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Coronavirus und die Bundesliga : Späte Erkenntnis des Fußballs

  • -Aktualisiert am

Fußball im Zeichen von Corona: Diese beiden Fans in München wollen sich vor dem Virus schützen. Bild: dpa

Immer mehr Messen und Volksfeste werden hierzulande abgesagt. Den deutschen Fußball erreicht das Coronavirus erst verspätet. Wieso läuft der Spielbetrieb in der Bundesliga bisher eigentlich ganz normal weiter?

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          Die Debatte, wer denn nun die Meinungshoheit im deutschen Fußball hat, wer für den Abbruch eines Spiels verantwortlich wäre – also die Ultras oder der DFB, oder einfachheitshalber Dietmar Hopp – hat dafür gesorgt, dass eine andere Diskussion erst gar nicht groß geführt worden ist.

          Bundesliga

          Wenn aber so große Ereignisse wie das Mandelblütenfest in Gimmeldingen (Rheinland-Pfalz) wegen des Corona-Virus mit dem Hinweis auf die mehreren zehntausend Besucher abgesagt werden, drängt sich die Frage auf: Wieso läuft der Spielbetrieb in der Bundesliga eigentlich bisher ganz normal weiter? Selbst das Spitzenspiel in Mönchengladbach, nur ein paar Kilometer von Heinsberg, dem am ärgsten vom Corona-Virus betroffenen Ort in Nordrhein-Westfalen, entfernt, fand ganz normal statt. 550 Zuschauer ließen sich den Ticketpreis erstatten, 53.877 Besucher kamen.

          Wer nicht kommt, sind demnächst die Australier. Direkt neben dem Borussia-Park in Mönchengladbach liegt das Hockeystadion mit seinen 12.000 Plätzen. Dort sollten am 21. und 22. März die Spiele in der weltweit ausgetragenen Hockey Pro League gegen die deutschen Damen und Herren stattfinden. Am Sonntag kam die Absage. Grund ist die Entscheidung des australischen Sportministeriums, alle Reiseaktivitäten in Gebiete mit einer starken Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 auszusetzen.

          Zwei Sportarten, zwei unmittelbar angrenzende Sportstätten – und völlig unterschiedliche Auswirkungen des Phänomens, das derzeit die Welt ein wenig mehr beschäftigt als das Selbstverständnis deutscher Ultras. Deren Kritik zielt ja berechtigterweise auch darauf hin, dass einiges schief läuft in den Verbänden, dass es nur noch um den Kommerz geht, wie man etwa an aufgeblähten internationalen Wettbewerben erkennen kann. Dass der finanzielle Aspekt eine gehörige, wenn nicht die entscheidende Rolle beim Umgang mit dem Corona-Virus spielte, lag auf der Hand.

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          Schaut man sich die vom Krisenstab des Innenministeriums und des Bundesministeriums für Gesundheit empfohlenen Kriterien für den Umgang mit Großveranstaltungen an, werden bei den Fußballspielen gleich mehrere Risikopunkte erfüllt. Es kommt eine größere Anzahl von Menschen zusammen, es gibt eine Interaktion (etwa Umarmungen) zwischen den Teilnehmenden, es gibt keine zentrale Registrierung der Teilnehmenden, es sind bereits Infektionen in der Region der Veranstaltung aufgetreten, es gibt nur eingeschränkte Möglichkeiten der Hände-Hygiene.

          Den deutschen Fußball hat dieses Virus trotzdem nicht erreicht. Rund 500.000 Fußballfans, von denen einige vermutlich auch an den Hamsterkäufen in Supermärkten beteiligt waren, haben die Stadien besucht, sind zum großen Teil mit Bus und Bahn angereist, genügend Personen werden nicht nur Hände geschüttelt haben. Hygienisch korrekten Torjubel gibt es nicht – allenfalls der Videobeweis hilft, er lässt ihn durch die Verzögerung weniger enthusiastisch werden.

          Gesundheitsminister Jens Spahn hat nun am Sonntag empfohlen, in Deutschland Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Messen und Volksfeste waren in den vergangenen Tagen schon ausgebremst worden, der Fußball als größte Massenveranstaltung aber rollte bislang einfach weiter. Das wird auch so bleiben, aber sicher ohne Zuschauer. Es stehe außer Frage, dass die Saison zu Ende gespielt werden muss, wird DFL-Chef Christan Seifert zitiert. Aber auch das entscheidet nicht die DFL, sondern Sars-CoV-2.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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