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2:1 in Paderborn : Ginczek rettet Stuttgart vor Abstieg

  • -Aktualisiert am

Auf dem Boden, aber nicht am Boden: Ginczek trifft entscheidend für den VfB Bild: dpa

Das Abstiegskrimi beginnt denkbar schlecht für Stuttgart. Doch der VfB behält die Nerven. Ein Solo von Daniel Ginczek bescherte Sieg und Klassenverbleib. Aufsteiger Paderborn muss zurück in die zweite Liga.

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          Für die einen war es das Ende, das viele von Anfang an erwartet hatten: Der SC Paderborn ist am Samstagnachmittag ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg wieder in die Zweitklassigkeit abgestiegen. Für die anderen war es die Rettung auf den letzten Drücker: Der VfB Stuttgart hat sich durch den 2:1-Sieg in Ostwestfalen im letzten Moment gerettet.

          Daniel Ginczek war der Mann des Tages, der mit dem Siegtreffer in der 72. Minute die Schwaben von einem Abstiegsplatz auf Rang 14 der Tabelle katapultierte. Es war der gerechte Lohn für die bessere Mannschaft, die zuvor einen 0:1-Rückstand durch Vucinovic (4.) durch Didavi (36.) egalisiert hatte.

          Während der VfB nun seine erstklassige Zukunft unter dem kommenden Trainer Alexander Zorniger planen kann und den verdienstvollen Fußballlehrer Huub Stevens, seinen Retter im Vorjahr und in dieser Saison, in allen Ehren verabschieden wird, werden die Paderborner einen neuen Anlauf unternehmen, in die Bundesliga zurückzukehren. Das hat Klubmäzen Wilfried Finke schon angekündigt. Die Paderborner hatten sich kurz vor dem Endspiel wild entschlossen gegeben. „Wir sind bereit“: So markig hatte SCP-Trainer André Breitenreiter die Pressekonferenz vor dem Duell mit dem VfB eröffnet und später hinzugefügt. „Die Jungs brennen.“

          Und die Stuttgarter? Sie mieden große Worte und verließen sich auf das, was sie in den vergangenen Wochen stark gemacht hatte: das Vertrauen in die eigene Offensivkraft, eine Reihe von überlebenswichtigen Heimsiegen in den vergangenen Wochen und die innerbetriebliche Ruhe, die nur der erprobte Abstiegskämpfer Huub Stevens einmal aufgelockert hatte, als er seine Profis zum Zwecke der Schärfung der Sinne als „Affen“ beschimpft hatte. Theaterdonner, der längst verhallt ist.

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          Die Paderborner versuchten mit den Schornsteinfegern alles :

          Rund 1700 VfB-Fans waren nach Ostwestfalen gefahren, um den fünfmaligen deutschen Meister auf der Schlussetappe der Saison bei seiner Mission Klassenverbleib zu unterstützen. Der Respekt vor dem Gegner war gleichwohl groß und spiegelte sich in den Worten des Sportvorstands Robin Dutt: „In Paderborn wird die Hütte kochen.“

          Die Unberechenbarkeit des Tabellenletzten, am Samstag von 51 Schornsteinfegern als erhofften Glücksbringern im Stadion angefeuert, hatte sich natürlich auch bis Stuttgart herumgesprochen: Aber nicht so eindrucksvoll, dass der VfB von Beginn an hochkonzentriert gewesen wäre. Schön für die Paderborner, die schon mit ihrem ersten Angriff Erfolg hatten. Innenverteidiger Hünemeier hielt auf dem Weg nach vorn kein Schwabe, und der vom Kapitän angespielte Lakic konnte ebenso unbehelligt zu Vucinovic passen. Gegen dessen Flachschuss aus zwanzig Metern war Torhüter Ulreich machtlos.

          Die Hütte kochte, wie von Dutt prophezeit, nach dem frühesten Treffer der Ostwestfalen in ihrer kurzen Bundesliga-Geschichte. Doch die Stuttgarter, die schon vor einer Woche einen 0:1-Rückstand gegen den Hamburger SV zu einem 2:1-Sieg gewendet hatten, ließen sich auch diesmal nichts anmerken und belagerten für den Rest der ersten Hälfte das Paderborner Tor. Bis zur 36. Minute wehrte sich der engmaschig und aggressiv verteidigende Sportclub mit Erfolg gegen die Attacken des VfB, dann aber unterlief Hünemeier ein Patzer, als er den Ball nicht richtig traf.

          Dankbarer Abnehmer war Daniel Didavi, der mit einem Flachschuss aus zehn Metern kurzentschlossen seine Chance zum 1:1 nutzte. Ein Ausgleich, der die einseitigen Verhältnisse auf dem Platz nur unzureichend spiegelte. Harnik verpasste wenig später (38.) die große Gelegenheit zum 2:1, als er Kostics Flanke am Tor vorbeispitzelte. Noch unglückseliger endete Ginczeks imposantes Solo (45.), das der Mittelstürmer mit einem Schuss vorbei am weitgeöffneten Tor kläglich abschloss. Der ultimative Kampf gegen die drohende Rückversetzung in die zweite Bundesliga hinterließ Spuren – bei den stärkeren Stuttgartern und bei den tapferen Paderbornern.

          Für beide erschwerte sich die Situation noch nach dem Wechsel. Durch die Hamburger Tore gegen den FC Schalke 04 spielten nun zwei Mannschaften gegeneinander, welche die Abstiegsplätze 18 und 17 belegten. Ein tonnenschwerer Ballast mit lähmenden Nebenwirkungen, da Gentner aus freier Schussbahn für den VfB verzog (58.) und der Paderborner Stoppelkamp frei vor Ulreich den Ball nicht traf (60.).

          Die Zeit lief in dieser Phase gegen alle, die auf dem Platz verzweifelt um den Sieg kämpften. Schließlich aber setzte sich die größere Klasse des VfB doch durch gegen ein Team mit überragender Mentalität. Der eingewechselte Maxim spielte Ginczek frei, und der traf aus spitzem Winkel zum 2:1 (72.). Eine befreiende Tat, die den VfB Stuttgart am Ende einer langen Reise von allen Abstiegsängsten befreite und den SC Paderborn wieder zurück in die Zweitklassigkeit schickte.

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