wollen.“ Eine prägende Szene bei der unglücklichen 2:3-Niederlage in Düsseldorf am vergangenen Freitag war für Mai, als mit ihm, Torhüter Marcel Schuhen und Rechtsverteidiger Patrick Herrmann im eigenen Strafraum gleich drei Spieler resolut zum Ball gingen und anschließend alle der Zusammenprall schmerzte. „Hauptsache, es fällt kein Gegentor. Wenn dabei einer umfällt, ist das egal, solange der Ball weg ist“, so der gebürtige Dresdner.

          Und doch steht das häufige Lob für Mais persönliche Leistungen im Kontrast zu den vielen Gegentreffern, welche der SVD hinnehmen muss. So viel Sicherheit und Ruhe Mai in Duellen eins gegen eins auch ausstrahlt, in Sachen Stellungsspiel und Abstimmung mit den Nebenleuten hakt es mitunter. Dem Treffer zum 2:2 bei der Fortuna ging ein Kommunikationsproblem zwischen ihm und Schuhen voraus, vor dem entscheidenden Treffer zum 2:3 war es Mai, der den Ball unglücklich abfälschte. Ohne Winterpause und mit einer sich im Sommer anschließenden U-21-EM wird Mai nunmehr ohne Unterlass gefordert sein – mit grimmigem Blick.

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