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Christoph Daum : Bei Anruf fort

„Ich bin weg” Bild: dpa

Trainer Christoph Daum verlässt den 1. FC Köln Hals über Kopf. Er macht von einer Option Gebrauch und orientiert sich wieder einmal Richtung Fenerbahce Istanbul.

          3 Min.

          Der Anruf, der beim 1. FC Köln immer mal wieder befürchtet werden musste, ereilte Wolfgang Overath am Pfingstmontag um 19 Uhr dann doch überraschend. Am Telefon meldete sich Christoph Daum, der sich an seinem Urlaubsort auf Mallorca offenbar nicht nur von der zurückliegenden Bundesligasaison erholte, sondern auch seine sportliche Zukunft plante - und zwar ohne den FC. „Ich bin weg“, seien die Worte gewesen, mit denen sich der 55 Jahre alte Fußballtrainer vom Präsidenten Overath Knall auf Fall verabschiedet habe, heißt es von der eiskalt erwischten Kölner Vereinsführung.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Seine Entscheidung kam für uns völlig überraschend“, sagte FC-Manager Michael Meier, der gemeinsam mit Overath im November 2006 den Trainer vom Krankenbett weg verpflichtet hatte: „Es gab vorher keinerlei Anzeichen, dass Christoph Daum von seiner Kündigungsoption Gebrauch machen würde.“ Daum zieht es nach eigenen Angaben zu einem europäischen Topklub, dessen Namen er am Dienstag noch nicht preisgeben mochte. Er wird wohl zu Fenerbahce Istanbul zurückkehren; jenem Klub, den Daum in den Jahren 2004 und 2005 zum türkischen Meister machte und der sich am Wochenende nach nur einem Jahr vom spanischen Europameister-Coach Luis Aragonés getrennt hatte.

          „Keine Entscheidung gegen den 1.FC Köln“

          Der FC reagierte schockiert, dass Christoph Daum urplötzlich jene Ausstiegsklausel nutzte, die ihm bei seiner Vertragsunterschrift vor zweieinhalb Jahren vom damals dringend hilfsbedürftigen Zweitligaklub eingeräumt worden war. Alle halbe Jahre, so die einseitige Option, durfte Daum seinen bis 2010 abgeschlossenen Vertrag kündigen. In einer Presseerklärung behauptete der Trainer, seine Entscheidung sei „keine gegen den 1.FC Köln, sondern für die neue Herausforderung“. Ihm biete sich die Chance, „direkt wieder international zu spielen, was für mich immer mein größter Anreiz und Wunsch als Trainer war“.

          Abschied aus Köln: Christoph Daum geht wohl zurück in die Türkei
          Abschied aus Köln: Christoph Daum geht wohl zurück in die Türkei :

          Fenerbahce, das die „Süper Lig“ nach einer enttäuschenden Saison auf Platz vier abschloss, wird im nächsten Jahr in der neuen Europa League antreten. Neben den sportlichen Gründen gab es auch finanzielle, die für eine Rückkehr an den Bosporus sprechen. Bei Fenerbahce kann Daum jährlich angeblich 3,5 Millionen Euro verdienen - und damit eine Million mehr als zuletzt beim 1. FC Köln.

          „Vom Kopf her hätte ich nicht weitermachen dürfen“

          Der Zeitpunkt des Abschieds mag die Kölner Verantwortlichen überrumpelt haben, doch um Daums Verbleib gezittert hatten sie schon häufiger; vor allem vor einem Jahr, nachdem Daum den Klub zurück in die Erste Bundesliga geführt hatte. Damals hatte sich der Trainer nach einer zweiwöchigen Hängepartie erst kurz vor Ablauf seiner Kündigungsfrist dazu durchgerungen, dem FC treu zu bleiben. Obwohl sich der einstige Beinahe-Bundestrainer danach mit Verve in die Arbeit beim Aufsteiger stürzte und die Saison letztlich als Tabellenzwölfter abschloss, durfte sich die FC-Führung nie auf der sicheren Seite fühlen. Denn zu weit lagen die Ansprüche Daums und die Möglichkeiten des rheinischen Klubs auseinander. „Vom Kopf her hätte ich nicht weitermachen dürfen“, hatte Daum schon damals hinter vorgehaltener Hand zugegeben.

          Während sich der 1. FC Köln nach den ständigen Auf- und Abstiegen der vergangenen elf Jahre langsam wieder im Oberhaus etablieren will, erschien es dem vom Erfolg verwöhnten Trainer zu wenig, dauerhaft bei einem laut Daum „schlafenden Riesen“ zu arbeiten. Nachdem er mit der Mannschaft das Saisonziel eines gesicherten Mittelfeldplatzes erreicht hatte, sah er seine kölsche Mission als erfüllt an. „Um Spielern, Verein und Umfeld zu helfen, ihre Ziele zu realisieren“, so hatte der Coach stets betont, „muss ich mich von meinen eigenen hohen Ansprüchen lösen.“ Nun ist Schluss mit der Selbstbeschränkung, biete sein neuer Arbeitgeber laut Daum doch „sportliche Rahmenbedingungen, mit denen ich auch für die nächsten Jahre die Champions League erreichen kann“.

          Sehnsuchtsort Istanbul

          Angebote aus dem Ausland hatte der Trainer in seiner Kölner Zeit mehrmals erhalten; vor allem aus der Türkei, wo der Deutsche mit Besiktas und Fenerbahce einst in sechs Jahren fünf Titel sammelte. So hatte in den vorigen Wochen nicht nur Fenerbahce um den Trainer geworben, sondern auch der Stadtrivale Galatasaray. Im Gegenzug ist Istanbul immer ein Sehnsuchtsort von Daum gewesen, der sich nach seinen ersten Jahren am Bosporus wie ein „halber Türke“ fühlte und sich auch in der Folgezeit als eine Art Botschafter der Türkei empfand.

          Beim 1. FC Köln hinterlässt Christoph Daum neben einem schockierten Vorstand auch entsetzte Fans und verblüffte Spieler. „Die Nachricht kommt für mich überraschend“, sagte Lukas Podolski im fernen Dubai, wo er mit der Nationalmannschaft an diesem Dienstag gegen die Vereinigten Arabischen Emirate antritt (siehe: FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker). Anders als Podolski, der nach drei glücklosen Jahren beim FC Bayern demnächst nach Köln zurückkehrt, bezeichnete sein künftiger Kollege Marvin Matip den Abgang des Trainers als typisch für die kölschen Verhältnisse. Dem Boulevardblatt „Express“ sagte der Mittelfeldspieler: „Das ist eben der FC und vielleicht auch die Art von Christoph Daum.“

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