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Der Sport und die Coronakrise : Lernen von Elfjährigen

  • -Aktualisiert am

Andere Ansätze? Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Bild: dpa

Sätze der Chefs vom FC Bayern oder Borussia Dortmund offenbaren eine Kühle angesichts der Sorgen vieler Menschen, die schaudern lässt. Der bezahlte Sport tut so, als sei seine Branche am schlimmsten betroffen in der Coronakrise.

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          Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, alles wirkt befreiend nach der langen Hallensaison, die Hockeymädchen trainieren am Freitag ausgelassen und emsig. Gleich aber wird der Ministerpräsident die vorläufige Schließung aller Schulen verkünden. Der kecke Vorschlag der Fünftklässlerin, nun könne man ja stattdessen jeden Tag trainieren, wird mit großer Begeisterung unterstützt.

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          Es wird nur nichts daraus, der Trainer erklärt, wie es nun weitergeht, oder besser, wie es nicht weitergeht. Die Turniere in Erlangen und Schweinfurt, denen auch wegen der Übernachtungen in Jugendherbergen mit großer Vorfreude entgegengefiebert wurde, sind abgesagt, das Training ist bis auf weiteres ausgesetzt. Und eine Elfjährige, noch mit knallroten Wangen von der letzten Übung, sagt den entscheidenden Satz: „Wenn das alles ausfällt, dann muss das wirklich schlimm sein mit dem Virus.“

          Es ist die einzige Botschaft, die der Sport in diesen Tagen, kraft seiner Bedeutung für die Gesellschaft, noch aussenden kann: „Wir stoppen auch ohne Symptome alle sozialen Kontakte, die nicht lebensnotwendig sind, auch wenn es uns unendlich schwerfällt, mit den liebgewonnenen Gewohnheiten zu brechen. Nehmt die Empfehlungen ernst, hört den Experten zu.“ Angesichts der plötzlichen Aussperrung Hunderttausender von ihren Trainingsplätzen ist das nun schlagartig an der Basis angekommen.

          Erschreckend genug, dass eine Elfjährige das schneller durchblickt als mancher Hüter des bezahlten Sports, der sich angesichts der weltweiten Coronakrise geriert, als sei seine Branche am schlimmsten betroffen, als stünden dort die wirtschaftlichen Folgen über allem.

          Sätze wie jene von Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge („Am Ende des Tages geht es auch im Profifußball um Finanzen“) oder des Dortmunder Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke („Das Präsidium der DFL hat eine Entscheidung getroffen, die es zu respektieren gilt – unabhängig davon, dass es sicher auch andere Ansätze gegeben hätte“) offenbaren eine Kühle angesichts der Sorgen vieler Menschen, die schaudern lässt: Geisterspiele aber hätten suggeriert, dass es bald schon weitergeht, dass alles halb so schlimm ist. Es soll sich aber niemand mehr ablenken lassen – nur wollen das manche Wortführer aus Eigeninteresse nicht wahrhaben. Und beides ist kinderleicht zu erkennen.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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