https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/corona-alltag-in-deutschland-mit-vollen-fussball-stadien-17639311.html

Fußball und Corona-Regeln : Absurder Alltag

Beim Berliner Derby zwischen Union und Hertha am Samstag gibt es ein volles Stadion. Bild: dpa

Hat der Profifußball den Schuss nicht gehört? So einfach ist es nicht. Zu Beginn des zweiten Corona-Winters geht es in den Stadien zu wie überall im Land: Alles ist möglich – und kaum einer blickt durch.

          2 Min.

          In den kommenden Tagen finden in Berlin zwei Gipfeltreffen statt. An diesem Donnerstag ist wieder die Ministerpräsidentenkonferenz im Einsatz, vornehmlich virtuell. Die Politik sucht händeringend nach einer geeigneten Strategie in der Pandemie, die außer Kontrolle zu geraten droht. Zwei Tage später steigt in der Hauptstadt das Topspiel der Bundesliga: Union gegen Hertha BSC am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky). Eine ganz reale Begegnung – vor voller Hütte.

          Bundesliga

          Kaum zu glauben, aber wahr: Das Stadion darf, ungeachtet dramatisch steigender Corona-Fallzahlen, erstmals seit Beginn der Pandemie wieder maximal gefüllt sein. 22.012 Zuschauer. Der Berliner Senat hat’s erlaubt. Es gilt die 2-G-Regel, und alle Fans müssen Masken tragen. „Ein bisschen komisch“ findet das alles Hertha-Verteidiger Niklas Stark. Aber nicht nur er.

          In Berlin ist die Vollauslastung des Stadions gewünscht und genehmigt – und nebenan droht in den Kliniken die Überlastung der Intensivstationen. Auch im Berliner Robert Koch-Institut, das in der Vorwoche empfohlen hat, Großveranstaltungen abzusagen, wird man mit Gänsehaut auf das Derby blicken, allerdings nur aus medizinischer Sicht. In den Niederlanden hat die Regierung in dieser Woche die Rückkehr der Geisterspiele im Teil-Lockdown schon beschlossen. Das ist wiederum für den deutschen Profifußball das große Schreckensszenario.

          Es wäre allerdings ein bisschen einfach, wenn man bloß sagte, dass der Profifußball in der dritten Corona-Saison den Schuss nicht gehört habe, auch wenn das an der Alten Försterei so ist. Doch viele Klubs arbeiten seit Wochen und Monaten immer wieder intensiv an entsprechenden und sich ständig verändernden Konzepten, ob nun 3 G, 2 G, 3 G+. Jetzt kommt auch 2 G+ ins Spiel. Vielmehr geht es in den Stadien zu wie überall im Land: Alles ist möglich, dort sogar schon Blöcke für Geimpfte und Ungeimpfte – und trotzdem blickt kaum einer mehr durch.

          Absurditäten gehören mittlerweile zum Alltag, eben auch im Profifußball. Dass alle Fans geimpft oder genesen sein müssen, um ungeimpften Spielern bei der Arbeit zuschauen zu dürfen, hat mit dem Fall Kimmich im ganzen Land für Kopfschütteln gesorgt. Und nun muss sich der von Corona-Infektionen immer stärker betroffene FC Bayern nach den neuen Corona-Regeln in Bayern auch fragen, ob seine ungeimpften Stars vor dem Auswärtsspiel überhaupt noch ins Hotel dürfen.

          Zum Übernachten, so heißt es jetzt, dürfen sie. Da greift die Ausnahmeregelung: unaufschiebbarer Beherbergungsaufenthalt. Aber bloß für eine Mannschaftssitzung ins Hotel kommen, das geht nicht. Da gilt dann wieder 2 G. Aber morgen kann alles schon wieder anders sein. Vor dem zweiten Corona-Winter ist nur eines klar: Die Begegnung mit der Ungewissheit hat gerade erst begonnen.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Weitere Themen

          DVV-Frauen starten mit Sieg

          Volleyball-WM : DVV-Frauen starten mit Sieg

          Die deutschen Volleyballerinnen können sich beim ersten Spiel der Weltmeisterschaft gegen Bulgarien durchsetzen. Kapitänin Janiska sieht dennoch Verbesserungspotential.

          Topmeldungen

          Droht dem Westen: Der russische Präsident Wladimir Putin am 21. September 2022

          Putins neue Drohungen : Szenarien für den nuklearen Ernstfall

          Putin hat schon früher mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Diesmal sagt er, er bluffe nicht. Washington hat dafür Szenarien ausgearbeitet und Moskau gewarnt.
          Sozial gefördertes Gesundheitsrisiko: Ohne Alkohol sind Volksfeste wie hier im bayerischen Straubing nicht zu denken.

          Erhöhtes Krebsrisiko : Jedes Glas ein Glas zu viel

          Forscher warnen, dass der Alkoholkonsum in Deutschland zu nachlässig gehandhabt wird. Knapp 150.000 Krebsfälle könnten demnach durch eine Preissteigerung verhindert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.