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Fußball trotz Corona-Krise : Anpfiff für die Bundesliga durch die Politik

Bald kann der Ball in den Fußball-Bundesligen wieder rollen. Bild: dpa

Diese Bundesliga-Saison kann mit Geisterspielen doch noch zu einem glimpflichen Ende gebracht werden. Vorausgesetzt, das Hygienekonzept wird befolgt. Das Comeback des Fußballs war bis zur letzten Minute eine schwierige Geburt.

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          Falls es jemand vergessen haben sollte: Am Samstag der kommenden Woche wäre die 57. Spielzeit der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Ein Satz im Irrealis. Aber dennoch eine Wirklichkeitsform, die auch im Fußball längst zur neuen Corona-Realität geworden ist. Denn was eigentlich das Ende hätte sein sollen, wird nun, offiziell und mit dem Segen der Bundeskanzlerin und der sechzehn Ministerpräsidenten, zu einem neuen Anfang für den Profifußball: In der zweiten Mai-Hälfte darf die Fußball-Bundesliga nach einstimmigem Beschluss dort weitermachen, wo sie dann vor über zwei Monaten, am 8. März, mit dem 25. Spieltag aufgehört hat. Oder, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch auf der Pressekonferenz nach den politischen Beratungen ganz nüchtern ausdrückte: „Der Spielbetrieb wird unter den genehmigten Regeln erlaubt.“

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          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Das Comeback des Fußballs war bis zur letzten Minute eine schwierige Geburt. Die Politik konnte sich in ihren Verhandlungen am Mittwoch zwar auf die Startfreigabe verständigen, nicht aber auf einen konkreten Starttermin. Diese Entscheidung verwies die politische Runde an die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die nun an diesem Donnerstag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ihrer 36 Profiklubs ihren Comeback-Termin selbst festlegen kann. Die DFL hatte in ihrem Konzept schon einen Start für das Wochenende 15./16. Mai ins Auge gefasst, was sich aus Sicht des Profifußballs mit der vagen Formulierung von der zweiten Mai-Hälfte in Einklang bringen ließe.

          So, wie es aussieht, könnte die Bundesliga dann am Freitag kommender Woche mit der Partie Fortuna Düsseldorf gegen den SC Paderborn ihren neuen Anfang machen. Auch die zweite Bundesliga hat die grundsätzliche Freigabe. „Die Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die Zweite Bundesliga“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. „Sie ist verbunden mit einer großen Verantwortung für die Klubs und ihre Angestellten, die medizinischen und organisatorischen Vorgaben diszipliniert umzusetzen.“

          Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach von einer „vernünftigen Einigung“ in der Fußballfrage. „Wir wissen auch, dass das sehr kontrovers ist. Aber ich halte den Kompromiss für mehr als vertretbar. Ich kann aber nur an eines appellieren: Ich weiß, dass die Verantwortlichen in den Bundesliga-Vereinen alles tun werden, um Sicherheit zu erreichen. Aber es sollten die Spieler, die sich fehlverhalten, auch mit Konsequenzen rechnen müssen.“ Das Verhalten eines Spielers von Hertha BSC in dieser Woche sei ein „schweres Eigentor“ mit Blick auf das Bemühen der Klubs gewesen, die Hygieneregeln einzuhalten, so Söder. Der Ministerpräsident spielte auf das Live-Video von Salomon Kalou an, auf dem zahlreiche Verstöße gegen die von der Liga selbsterstellten Richtlinien zu sehen waren. „Es haben sich nicht nur normale Menschen an Hygienemaßnahmen zu halten, sondern auch diejenigen, die sehr viel verdienen und ein Privileg haben.“

          Am grundsätzlichen Einverständnis der Politik, den Profifußball in Deutschland wieder zuzulassen, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwochvormittag wenig Zweifel zulassen wollen. „Wichtig ist, dem Profisport insgesamt eine Perspektive zu geben“, sagte Spahn im ZDF. „Es gibt sehr gut ausgearbeitete Konzepte, wenn die gelebt und umgesetzt werden, kann man mit einem solchen Kontaktsport wieder starten.“ Zudem fragten sich viele Millionen Fans, wann es wieder losgehen könne.

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