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Neuer Hertha-Trainer überrascht : Die Berliner Vernunftehe mit Bruno Labbadia

  • -Aktualisiert am

Der neue Mann in Berlin: Bruno Labbadia Bild: AFP

Dass Bruno Labbadia und die Hertha nun doch zusammenarbeiten, hängt mehr mit der Situation rund um die Corona-Krise zusammen als mit dem gestiegenen Marktwert des Trainers. Zu Beginn gibt es gleich ein Ausrufezeichen.

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          Der graue Himmel und der kühle Wind wollten so rein gar nicht zu der Jahreszeit passen, die Michael Preetz da versuchte heraufzubeschwören. Gefühlt sei das nun mal eine vorgezogene Sommerpause, in der sich Hertha BSC und alle anderen Fußballklubs in Deutschland und Europa gerade wegen der Corona-Pandemie befinden. Seit vier Wochen ruht der Spielbetrieb, eine Unterbrechung dieser Größenordnung gibt es sonst nur in den Monaten zwischen den Spielzeiten.

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          Deshalb sei es nur folgerichtig, dass man sich entschieden habe, die eigentlich für den Sommer geplante Neubesetzung des Trainerpostens jetzt zu vollziehen, sprach Preetz bei der Vorstellung des neuen Übungsleiters Bruno Labbadia. Mehr Zeit als jetzt werde es in diesem Kalenderjahr vermutlich nicht mehr geben, um sich an eine Mannschaft zu gewöhnen. Diese Deutungsweise war der Versuch des Managers, den jüngsten Personalwechsel beim Berliner Bundesligaklub zu rechtfertigen. Rein faktisch ist längst nicht Sommerpause, es läuft noch immer die Spielzeit 2019/2020 und in der ist Labbadia nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri schon der vierte Trainer, der sich an Herthas Mannschaft versuchen darf.

          Labbadia, der in weißem Hemd und feinem Sakko zu seiner ersten Pressekonferenz vor einigen wenigen Berliner Journalisten erschien, ließ sich von der hohen Fluktuation bei seinem neuen Arbeitgeber nicht abschrecken. Warum auch? Es ist ja nicht so, als würde er, der mehr als dreißig Jahre lang in der Bundesliga als Spieler und Trainer aktiv ist, so eine Situation nicht kennen. Beim Hamburger SV übernahm Labbadia in der Saison 2014/15 ebenfalls als vierter Trainer und schaffte am Ende den Klassenverbleib. Nichts anderes wird nun vom ihm in Berlin verlangt. Zumindest vorerst. Bei nur sechs Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz befindet sich Hertha in Abstiegsgefahr. Neun Spiele stehen derzeit noch aus. Das Image des Retters in der Not, das sich der 54-Jährige bei seinen Stationen in Hamburg, Stuttgart und Wolfsburg erworben hatte, wollte Michael Preetz nicht bedienen. Der Hertha-Manager pries seine Verpflichtung als Trainer, „der Mannschaften entwickeln und Potentiale heben kann“.

          224 Millionen vom Investor

          Dass Hertha über Potential verfügt, darüber lässt sich auch über die Berliner Stadtgrenze hinaus nicht streiten. Im Laufe des vergangenen Jahres erwarb Investor Lars Windhorst über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor Holding 49,9 Prozent der Anteile an Herthas Profiabteilung. Dafür überwies er dem Klub 224 Millionen Euro. Viel Geld für einen Bundesligaverein aus dem mittleren Segment. Windhorsts Millionen erlaubten Hertha in der Winterpause eine umfassende Einkaufstour, rund 80 Millionen Euro gaben die Berliner für neues Personal aus. Kein Verein investierte weltweit mehr in diesem Zeitraum. Die hohen Ausgaben stehen für die Ambitionen, die man in Berlin hegt. Windhorst sprach gleich nach seinem Einstieg von der Motivation, Hertha zu einem „Big City Club“ werden lassen zu wollen nach dem Vorbild von Real Madrid oder dem FC Chelsea. Da passte es nur, wenn Jürgen Klinsmann als Trainer von Champions League und Meisterschaften fabulierte, obwohl seine Mannschaft der Abstiegszone entgegen dilettierte. Manager Michael Preetz hatte bei all den markigen Worten des neuen Geschäftspartners seine liebe Mühe, die Erwartungen zu bremsen, aber auch er räumte ein, dass der Blick Richtung Europa gehen soll und gehen muss.

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