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Bundesliga Home Challenge : Auch die Stars helfen nicht

Auch am Drücker: BVB-Profi Achraf Hakimi Bild: AFP

Nur ein schwacher Trost in der digitalen Arena: Der Auftakt der virtuellen Bundesliga ist trotz der Teilnahme zahlreicher Profis nur mäßig unterhaltsam. Das hat einen guten Grund.

          3 Min.

          In der ARD-„Sportschau“ lief am Samstagabend noch einmal das EM-Viertelfinale von 2016. Mehr als 1,8 Millionen Zuschauer sahen sich das aus der Konserve geholte Spiel zwischen der italienischen und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft noch einmal im Fernsehen an. Und das ungeachtet der Tatsache, dass man schon wusste, dass die DFB-Elf letztlich in einem epischen Elfmeterschießen mit insgesamt 18 Schützen und sieben Fehlschüssen siegen würde.

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          Den ersten Spieltag der aufgrund der Corona-Pandemie ins Leben gerufenen sogenannten „Bundesliga Home Challenge“ dürften an diesem Wochenende dagegen bedeutend weniger Menschen gesehen haben. Obwohl der virtuelle Bundesliga-Ersatz, bei dem Fußballprofis und „E-Sportler“ von insgesamt 26 Klubs aus erster und zweiter Liga an der Spielkonsole in der Fußball-Simulation „Fifa 20“ gegeneinander antraten, gleich von mehreren Streaming-Portalen wie „ran“, Sky oder DAZN live übertragen wurde.

          Auf dem Youtube-Kanal der von der Deutschen Fußball Liga gegründeten „Virtual Bundesliga“ etwa starteten am Samstag zur besten Bundesliga-Zeit um 15.30 Uhr lediglich 122.000 Menschen den Livestream, um sich virtuelle Begegnungen zwischen Mainz 05 und Borussia Dortmund, St. Pauli gegen Schalke oder dem 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart mit insgesamt vierzehn Toren anzuschauen. Auf Twitter sollen es immerhin mehr als 400.000 Nutzer gewesen sein, die allerdings auch teilweise nur kurz in die knapp fünf Stunden lange Übertragung hineinschauten. Am Sonntag traten dann unter anderem Klubs wie Werder Bremen, RB Leipzig sowie der Hamburger SV und Arminia Bielefeld aus der zweiten Liga an.

          Fehlende Emotionen, klinische Atmosphäre

          Ob ein auf dem heimischen Sofa sitzender Köln-Anhänger über das Tor des animierten Simon Terodde beim 5:3-Sieg über die Stuttgarter allerdings genauso gejubelt hat wie über einen Treffer des FC-Stürmers in einem echten Bundesliga-Spiel, darf bezweifelt werden. Zwar boten die via Webcam eingeblendeten Profis zwischenzeitlich durchaus echte Unterhaltung und einige Kuriositäten. Etwa als der Dortmunder Achraf Hakimi bei seinem Auftritt zunächst den Anstoß verpasste und schließlich mit seinem eigenen virtuellen Selbst einen Treffer erzielte. Oder als der Mainzer Daniel Brosinski im anschließenden Interview unumwunden zugab, doch „etwas nervös“ gewesen zu sein und sich Bundesliga-stilecht darüber ärgerte, dass sein Gegner aus einer Chance zwei Tore gemacht habe.

          Doch trotz äußerst realistisch anmutender Spielszenen, zum Geschehen passenden Fan-Gesängen und einem um Professionalität bemühten Live-Kommentar („Köln hat die Partie im Griff und spielt einen klaren Ball hinten raus“) bietet die „Bundesliga Home Challenge“ für viele Fußball-Fans – wenn überhaupt – wohl nur einen schwachen Trost in der bis auf weiteres spiel- und stadionfreien Zeit. Über fehlende echte Emotionen, eine klinisch anmutende Atmosphäre und eingeblendete Gaming-Profis, die einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind, kann eben auch die beste Animation nicht hinwegtäuschen.

          Dass am kommenden Wochenende trotzdem der zweite Spieltag dieser „Home Challenge“ ausgetragen wird, steht für die Deutsche Fußball Liga allerdings außer Frage – allein schon wegen der zunehmend größer werdenden Konkurrenz anderer Gaming-Events, die immer mehr Sportvereine und -Veranstalter aus dem Boden stampfen. So veranstaltet an diesem Montag nun auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegen Spanien ein vielbeworbenes „E-Freundschaftsspiel“ an der Konsole und bietet dafür neben DFB-Torhüter Bernd Leno auch U-21-Nationalspieler Nico Schlotterbeck, U-19-Nationalspielerin Vanessa Fudalla sowie den amtierenden „Fifa“-Gaming-Weltmeister Mohammed Arkous auf.

          Der DFB habe gemerkt, wie sehr der Fußball „uns allen derzeit als Unterhaltungsform fehlt“, erklärte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius in einer Pressemitteilung. Deswegen habe der Verband in der aktuellen Situation eine „wichtige Verantwortung“ und deswegen über den virtuellen Freundschaftskick hinaus auch noch das „#Weplayathome“-Charity-Turnier ins Leben gerufen, bei dem Hobby- und Profi-Gamer sowie Fußballprofis und Unterhaltungsstars für einen guten Zweck an der Konsole gegeneinander antreten werden. Der Zuspruch war groß. Das erste von insgesamt vier Qualifikationsturnieren für das Haupt-Event am 23. April war binnen weniger Stunden ausgebucht. In der digitalen Arena nur zum Zuschauen verdammt zu sein scheint vielen Gaming-Fans also nicht genug. Sie kicken lieber selbst. Egal ob mit echten Stars oder nicht.

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