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Bayer Leverkusen und Corona : Ohne Risiko und Nebenwirkungen

Geld für den Fußball: die Bayer AG Bild: AFP

Verluste, die die Fußballtochter der Bayer AG macht, übernimmt der Mutterkonzern – das gibt dem Verein in Zeiten wie diesen große Sicherheit. Doch das gefällt längst nicht jedem in der Bundesliga.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Auf den ersten Blick sehen die Ergebnisse der Arbeit von Simon Rolfes als Sportdirektor von Bayer Leverkusen eher bescheiden aus. Seit fast eineinhalb Jahren arbeitet der ehemalige Kapitän nun in der Transferzentrale des rheinischen Fußball-Bundesligavereins, und in dieser langen Zeit hat er lediglich zwei Verträge mit Profis der hochklassigen Mannschaft von Trainer Peter Bosz verlängert. Die in Leverkusen fest etablierte Tradition, Kontrakte mit wichtigen Profis spätestens eineinhalb Jahre vor ihrem Ablauf zu erneuern, hat Rolfes also nicht fortgesetzt. Das könnte sich nun allerdings als hübscher Vorteil entpuppen.

          Weil die Klubs auf der ganzen Welt mit deutlichen Umsatzeinbußen kalkulieren, gehen alle Experten davon aus, dass die Gehälter für neue Verträge erst mal deutlich sinken werden. Das dürfte die Position der Leverkusener in den Gesprächen mit Spielern wie Karim Bellarabi, Wendell, den Bender-Brüdern oder Kevin Volland, die nur bis Sommer 2021 an Bayer 04 gebunden sind, eher verbessern als verschlechtern. Zumal andere große Ligen erheblich dramatischere Einbrüche erwarten als der deutsche Klubfußball. „Kommt weniger rein, wird weniger ausgegeben. Das ist eine einfache Rechnung“, erläutert Geschäftsführer Rudi Völler unlängst in einem Interview mit der „Rheinischen Post“.

          Dem Vernehmen nach steht die schon lange angestrebte Vertragsverlängerung von Charles Aránguiz aber kurz bevor. Der Chilene liebäugelte lange mit einer Rückkehr nach Südamerika, wohl auch aus familiären Gründen. Nun hat er sich offenbar doch für einen Verbleib im relativ krisenfesten Deutschland entschieden. Sogar Kai Havertz könnte seinen fest einkalkulierten Sommerwechsel aufgrund des gelähmten Transfermarktes um ein Jahr verschieben, Völler geht jedenfalls davon aus, dass es erst mal „etwas ruhiger“ auf den Märkten zugehen wird.

          Landung statt Abflug: Charles Aránguiz (links) bleibt aufgrund der veränderten Situation lieber in Leverkusen.
          Landung statt Abflug: Charles Aránguiz (links) bleibt aufgrund der veränderten Situation lieber in Leverkusen. : Bild: Jan Huebner

          Diese Entwicklung ist aber nur ein Grund für die Annahme, dass Bayer Leverkusen gute Chancen hat, zu einem Gewinner der Ausnahmesituation zu werden. Zwar sagt Trainer Bosz, dass Spiele ohne Publikum „nicht wie Fußball aussehen“ und räumt offen ein: „Das ist nur eine Geldsache, wenn wir Geisterspiele machen.“ Aber diese Geldsache würde für Bayer Leverkusen vergleichsweise günstig verlaufen. Denn der Anteil der Spieltagseinnahmen aus Catering, Ticket- und Bierverkauf, die definitiv wegbrechen, ist bei einem Schnitt von 27000 Besuchern im laufenden Spieljahr erheblich kleiner als bei den meisten Konkurrenten. Und der Heimvorteil, von dem Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach aufgrund ihrer großen Stadien und der leidenschaftlichen Fans profitieren, ist in Leverkusen nicht so ausgeprägt. Bayer ist auf fremden Plätzen derzeit fast genauso erfolgreich wie vor eigenem Publikum. Der Gladbacher Angreifer Patrick Herrmann nimmt an, dass „der Heimvorteil einen weniger großen Einfluss“ haben wird, wenn die Liga ihre Saison in leeren Arenen fortsetzt. Andere werden unter diesen Umständen mehr leiden als die Leverkusener, die derzeit auch noch von ihrem Unternehmenskonstrukt profitieren.

          Verluste, die die Fußballtochter der Bayer AG macht, übernimmt vereinbarungsgemäß der Mutterkonzern, was im ganzen Verein gerade jetzt ein Gefühl großer Sicherheit vermittelt. In guten Jahren werden im Gegenzug Gewinne abgeführt. Und selbst die Zuwendungen der Bayer AG von offiziell 25 Millionen Euro pro Saison sind flexibel einsetzbar: Über drei Jahre verfügt die Sportliche Leitung um Völler und Sportdirektor Rolfes je nach Bedarf über 75 Millionen. Aus manchen anderen Klubs ist schon ein Murren über dieses günstige Konstrukt zu vernehmen, das nicht nur in der Krisenphase, sondern auch in den Folgejahren zu einem kostbaren Wettbewerbsvorteil werden könnte. Schließlich hat Bayer Leverkusen Teile der durch einen Verkauf von Havertz zu erwartenden Einnahmen bereits reinvestiert – ohne dabei ein großes Risiko eingegangen zu sein.

          Für Kerem Demirbay flossen im vorigen Sommer 32 Millionen Euro nach Hoffenheim, im Winter wurden für Exequiel Palacios und den bislang brillant spielende Edmond Tapsoba weitere 40 Millionen Euro investiert. Wenn das nun zu roten Zahlen in der Bilanz führte, weil Havertz noch bliebe: Kein Problem, die Bayer AG würde einspringen. Und nicht zuletzt sind die Perspektiven im laufenden Jahr wunderbar. „Wir hatten einen super Lauf“, sagt Trainer Bosz, „nach der Winterpause haben wir fast alles gewonnen, nur einmal verloren, einmal unentschieden gespielt.“ Bayer hat das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht, wo ein Duell mit dem 1. FC Saarbrücken bevorstehen würde, und steht im Viertelfinale der Europa League. Dort ist sogar ein internationaler Titel möglich. Und natürlich hoffen sie, dass es in der Bundesliga weitergeht. Denn während solch einer Erfolgssaison einfach abgewürgt zu werden, ist bei allen denkbaren Vorteilen eine Erfahrung, auf die sie gerne verzichten würden in Leverkusen.

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