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Coronavirus und der Fußball : Mehr Verantwortung

  • -Aktualisiert am

Kritisiert den Kurs des deutschen Fußballs: Köln-Geschäftsführer Horst Heldt Bild: dpa

Was passiert, wenn sich Spieler mit dem Coronavirus infizieren? Bislang schaut die Deutsche Fußball-Liga nur auf ihren eigenen kleinen Bereich. Das aber reicht nicht.

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          Konsequent inkonsequent – besser und kürzer als Horst Heldt, der Sportdirektor des Bundesligaklubs 1. FC Köln es tut, ist die Reaktion des Profi-Fußballs auf die am Sonntag ausgesprochene Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen, nicht zusammenzufassen. Denn die Entscheidung darüber, wie es in Zeiten des Coronavirus weitergehen soll, wird erst mal weitergereicht.

          Bundesliga

          Was die Bundesliga betrifft, ist die Deutsche Fußball-Liga als Dachorganisation zwar nicht berechtigt, eine Partie abzusagen, weil sie nicht als Veranstalter fungiert. Sie sollte aber ganz sicher eine deutlichere Position haben als jene, die Geschäftsführer Christian Seifert am Montag verkündete: „Wir würden den nächsten Spieltag am liebsten schon mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen.“

          Das mag versicherungstechnische Gründe haben, aber es zeugt nicht von ausgeprägtem Verantwortungsgefühl über den eigenen kleinen Bereich hinaus. „Es geht um den eigenen Schutz und um den Schutz von Mitbürgern. Das oberstes Ziel muss sein, die Epidemie zu verlangsamen. Das wird darüber entscheiden, wie unser Gesundheitssystem damit umgehen kann. Es ist sicher leichter, auf Konzerte und den Besuch von Fußballspielen zu verzichten als auf den Weg zur Arbeit“, hatte Spahn gesagt.

          Die Folge? In Stuttgart sollte am Abend das Zweitliga-Spitzenspiel wie geplant stattfinden, danach aber würden weitere Veranstaltungen dieser Art so nicht stattfinden können. Auch in Leipzig am Dienstag wird in der Champions League mit Zuschauern gespielt, wie in Stuttgart mit dem Hinweis, auch der zeitliche Faktor habe gegen eine Absage oder ein Geisterspiel gesprochen. In Salzburg ging das vor zwei Wochen problemlos – wegen einer Sturmwarnung wurde das Europa-League-Spiel der Frankfurter Eintracht Stunden vor dem geplanten Anpfiff um einen Tag verschoben. Der Sturm wartet nicht, das Virus schon? In Paris nicht – da muss der BVB ohne Zuschauer bei PSG spielen. Und das Europa-League-Spiel der Eintracht in Basel wurde am Montag von den Baseler Behörden abgesagt. Die Entscheidung hingegen, ob das Nachholspiel des 1. FC Köln am Mittwoch in Mönchengladbach stattfindet, soll erst an diesem Dienstag fallen. Welche neuen Erkenntnisse kann es da geben, und wieso reicht dann die Zeit?

          Dass die Entscheidungen, die nun zu treffen sind, nicht einfach sind, bezweifelt niemand – dass sie unumgänglich sind, sagen vor allem die Fachleute, in diesem Fall Virologen. Bislang folgte daraus nur, dass in Deutschland jeder Veranstalter, jede lokale Gesundheitsbehörde das einzeln entscheiden muss. Etwas mehr Verantwortung für die Gesellschaft darf der Fußball aber schon übernehmen. Und ob diese Saison überhaupt zu Ende gespielt wird, entscheidet die Frage, ob sich irgendwann ein Spieler infiziert und dann komplette Teams zwei Wochen in Quarantäne müssen. Aber wären Fragen von Auf- und Abstieg dann wirklich wichtig?

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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