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Borussia Mönchengladbach : Christoph Kramer ist Abräumer und Regisseur

  • -Aktualisiert am

Gibt die Richtung vor: Christoph Kramer im Spiel gegen Leipzig Bild: picture alliance / Chai von der Laage

Christoph Kramer führt sein Team in neuer Rolle zu einem 3:0-Sieg über Leipzig. Doch auch ein anderer Borusse ist on fire. Die Sachsen hingegen verzetteln sich in ausweglosem Sackgassenfußball.

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          Daniel Farke hatte da so eine Idee. Also fragte er seinen bewährten Abräumer und Aufräumer Christoph Kramer, wann er denn zuletzt „auf der 10“, also der Regisseursposition, Akzente gesetzt habe. Der 31 Jahre alte omnipräsente Profi von Borussia Mönchengladbach musste nicht lang nachdenken, um seinem Trainer zu antworten: im WM-Finale 2014, das Deutschland in Rio de Janeiro gegen Argentinien 1:0 gewann. Daran aber konnte sich der eher in der Defensive verankerte Kramer erst mit zeitlicher Verzögerung erinnern, weil er damals schon nach einer guten halben Stunde wegen einer Gehirnerschütterung den Platz verlassen musste.

          Der Weltmeister, der seinen Kopf für Deutschland hingehalten hat und für die Borussia am Samstagabend sein 250. Pflichtspiel bestritt, prägte und koordinierte beim überraschend deutlichen 3:0-Erfolg über die im Borussia Park erstaunlich desorientierten Rivalen von RB Leipzig seinen ersten Einsatz als Zehner seit mehr als acht Jahren mit einer koordinativen Selbstverständlichkeit, die ihn als einen besonders klugen und positiven Mannschaftsspieler in der Bundesliga seit Langem auszeichnet.

          Bundesliga

          Halbe Sachen gibt es für diesen Profi nicht, und deshalb leistete er ganze Arbeit in diesem bisher besten Saisonspiel der in die Spitzengruppe aufgerückten „Elf vom Niederrhein“. Farkes Schachzug ging auf. Er fand die für diesen Gegner ideale Mittelfeldbesetzung mit Julian Weigl als Sechser, Kouadio Koné als Achter und eben Kramer als offensivstem Mittelfeldspieler.

          „Er hat es phänomenal gemacht“

          Eine Woche nachdem der Rheinländer wegen der langwierigen Verletzung des japanischen Abwehrchefs Ko Itakura als Innenverteidiger beim 0:0 in Freiburg dringend gebraucht wurde, interpretierte er den großen Schritt nach vorn als Pressingcheforganisator und erster Zweikämpfer hinter den drei Sturmspitzen Jonas Hofmann, Marcus Thuram und Lars Stindl mit der allergrößten Selbstverständlichkeit.

          „Er hat es phänomenal gemacht“, lobte ihn Jonas Hofmann, auch ein Mann des Tages beim noch viel zu knapp ausgefallenen Triumph über die nach einer englischen Woche mit Ligaspielen gegen Dortmund (3:0) und Mönchengladbach sowie dem Champions-League-Auftritt bei Titelverteidiger Real Madrid (0:2) sichtlich erschöpften Sachsen. Hofmann pries seinen Kollegen Kramer in den höchsten Tönen: „Chris war phantastisch heute!“ Warum? „Wir wollten seine Spielintelligenz und Klasse nutzen.“

          Hofmann trifft zweimal

          Das gelang den drei Angreifern bestens. Dem umtriebigen Rechtsaußen Hofmann vorneweg, der in den kommenden Tagen bei der Nationalmannschaft in den Nations-League-Begegnungen gegen Ungarn und in England gebraucht wird. Der Badener war gegen Leipzig von Beginn an on fire, schoss das 1:0 (10. Minute) und 2:0 (35.) und hätte nach dem Wechsel, wie er selbstkritisch einräumte, „noch zwei Tore mehr schießen müssen“.

          Bundesliga

          Hofmann profitierte von der diesmal nicht belohnten Torgefährlichkeit und Vorbereiterqualität seines zentralen Angriffspartners Marcus Thuram, der die zahlreichen Gladbacher Konterattacken oft genug selbstlos einleitete. Auch den manchmal grüblerischen und an seiner Torjägerqualität zweifelnden Franzosen hatte Farke in einem seiner vielen Gespräche Anfang der Woche auf Touren gebracht.

          „Ich habe ihm gesagt, mach dir nicht so viele Gedanken, arbeite für die Mannschaft, sei gut im Spiel, die Tore kommen dann automatisch“, berichtete der ostwestfälische Fußballlehrer, der zuerst in der Premier League bei Norwich City und nun in der Bundesliga von sich reden macht, über ein Gespräch mit dem Sohn des Weltmeisters von 1998, Lilian Thuram.

          Am Ende waren alle Gladbacher nach diesem, wie Farke sagt, „Leuchtturmspiel“ glücklich über einen verheißungsvoll anmutenden Auftritt. Die diesmal schlappen Leipziger dagegen, seit rund einer Woche angeleitet vom ehemaligen Gladbacher Trainer Marco Rose, spielten nach einem schwungvollen 3:0 über Borussia Dortmund und einem sehenswerten 0:2 gegen Real Madrid in der Champions League am Samstag einen ausweglosen Sackgassenfußball, der einiges über die an schwächeren Tagen kollektiven Defizite des mit acht Punkten schlecht wie noch nie in die Bundesliga-Saison gestarteten Tabellenvierten der vorigen Spielzeit verriet.

          Yussuf Poulsen, der nach langer Verletzungszeit behutsam in die Mannschaft integriert wird und am Samstag als eingewechselter Stürmer noch nicht die Kraft hatte, die Kontur des RB-Auftritts zu verändern, war danach um deutliche Worte nicht verlegen: „Wir helfen einander nicht, lassen jeder den anderen im Stich. Wir verlassen uns zu sehr darauf, dass der Einzelne die Situation lösen kann.“ Mit dieser Haltung mutete die Mannschaft von vornherein hoffnungslos verloren an.

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