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Kritik an Bundesliga-Konzept : „Priorisierung auf Bereiche, wo das Geld hockt“

Ein Pappkamerad im Mönchengladbacher Stadion wartet auf die Fortsetzung der Spiele. Bild: AFP

Die Bundesliga möchte trotz der Corona-Krise wieder spielen und legt ein Konzept vor. Die Mehrzahl der Ministerpräsidenten scheint das zu unterstützen. Doch nach Veröffentlichung des Plans kommt auch Kritik auf.

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          Das Konzept des deutschen Fußballs für eine Wiederaufnahme der Ligaspiele im Mai ist auf Kritik gestoßen. „Kommt es zur Genehmigung mit der Testauflage, haben wir der Art nach einen Ablasshandel mit einer Priorisierung auf die Bereiche, wo das Geld hockt, wo aber Testen nicht so wichtig ist, wie in der Krankenversorgung und den Pflegeheimen“, sagte der Mainzer Mediziner und Sportexperte Professor Perikles Simon: „Man hat auch den blitzartigen Ausbruch des Virus auf Kriegsschiffen kaum eingedämmt bekommen. Obwohl es da nicht an Tests gemangelt hätte. So oft kann man dann doch nicht testen.“ Simon reagierte damit auf die Veröffentlichung des medizinischen Konzeptes der „Task Force“ der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf FAZ.NET.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Lesen Sie hier das vollständige Konzept für mögliche Geisterspiele sowie das medizinische Konzept für Training und Spielbetrieb.

          Auf insgesamt 50 Seiten schildert die Kommission unter Leitung von Professor Tim Meyer, dem Chefarzt der Nationalmannschaft, einen minutiösen Plan, was wann, wie und wo zu tun ist. Sie schließt zwar eine „hundertprozentige Sicherheit“ aus für alle Beteiligten, glaubt aber, dass sie mit ihrem Konzept in drei Schritten ein „medizinisch vertretbares Risiko“ gewährleisten kann und sogar im Falle eines positiven Tests eines Spielers auf Covid-19 auf eine Quarantäne der Mannschaft verzichten kann: „Alle aufgeführten Maßnahmen führen zu einer erheblich verbesserten Sicherheit der beteiligten Personen vor einer Ansteckung und eliminieren weitestmöglich die beispielhaft im RKI-Dokument (Robert-Koch-Institut/d. Red.) genannten Konstellationen. Dies rechtfertigt nach Auffassung der Task Force eine Einstufung der potentiellen Kontaktpersonen von Infizierten aus dem Kreis der Spieler und Betreuer in die Kategorie II des RKI (geringeres Infektionsrisiko) und damit den Verzicht auf eine Gruppenquarantäne.“

          Die Spieler, Trainer und Betreuer werden auch nicht, wie kolportiert, kaserniert. Sie dürfen vor und nach den Spielen zu Hause leben. „Eine Kasernierung ist über viele Wochen nicht möglich“, sagte ein Manager eines Vereins der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „wir setzen neben den Maßnahmen auch auf die Disziplin aller Beteiligten. Sie wissen, um was es geht.“ Auch in anderen Unternehmen werde auf die Verantwortung der Mitarbeiter vertraut.

          Das Konzept der „Task Force“ stammt vom 15. April und bildet unter anderem die Grundlage für die Entscheidung der DFL, die Ligaspiele im Mai fortsetzen zu wollen. Dazu wird es am Donnerstag eine Schaltkonferenz des Verbandes geben.

          Die Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU), hatten zuvor von einem guten Konzept gesprochen und die Aufnahme von Geisterspielen im Mai in Aussicht gestellt. Der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier, ist von einer Wiederaufnahme der Spiele überzeugt: „Ich halte es grundsätzlich für vertretbar. Entscheiden tun nur die Länder, die sind zuständig. Klug ist es, beieinander zu bleiben, die Beurteilung durch Bundesgesundheitsministerium und das RKI wird eine Rolle spielen“, sagte Bouffier dem „F.A.Z.-Podcast für Deutschland“: „Alles, was ich gehört habe, lässt mich annehmen, dass sie zustimmen. Mein Eindruck ist, dass die meisten Ministerpräsidenten mitziehen.“

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