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Geisterspiele im Fußball : Auch Länderspiel gegen Italien ohne Zuschauer

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Wegen des Coronavirus wird die Dortmunder Südtribüne beim Derby gegen den FC Schalke leer bleiben. Bild: EPA

Aus Sorge vor dem Coronavirus finden am Wochenende fast alle Bundesligaspiele vor leeren Rängen statt. Für die Vereine bedeuten die Geisterspiele große finanzielle Einbußen. Auch der DFB muss Zuschauer ausschließen.

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          Borussia Mönchengladbach hat wegen des Coronavirus vor weitreichenden finanziellen Konsequenzen für die Klubs gewarnt. Laut Geschäftsführer Stephan Schippers sind die Vereine und die Deutsche Fußball Liga (DFL) nicht gegen die fehlende Einnahmen aufgrund von angeordneten Geisterspielen versichert. „Bei uns wird ein Spiel ungefähr zwei Millionen Euro ausmachen. Ob das jetzt ein, zwei oder drei Spiele betrifft, das kann man nicht kalkulieren. Das Geld ist nicht da“, sagte Schippers am Dienstag.

          Mittlerweile sind für das kommende Wochenende bei sechs von neun Bundesligaspielen Zuschauer ausgeschlossen. An manchen Standorten sind die Zugänge selbst für Berichterstatter stark begrenzt. In Hoffenheim beispielsweise dürfen nach Stand der Dinge beim Spiel gegen Hertha BSC Berlin nur die für die Produktion der Fernsehübertragungen  benötigten Mitarbeiter ins Stadion, während andernorts noch alle akkreditierten Journalisten Zugang haben.

          Lediglich die Begegnung Union Berlin gegen Bayern München wird nach Stand der Dinge noch vor Zuschauern stattfinden sowie die Begegnungen RB Leipzig gegen SC Freiburg sowie Eintracht Frankfurt gegen Mönchengladbach. Die Eintracht soll zudem am Donnerstag in der Europa League noch mit Publikum spielen dürfen. Leipzig spielt am Dienstagabend ebenfalls noch vor Zuschauern in er Champions League gegen Tottenham (21 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und DAZN).

          Das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien am 31. März in Nürnberg wird hingegen definitiv ohne Zuschauer stattfinden. Wie der DFB mitgeteilt hat, hat die bayrische Staatsregierung eine verbindliche Vorgabe erlassen, die auch das Spiel betrifft. Bayern lässt große Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern oder Teilnehmern vorerst nicht mehr zu.

          Dementsprechend dürften an den weiteren Spieltagen Partien in München und Augsburg sowie bei den Zweitligaklubs 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth und Jahn Regensburg ebenfalls nicht stattfinden. Für das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Bayern München und dem FC Chelsea am 18. März (21 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und DAZN) wurde defintiv gemeldet, dass es unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

          Zuvor hatte die Stadt Mönchengladbach mitgeteilt, dass das Nachholspiel der Borussia am Mittwoch gegen den 1. FC Köln (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden darf. Grund dafür ist die Ausbreitung des Coronavirus. Gladbachs Sportchef Max Eberl zeigte derweil Verständnis für die Entscheidung: „Die Gesellschaft steht über den Sport. Natürlich haben wir jetzt einen Nachteil davon. Aber es gibt wichtigeres als Fußball.“

          Auch das Revierderby am Samstag zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) darf nicht mit Zuschauern stattfinden. BVB-Sportchef Michael Zorc bezifferte den Einnahmeausfall auf mindestens drei Millionen Euro. Wie die Stadt Dortmund mitteilte, gehe man zudem davon aus, dass auch das Spiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern am 4. April vor leeren Rängen stattfinden werde.

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          Auch der FC Augsburg rechnet pro Geisterspiel mit gravierenden Mindereinnahmen. „Wir kalkulieren mit einem sehr hohen sechsstelligen Verlust pro Spiel“, sagte Geschäftsführer Michael Ströll. Eine Versicherung für solch ausbleibende Zuschauereinnahmen könne man nicht abschließen. Beim FC Bayern fällt der finanzielle Ausfall pro Spiel noch größer aus.

