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Bayern-Profi Davies warnt : „Das wäre eine Katastrophe“

  • Aktualisiert am

Klare Meinung: Bayern-Profi Alphonso Davies Bild: AP

Mit eindringlichen Worten hat sich Alphonso Davies vom FC Bayern München zu Wort gemeldet. Der Fußball-Star spielt dabei auch auf seine eigene Vergangenheit an: in einem Flüchtlingslager in Ghana.

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          Alphonso Davies hat seine Wurzeln nicht vergessen. „Es wäre eine Katastrophe“, sagt der Shootingstar von Bayern München, sollte sich das Coronavirus in einem der vielen Flüchtlingscamps ausbreiten. Davies weiß, wovon er spricht: Der Sohn liberianischer Eltern kam in einem solchen Lager in Ghana zur Welt. Erst als Fünfjähriger zog er mit seiner Familie nach Kanada, wo sein Aufstieg zum umschwärmten Fußballstar begann.

          Ermöglicht hatte ihm diesen Schritt damals das Flüchtlingshilfswerk der Uno (UNHCR), für das Davies am vergangenen Samstag virtuell kickte. Das Konsolen-Duell mit Torwart Asmir Begovic (AC Mailand), der als kleiner Junge aus Bosnien nach Deutschland geflohen war, habe „wirklich Spaß gemacht“, berichtet Davies, „obwohl er mehr Spiele gewonnen hat“. Doch es ging ohnehin um etwas anderes als Zeitvertreib.

          Sie wollten auf das Schicksal der weltweit 70 Millionen Flüchtlinge aufmerksam machen, sagt Davies in einem Videogespräch am Dienstag: „Wir wollten Geld sammeln, um ihnen zu helfen, Wasser und Essen zu organisieren.“ Das UNHCR habe vor Jahren ihn unterstützt, jetzt sei es an der Zeit gewesen, etwas zurückzugeben. „Ich wollte dafür meine Reichweite nutzen.“ Und die ist beträchtlich. Davies trifft mit seiner unbekümmerten, sympathischen Art über Social Media den Nerv von Millionen. Er bringt die Fans mit seiner Imitation der Backstreet Boys zum Lachen, genau wie mit verzweifelten Versuchen, das Wort „Schiedsrichter“ unfallfrei auszusprechen.

          Nach der Karriere könne er sich einen Wechsel ins Schauspielfach vorstellen, sagt er, „ich liebe es zu unterhalten“. Als ihm ein Reporter bei einem Videogespräch spontan eine Gastrolle in einer Sendung seines Senders anbietet, meint er schlicht: „Warum nicht, klar!“ Der Reporter solle sich irgendwann wieder melden, meint Davies.

          Noch aber hat er auf dem Platz genug vor. Der kanadische Nationalspieler hat seinen Vertrag gerade bis Sommer 2025 verlängert. „Alphonso ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken“, sagte Sportchef Hasan Salihamidzic über den Youngster, den er selbst für den Klub gewann, „er ist von 0 auf 100 durchgestartet“.

          Davies selbst meint, er sei „stolz“ auf das Erreichte, sein märchenhafter Aufstieg sei aber nur innerhalb dieses fantastischen Teams möglich gewesen. Allem Anschein nach ist er dabei, ganz nach dem Wunsch von Mutter Victoria, er selbst geblieben. Die Frau Mama entließ ihn einst nur nach München, nachdem er versprochen hatte, stets ein „good boy“ zu sein.

          Ist er das? „Ich denke, ja“, sagt Davies und lächelt verschmitzt. Seine Mutter habe ihn vor Ärger bewahren wollen, „sie hat mir Werte mitgegeben wie etwa jeden zu respektieren, den ich kennenlerne – egal, was kommt“. Das klingt sehr erwachsen, und Davies sagt, er sei „gerne“ Vorbild für Millionen Kinder. Doch er hat auch Seiten, die an einen ganz normalen 19-Jährigen erinnern. In seiner Freizeit zocke er Videospiele oder schaue Cartoons „wie jeder Teenager“, sagt er. Und sonst? Hauptsächlich lerne er Deutsch: „Mein Lehrer sagt, ich mache gute Fortschritte.“ Auch auf Bayerisch? „I bin‘s, da Phonzie“, sagt Davies und lacht.

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