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Die Rückkehr der Geisterspiele : Schock für den Fußball

  • -Aktualisiert am

Wieder leere Ränge in den Fußballstadien Bild: dpa

Keine „Sonderrolle“ mehr: Die Bundesliga wird behandelt wie jede andere Großveranstaltung. Das ist bitter für den Fußball. Denn die Perspektiven sind sogar unklarer als vor einem Jahr.

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          Christian Seifert hat vor einigen Tagen eine interessante Beobachtung vorgetragen. Er habe „den Eindruck, dass Deutschland seine zu Beginn deutlich führende Rolle eingebüßt hat“, sagte der scheidende Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im Hinblick auf die massiven Zuschauerbeschränkungen in der Bundesliga, die ab der Rückrunde zu einem kompletten Verbot von Publikum ausgeweitet werden. Dem Fußball wird nicht mehr die viel zitierte und oftmals kritisierte „Sonderrolle“ zugestanden, die Bundesliga wird behandelt wie jede andere Großveranstaltung.

          Bundesliga

          Seifert hat zwar recht, wenn er daran erinnert, dass die Konzepte der vergangenen Monate gut funktioniert haben und Bundesligafußball vor Zuschauern in der Theorie auch mit der neuen Virusvariante Omikron möglich sein könnte, ohne zu einem Pandemietreiber zu werden. Aber die Bilder aus den Stadien von singenden und grölenden Massen haben keine gute Wirkung auf eine Nation, die sich wieder einmal für eine gemeinsame Kraftanstrengung zurücknehmen muss.

          Dem Fußball steht damit nun schon die dritte Phase der totalen Trostlosigkeit bevor, mit wirtschaftlichen, aber auch mit sportlichen Folgen. Schon auf dem winterlichen Transfermarkt, der am 1. Januar öffnet, werden sich die zu erwartenden Einbußen auswirken. Heimstarken Klubs wie Bochum, Köln, Dortmund oder dem FC St. Pauli, für die die Energien des Publikums nach Aussage verschiedener Beteiligter in der Hinrunde von elementarer Bedeutung waren, droht auch sportlich ein entscheidender Nachteil.

          Fußball nur im TV

          So vernünftig das Verbot von Publikum erscheint, für den Fußball ist es ein Schock. Die Freude, die hunderttausende Menschen im Spätsommer und Herbst nach eineinhalb Jahren Abstinenz am wieder möglichen Stadionerlebnis hatten, gehört schon jetzt einer vergangenen Phase dieser verdammten Pandemie an.

          Das Betrübliche ist, dass der Weg zur endgültigen Überwindung der wiederkehrenden Einschränkungen damit nach beinahe zwei Jahren immer noch in einem tiefen Dunkel liegt. Die Protagonisten des Publikumssports müssen sich darauf einstellen, bis zum Sommer wieder ausschließlich für sich selbst und die TV-Zuschauer anzutreten.

          Der Bundesliga steht eine Phase der Tristesse bevor, die noch bedrohlicher erscheint, als die Monate der komplett in leeren Stadien ausgetragenen Rückrunde der Vorsaison. Inzwischen gibt es Impfungen und Tests, die meisten Menschen tragen bereitwillig Masken, und dennoch erscheinen Geisterspiele unumgänglich. Wenn die Delta-Welle – wie von Experten angekündigt – sehr bald von einer Omikron-Wand abgelöst wird, sind die Perspektiven sogar unklarer als vor einem Jahr, als gerade die Zulassung erster Impfstoffe für Hoffnung sorgte.

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