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Warnung von Jupp Heynckes : „Sonst endet alles in einer Katastrophe“

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„Das Coronavirus wird nicht das letzte Problem bleiben“: Jupp Heynckes macht sich Sorgen. Bild: dpa

Am Samstag wird Jupp Heynckes 75 Jahre alt. Der frühere Fußballtrainer spricht zuvor über sein Karriereende und seine Frau. Und er macht sich große Sorgen. Deswegen möchte er einen eindringlichen Appell loswerden.

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          Trainer-Legende Jupp Heynckes hat einen eindringlichen Appell an die Gesellschaft ausgesprochen. „Wenn wir so weitermachen, endet alles in einer Katastrophe“, sagte der ehemalige Erfolgscoach von Bayern München wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag an diesem Samstag dem „Kicker“. „Das Coronavirus wird nicht das letzte Problem bleiben, wir müssen unseren Lebensstil, der auf immer mehr Profit ausgerichtet ist, ändern“, forderte Heynckes.

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          Er empfinde deshalb „große Sympathien“ für die Fridays-for-Future-Bewegung. Manchmal denke er sich sogar, „eigentlich müsste ich bei einer Klimademonstration mitmarschieren. Missstände und Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen“, sagte der Weltmeister (1974) und Europameister (1972). Als Spieler wurde Heynckes mit Borussia Mönchengladbach zudem viermal deutscher Meister (1971, 1975 bis 1977) und gewann den Uefa-Cup (1975). Als Trainer führte er Real Madrid zum Champions-League-Triumph (1998) und bejubelte 2013 mit dem FC Bayern das Triple.

          Ein tolles Essen, ein Glas Wein mit Ehefrau Iris – „und dann lassen wir unsere Gedanken in die gemeinsame Vergangenheit schweifen“, erzählt Heynckes vor seinem Ehrentag. In Zeiten von Corona wird es ein sehr ruhiger Festtag für die Trainer-Legende, aber für Heynckes ist das okay. „Feiern im Kleinen passen mehr zu meinem Naturell“, sagt er.

          Heynckes war nie einer, der sich in den Vordergrund gedrängt hat – weder als erfolgreicher Profi bei Borussia Mönchengladbach und Weltmeister noch später als gefeierter Coach, der 2013 mit Bayern München das historische Triple gewann. Entsprechend genießt er auch sein Leben ohne Fußball auf seinem idyllischen Landsitz „Casa de los Gatos“ mit „sechs Flugenten und wunderbaren Fischen im Teich“ im niederrheinischen Schwalmtal.

          „Das wahre Leben ist, die Augen für die wirklich schönen Dinge offen zu haben“. Er sei mit sich „im Reinen und dankbar für dieses Leben“. Die Öffentlichkeit, sagt Heynckes mit Nachdruck, „brauche ich nicht. Da ist so vieles so oberflächlich“. Dass Heynckes 75 wird, hat ihn bei den ersten Interview-Anfragen selbst etwas erschreckt. „Allerdings fühle ich mich noch nicht so alt“. Er nehme immer noch „sehr aktiv am Leben teil“. Heynckes schwimmt viel, hält sich mit Gymnastik und „strammen Spaziergängen“ fit. Sein Alltag, betont er, sei ausgefüllt. Von wegen Ruhestand.

          Das waren noch Zeiten in Mönchengladbach: Trainer Hennes Weisweiler (links) und Heynckes.

          So holt er inzwischen viele Dinge nach, für die er in den Jahrzehnten im Fußball-Geschäft nur wenig Zeit hatte. Er reflektiere „schon viel“. Heynckes befasst sich etwa verstärkt mit politischen Themen oder mit der Klimaproblematik. „Missstände und Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen“, sagte er.

          Dies war auch als Trainer so. Heynckes war ein intaktes Umfeld immer besonders wichtig. Galt er zum Start seiner Karriere 1979 bei „seiner“ Borussia noch als überehrgeizig und stur, so entwickelte er sich gerade in den letzten Jahren bei Bayern München immer mehr zum väterlichen Freund seiner Profis – ohne dabei seine natürliche Autorität zu verlieren. Noch heute hält er Kontakt zu einigen Stars wie etwa Bastian Schweinsteiger.

          Eine besondere Beziehung verbindet Heynckes nach wie vor auch mit Uli Hoeneß. Der ist voll des Lobes über seinen langjährigen Freund. Heynckes sei „ein Vorbild an Einsatz, Willen und Menschlichkeit“, sagte Hoeneß, als Heynckes 2016 den Ehrenring der Stadt Mönchengladbach erhielt. Heynckes habe es vor allem geschafft, „alle Spieler und das komplette Team mit ins Boot zu nehmen“, schrieb Schweinsteiger in einem Geburtstagsbrief im Vereinsmagazin 51: „Ich kenne niemanden, der jemals schlecht über Dich gesprochen hat.“

          Heynckes, der in der Nachkriegszeit als neuntes von zwölf Kindern unter schwierigen Bedingungen aufwuchs, wusste schon früh, dass er so wie Ferenc Puskas werden wollte. Dabei entwickelte er nach eigener Aussage „wahnsinnigen Ehrgeiz“. Dass er stundenlang im Hinterhof jonglierte und Bälle gegen die Wand bolzte, sollte sich auszahlen.

          Nach den verschiedensten Erfolgen beendete Heynckes seine große Laufbahn, ehe er 2017 auf Bitten von Hoeneß zum vierten Mal die Bayern übernahm. Mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft trat er 2018 aber endgültig ab. Er wollte „nicht aus gesundheitlichen Gründen womöglich schwächeln oder gar aufgeben müssen“. Und außerdem hatte er es seiner Ehefrau versprochen, dass endgültig Schluss sei. Seiner Iris! „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Meine liebe Iris hat mich immer unterstützt und meine ganze Karriere mitgelebt“, betont Heynckes heute. Dabei sei es gerade nach Niederlagen nicht immer leicht mit ihm gewesen. „Da war ich nur damit beschäftigt und so wortkarg.“ Auch darüber können beide am Samstag bei einem Glas Wein noch einmal sinnieren.

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