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Scharfe Kritik an Bundesliga : „Das ist überheblich und arrogant“

  • Aktualisiert am

Jubeln vor leeren Rängen so wie hier Mönchengladbachs Breel Embolo im März? Das gefällt längst nicht jedem in Deutschland. Bild: AFP

Die Pläne der Deutschen Fußball-Liga zur Fortsetzung der Bundesliga-Saison stoßen auf deutlichen Gegenwind. Die Stiftung Patientenschutz äußert sich mit harschen Worten. Dabei steht weiter eine zentrale Frage im Raum.

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          Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat Kritik an den Plänen der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur baldigen Austragung von Geisterspielen geäußert. „Es ist überheblich und arrogant, in welcher Art und Weise sich die Deutsche Fußball Liga die Priorität für Covid-19-Testungen sichern will. Angesichts des Leides der Corona-Krise ist das unanständig“, sagte Vorstand Eugen Brysch im Interview mit dem Online-Nachrichten-Angebot des ZDF.

          Demgegenüber hatte DFL-Boss Christian Seifert erst am Donnerstag wiederholt betont, keine Sonderrolle für den Fußball zu beanspruchen und die Entscheidung zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs den politischen Entscheidungsträgern zu überlassen. Auch hatte es in den vergangenen Tagen wiederholt Berichte gegeben, dass die Labore gar nicht ausgelastet sind. Die DFL hatte dazu eine Kooperationsvereinbarung mit insgesamt fünf Laborverbänden abgeschlossen, die versichert hatten, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten. Die DFL rechnet mit rund 20.000 Tests zur Durchführung der restlichen Spieltage.

          Forderung an die Politik

          Am 9. Mai könnte die Bundesliga nach fast zwei Monaten Corona-Auszeit ihre Saison fortsetzen. Dieses Datum hatten die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) am Montag ins Gespräch gebracht. „Solche Deals werden auch dann nicht besser, wenn sie den Segen des Bundesgesundheitsministers und einiger Ministerpräsidenten hätten“, ergänzte Brysch, der die Politik aufforderte, sich für „die systematische Testung der Risikopatienten, ihrer Angehörigen, der Pflegekräfte und Ärzte“ einzusetzen.

          Der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hat derweil ein Konzept des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zum Arbeitsschutz beim möglichen Wiederbeginn der Bundesliga tendenziell positiv bewertet. „Was dort drinsteht und was die Überlegungen angeht, das mit einer Quarantäne zu lösen: Das scheinen mir durchaus vernünftige Überlegungen zu sein“, sagte Schaade am Freitag.

          Die Zuständigkeit für die endgültige Bewertung der Pläne für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs sieht er nicht beim RKI. Es handele sich um ein Problem des Arbeitsschutzes. „Das sind Fußballprofis. Das ist deren Job, und insofern gibt es da ein Konzept, das von der Arbeitsschutzseite erstellt worden ist“, erklärte er.

          In dem Ministeriumsentwurf, über den zunächst der „Spiegel“ berichtet hatte, wird als eine Option eine Dauer-Quarantäne für alle am Spielbetrieb beteiligten Personen bis zum Ende der Saison vorgeschlagen. Die Isolation könne beispielsweise in ausreichend großen Hotels stattfinden. Zudem prüfe das Bundesarbeitsministerium auch einen Vorschlag, Profis zum Schutz gegen das Corona-Virus mit Gesichtsmasken spielen zu lassen, worüber auch die F.A.Z. berichtete. Das gehe aus dem Papier des Ministeriums als Reaktion auf das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hervor. Bei dem Papier handele es sich um einen ersten Entwurf auf Arbeitsebene, sagte ein Ministeriumssprecher.

          Demnach sollen Spieler und Schiedsrichter während der Partien einen Mund-Nasen-Schutz nach medizinischen Standards tragen. Diese dürften während des Spiels nicht verrutschen, ansonsten müsse das Spiel sofort unterbrochen werden. Alle 15 Minuten solle es zudem eine Unterbrechung geben, damit die Masken ausgetauscht werden könnten.

          Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums erklärte, man sei mit der DFL in Gesprächen zu arbeitsschutzrechtlichen Fragen bei einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs. „Uns geht es dabei darum, praktikable Lösungen zu finden, die auch auf breite Akzeptanz treffen.“ Die Entscheidung über eine Wiederaufnahme von Spielen werde aber nicht vom Bundesarbeitsministerium getroffen.

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