          FCA-Manager Stefan Reuter wies am Dienstag in Augsburg ebenfalls auf die schwierige Situation hin. „Das ist natürlich ein Riesenproblem für jeden Verein, weil jedem Verein eine enorme Einnahmequelle verloren geht. Wir müssen mit der Situation umgehen und überlegen, welche Maßnahmen ergriffen werden.“ Geisterspiele seien „sicher eine Riesenumstellung für uns alle. Der FC Augsburg plädiert für eine gemeinsame Lösung der Liga, weil es sonst zu Wettbewerbsverzerrungen kommen könne.

          In anderen Bundesländern werden ebenfalls Geisterspiele erwartet. Auch Werder Bremen soll am Montag gegen Bayer Leverkusen vor leeren Rängen spielen, ebenso wird die Partie zwischen Köln und dem FSV Mainz 05 am Samstagnachmittag kein Fan im Stadion verfolgen können. Ebenfalls betroffen von einem Zuschauerausschluss ist das Europa-League-Spiel des VfL Wolfsburg gegen Schachtar Donezk am Donnerstagabend. Zu den Spielen sind nach Stand der Dinge nur Vereinsmitarbeiter und Journalisten zugelassen.

          In der vergangenen Saison nahmen die Vereine der ersten Bundesliga durch direkte Spieleinnahmen rund 520 Millionen Euro ein – hauptsächlich durch Ticketverkäufe. Das sind circa 13 Prozent des Gesamtumsatzes der Klubs, wie aus dem DFL-Wirtschaftsreport 2020 hervorgeht. Noch mehr Geld nahmen die Vereine durch Medienerlöse (rund 37 Prozent), Werbung (21 Prozent) und Transfers (17 Prozent) ein.

          Das Bundesligaspiel zwischen Union Berlin und dem FC Bayern München wird hingegen wie geplant mit Zuschauern stattfinden. Das teilte der Klub nach Rücksprache mit den örtlichen Behörden mit. Zuvor hatte bereits Union-Präsident Dirk Zingler mitgeteilt, er gehe nicht von einem Zuschauerausschluss beim Spiel gegen die Bayern aus. „Wenn wir alle sachlichen Gründe untersuchen, und das haben wir gemacht nach Checkliste des Robert-Koch-Institut, gehe ich davon aus, dass kein Grund dafür besteht, das Spiel ohne Zuschauer stattfinden zu lassen“, sagte Zingler der „Berliner Morgenpost“ am Dienstagvormittag. Als Veranstalter mit 180 Mitarbeitern sieht der Union-Präsident bei einem Zuschauerausschluss die Unternehmensgrundlage entzogen und würde dann auf Schadensersatz pochen, „wenn aus präventiven Maßnahmen eine Behörde eine Anordnung“ erlasse.

          Auch in den unteren Ligen warnen die Vereine im Fall von Geisterspielen vor massiven Folgen. Der Geschäftsführer des Regionalliga-Klubs Rot-Weiß Essen, Marcus Uhlig, bezeichnete Geisterspiele als „Worst Case“. „Wir sind viel stärker von dem abhängig, was die Fans bei uns für Tickets aus­geben, ob nun als Ein­zel­ti­cket oder Dau­er­karte“, sagte Uhlig dem Fußballmagazin „11Freunde“. Für die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen stellen Spielabsagen womöglich sogar die bessere Alternative dar, da – anders als bei den Bundesliga-Klubs – auch eine Verlängerung der Saison in den Sommer hinein vergleichsweise unproblematisch wäre ohne Terminkollisionen der beschäftigten Profis mit Wettbewerben wie dem Europapokal oder der Europameisterschaft zu riskieren. Bei einem Nachholspiel könnten die Vereine zudem auf die vollen direkten Spieleinnahmen hoffen.

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