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Stadion, Hotel, Hygiene : So will die Bundesliga ihre Geisterspiele abhalten

Mit möglichst wenigen Menschen, wie hier in Dortmund: Die Bundesliga hat ein Konzept für Geisterspiele aufgestellt. Bild: dpa

Für einen möglichen Bundesliga-Neustart sollen strenge Auflagen gelten. Die Deutsche Fußball Liga hat dazu ein detailliertes Konzept entwickelt. Der F.A.Z. liegt das vollständige, 50-seitige Dokument vor.

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          Der deutsche Profifußball will im Fall eines positiven Tests von Bundesligaspielern auf eine Gruppenquarantäne verzichten. Das geht aus einem Schreiben der sogenannten „Task Force“ der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hervor, die die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme von Ligaspielen ohne Zuschauer erarbeitet hat.

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          „Alle aufgeführten Maßnahmen führen zu einer erheblich verbesserten Sicherheit der beteiligten Personen vor einer Ansteckung und eliminieren weitestmöglich die beispielhaft im RKI-Dokument (Robert Koch Institut/d. Red.) genannten Konstellationen (z.B. 15 min „face-to-face“-Kontakt). Dies rechtfertigt nach Auffassung der Task Force eine Einstufung der potentiellen Kontaktpersonen von Infizierten aus dem Kreis der Spieler und Betreuer in die Kategorie II des RKI (geringeres Infektionsrisiko) und damit den Verzicht auf eine Gruppenquarantäne.“

          Einzelne Spieler oder Betreuer mit näherem Kontakt zu einer infizierten Person könnten selbstverständlich bei Vorliegen entsprechender Konstellationen dennoch isoliert werden, heißt es in dem Schreiben, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Die Spieler, Trainer und Betreuer werden auch nicht, wie kolportiert, kaserniert. „Das ist über neun Wochen nicht möglich“, sagt ein Manager eines Vereins der F.A.Z., „wir setzen neben den Maßnahmen auch auf die Disziplin aller Beteiligten. Sie wissen, um was es geht.“

          Lesen Sie hier das vollständige Konzept für mögliche Geisterspiele sowie das medizinische Konzept für Training und Spielbetrieb.

          Das Konzept der „Task Force“ stammt vom 15. April und bildet unter anderem die Grundlage für die  Entscheidung der DFL, die Ligaspiele im Mai fortsetzen zu wollen, falls die Politik zustimmt. Dazu wird es an diesem Donnerstag eine Schaltkonferenz des Verbandes geben. Die Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU), hatten zuvor von einem guten Konzept gesprochen und die Aufnahme von Geisterspielen am 9. Mai in Aussicht gestellt. Söder betonte am Dienstagabend gegenüber den „Tagesthemen“ jedoch, das RKI müsse „sein grünes Licht“ für den Neustart der Bundesliga geben. Einen „Blankoscheck“ für die Klubs „nach dem Motto, egal was passiert, es findet statt“, werde es „natürlich nicht geben“.

          Keine „hundertprozentige Sicherheit“

          Die vier Mitglieder der Kommission unter Leitung von Prof. Tim Meyer, dem Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, schließen zwar eine „hundertprozentige Sicherheit“ aus für alle Beteiligten, glauben aber, dass sie mit ihrem Konzept in drei Schritten ein „medizinisch vertretbares Risiko“ gewährleisten können. Demnach werden seit dem 27. März  alle Covid-19-Erkrankungen und ihre Verläufe in allen Vereinen für das gesamte Umfeld der Mannschaften und Schiedsrichter unter datenrechtlichen Bestimmungen erfasst. Dies soll bis zum Ende des letzten Saisonspiels so bleiben.

          Parallel dazu wird, sobald es einen Termin für den Start der Spiele geben sollte, auf Covid-19 getestet. Diese Tests sollen einmal pro Woche stattfinden. Außerdem hat die „Task Force“ ein Programm für das Verhalten beim Training und dazu eines für einen Spieltag entworfen, das minutiös schildert, wer, wann und wo im Stadion anwesend sein darf und wie er sich zu verhalten hat. Nach den Berechnungen der Gruppe werden sich maximal rund 300 Personen im und um das Stadion aufhalten (siehe dazu Seite 4 ff.).

          Kritiker der Wiederaufnahme von Ligaspielen werfen dem Fußball vor, er binde Testkapazitäten, die zu Engpässen an wichtigeren Orten, etwa in Altenheimen, führten. Die „Task Force“ hat nach eigener Darstellung „mit großen Laborketten“ gesprochen. Demnach ist „gesichert, dass durch das geschilderte Vorgehen keine Kapazitäten für die Bevölkerung beeinträchtigt werden“. Gegenwärtig sind etwa 700.000 Test pro Woche möglich, werden aber nicht ausgeschöpft. Da die Bundesregierung nach einem Bericht der F.A.Z. beschlossen hat, die Zahl der Kontrollen auf viereinhalb Millionen pro Woche zu erhöhen, erscheint die Bewertung der „Task Force“ überholt.

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