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Markus Gisdol in Hamburg : Der Entwickler des HSV

  • -Aktualisiert am

Markus Gisdol will in kleinen Schritten mehr machen aus dem ewigen Underperformer HSV. Bild: EPA

Markus Gisdol hat beim HSV gefunden, was er in Hoffenheim vermisst hatte. Er hat aus den Hamburgern wieder ein Team gemacht – und wirken vor dem Nordderby an diesem Sonntag in Bremen nicht mehr wie ein Absteiger.

          Die Erfolgsgeschichte ungewissen Ausgangs beginnt mit einem kontrollierten Wutausbruch am 5. November 2016. Der Hamburger SV verliert 2:5 gegen Borussia Dortmund. Markus Gisdol ist stinksauer. Auf die Mannschaft. Auf das Umfeld. Auf den ganzen Verein. Immer diese überzogenen Erwartungen! Das Schwergewicht HSV droht ihn und seine Mission nach nur sechs Wochen zu zerquetschen. Seine Mannschaft ist Letzter. Zwei Punkte. 4:23 Tore.

          Ein Detail, das in diesem Desaster fast untergeht, später aber noch von Bedeutung sein wird: Kapitän Johan Djourou sagt nach dem Spiel, der ungewohnten Dreierkette hätten die Automatismen gefehlt. Gisdol wandert wütend von Kamera zu Kamera. Er sagt: „Für Mannschaft und Verein ist das eine sehr schwierige Situation, weil die Erwartungshaltung vor der Saison in nicht angemessenem Maß aufgestellt wurde. Diese Träumereien müssen aufhören. Die Realität unserer Mannschaft heißt Abstiegskampf. Aber hier in Hamburg gab es andere, unrealistische Ziele.“ Die Mannschaft liegt am Boden. Der Klub steuert ins Chaos: Vorstand und Sportchef Beiersdorfer vor dem Aus, Aufsichtsratschef Gernandt dem Rücktritt nahe. Der HSV gibt ein verheerendes Bild ab.

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          Markus Gisdol schmunzelt, wenn man ihn mit dem vergangenen November konfrontiert. Er selbst hat das Dortmund-Spiel und die Tage danach als Wendepunkt ausgemacht. Das war nicht spontan damals. Gisdol sendete seine Sätze damals mehrfach fast wortgleich. Es war ein Weckruf, ein schrilles Klingeln um fünf Sekunden vor zwölf. Gisdol sagt heute: „Wir lagen am Boden. Es war eine unglaublich schwierige Lage. Wir haben uns alle zusammengerauft und zu einer Einheit verschworen. Das war die Basis, um überhaupt noch mal ranzukommen.“ Er hat damals zusammen mit seinen Assistenten Frank Kaspari und Frank Fröhling Schwächen identifiziert und sich sofort darangemacht, sie zu beheben. Bequem war das nicht. Und beliebt hat er sich auch nicht gemacht.

          Seine Mannschaft hat seitdem 31 Punkte in 18 Partien geholt (neunmal gewonnen, viermal unentschieden, fünfmal verloren) und ist fünftbestes Team dieses Zeitraums. „Wir haben zwei bis drei deutliche Entwicklungsschritte gemacht“, sagt Gisdol, „wir mussten als Mannschaft gut sein, damit der Einzelne gut ist.“ Das heben auch seine Spieler hervor. Ob Neue wie Mavraj, Walace und Papadopoulos oder alte, fast Vergessene wie Hunt, Diekmeier, Jung oder Lasogga: sie kommen rein und funktionieren. Vor allem die neue Heimstärke ist verblüffend – zuletzt gelangen sieben Siege und zwei Remis.

          Darauf angesprochen, reagiert Gisdol ausgesprochen typisch und zählt Auswärtsspiele auf, die auch ordentlich verlaufen seien. Und dann, mit einem breiten Grinsen: „Wir haben einmal im Bayrischen gespielt. Das war nicht ganz so gut.“ Den zu Scherzen aufgelegten Gisdol hebt er sich für rare Momente auf – wobei der 47 Jahre alte Schwabe aus Geislingen ein humorvoller Gesprächspartner ist. Bisher hält er diese Facette verborgen. Kaum Interviews, wenige Auftritte im öffentlichen Raum. Gisdol verzettelt sich nicht, für ihn gibt es nur Fußball, nur die Mannschaft. Er hat seinen Vertrag gerade bis 2019 verlängert, seine Frau Sylvia und die beiden Kinder sollen im Sommer aus Bad Überkingen nach Hamburg kommen.

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