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Umstrittene Stadion-Rückkehr : Fans und die Angst um Privilegien

  • -Aktualisiert am

Ohne Zuschauer ist es nicht dasselbe: Bundesligaklubs und Fans sehnen sich ein Ende der Geisterspiele herbei (Symbolbild). Bild: dpa

Wann dürfen wie viele Zuschauer zurück in die Bundesliga-Stadien? Einige wollen eine Rückkehr nach dem Motto „Alle oder keiner“. Womöglich werden die Fans von den Stehplätzen aber gar nicht so fehlen, wie sie selbst glauben.

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          Auf den ersten Blick wirkt die neueste Forderung einiger aktiver Fans paradox. Als die Fußball-Bundesliga den Spielbetrieb nach der Corona-Pause wiederaufnahm, protestierten sie gegen die Spiele in leeren Stadien. Nun arbeiten die Klubs an Konzepten zur Rückkehr zumindest einiger tausend Zuschauer pro Partie – und immer mehr Anhänger stellen sich wieder quer.

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          „Alle oder keiner“ heißt ihre Parole. Das Dortmunder Fanzine „schwatzgelb.de“ zeichnet ein düsteres Bild von einer Saison mit „personalisierten Eintrittskarten und 3D-Sensoren zur Überwachung des Abstandes auf den Tribünen“, „der feuchte Traum eines jeden Einsatzleiters der örtlichen Polizeibehörden“. Der Schalker Fanklub-Verband fürchtet „möglicherweise ebenfalls reglementierten Toilettengang“, die „Rote Kurve“ aus Hannover warnt vor einem „Minusgeschäft für den Verein, wenn das Stadion nur teilweise gefüllt wird“. An Dutzenden Standorten haben organisierte Fans ihr Fernbleiben angekündigt, bis die Stadien wieder komplett gefüllt werden.

          Das intensive Gefühl, in der Enge der Stehplätze Teil einer singenden, schimpfenden oder vor Freude explodierenden Masse zu sein, ist für sie so elementar, dass sie lieber auf das Live-Erlebnis verzichten, als sich einem strengen Hygienekonzept zu unterwerfen. Die gemeinsame Anreise in Zügen und Bussen, Smalltalk im Gedränge am Wurststand, Alkohol, all das wird es nicht geben können in den kommenden Monaten.

          Es ist nachvollziehbar, dass viele da nicht mitmachen möchten. Doch dem „Alle oder keiner“-Gedanken liegt ein Gefühl des Unbehagens zugrunde, dass andere Zuschauer sich einfach an niveauvollem, vielleicht sogar spektakulärem Fußball erfreuen wollen. Angepasste Zuschauer, die sich diszipliniert an Regeln halten, können offensichtlich beängstigend wirken. Warum?

          Es gibt die Sorge, dass am Ende einer Ligaphase mit gezähmtem Publikum Freiheiten auf der Strecke bleiben. Womöglich werden Fans von den Stehplätzen gar nicht so sehr fehlen, wie sie selbst glauben. Vielleicht sind personalisierte Tickets und Überwachungstechniken, die für die Corona-Bekämpfung sinnvoll sein können, nach der Pandemie fest etabliert. Was passiert mit den Dauerkartenabos, die nun nicht in Anspruch genommen werden?

          Viele organisierte Fans haben Angst um Privilegien, die immer auch ein Zeichen der Wertschätzung der Klubs waren. Den Anhängern in den Kurven wurden Freiräume gewährt: recht günstige Tickets, eigene Räume in den Stadien, sogar gelegentliche Aktionen mit Pyrotechnik. Dafür schufen sie eine Stimmung, um die die Bundesliga zu Recht von der ganzen Fußballwelt beneidet wird.

          Klubs und Deutsche Fußball-Liga könnten die Lage beruhigen, wenn sie dem harten Kern ihres Stehplatzpublikums zusicherten, nach der Pandemie zu gewohnten Zuständen zurückzukehren. Bestimmt wittert mancher Funktionär aber auch die Chance, einen Teil der unliebsamen Leute loszuwerden, die sich anders verhalten als kauffreudige Kunden mit nagelneuem Mund-Nasen-Schutz aus dem Fanshop, die die Kulissen in der nächsten Saison prägen könnten.

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