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0:6-Debakel in Bundesliga : Die besondere Aufarbeitung des Christian Streich

  • -Aktualisiert am

„Video machen, miteinander sprechen und kicken“: Christian Streich über die Vorbereitung auf das nächste Spiel gegen Eintracht Frankfurt Bild: AFP

Freiburg geht in Wolfsburg unter – und was macht der Freiburger Trainer Christian Streich? Der hat seine ganz eigene Form des Umgangs mit der Niederlage. Die Schuld daran sieht er nämlich auch bei sich.

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          Dem Schlusspfiff folgte ein interner Rapport. „Alle rein“ – mit diesem eindringlichen Appell ließ Christian Streich seine Spieler wissen, dass er dringenden Redebedarf verspürte. Der Trainer des SC Freiburg reagierte auf die derbe 0:6-Niederlage beim VfL Wolfsburg mit einer Mischung aus Sarkasmus und Selbstkritik.

          Bundesliga

          Gleich nach Spielende den Kontakt zu den mitgereisten Fans zu unterbinden und das gesamte Team in die Umkleidekabine zu beordern, entspricht nicht den gewohnten Freiburger Abläufen. Aber Streich ärgerte, dass „eigentlich alles vollständig falsch war, was wir gemacht haben. Offensichtlich einschließlich mir.“ Sein Fazit nach dem 16. Spieltag lautete: Die Demut ist zurück in Freiburg.

          Für den Ausrutscher eines Teams, das während der Spielpause der Fußball-Bundesliga zwei Monate lang auf dem zweiten Rang der Tabelle stand, gab es viele Gründe. Streich kritisierte das mangelnde Zweikampfverhalten und eine schlechte Staffelung der Mannschaftsteile.

          Nach gerade einmal 56 Sekunden traf Patrick Wimmer für die effektiven Wolfsburger 1:0. Es folgten Tore von Jonas Wind (2), Yannick Gerhardt, Ridle Baku und des früheren Freiburgers Luca Waldschmidt per Elfmeter. Dass Streich nach 57 Minuten beim Spielstand von 0:4 erstmals auswechselte, war merkwürdig. Und warum Torhüter Mark Flekken fast das gesamte Spiel über mit seinen Abspielen zögerte, anstatt einen schnellen Freiburger Spielaufbau zu fördern, blieb ebenfalls rätselhaft.

          „Jetzt haben wir das auch einmal erlebt“

          Die Stimmung eines Teams, das im bisherigen Saisonverlauf begeisternden Fußball gezeigt hat, war im Keller. „Man kann an einem schlechten Tag verlieren. Aber wir dürfen uns so nicht abschießen lassen“, sagte der Freiburger Mannschaftskapitän Christian Günter. Er und sein Team blieben von einer sonderbaren Lethargie befallen. Echtes Aufbäumen kam nie in Sicht. „Wolfsburg war in der ersten Halbzeit extrem ballsicher und eiskalt. Der Ball lief bei denen extrem gut. Aber sechs Hütten zu bekommen, das darf uns nicht passieren“, gestand Günter.

          Bei vielen Vereinen würde nach solch einem bitteren Start in das neue Jahr die Vereinsfahne auf Halbmast gehisst und hektisch nach Fehlern gefahndet. Doch der 57 Jahre alte Streich bleibt sich und seiner Linie treu. Als Vorbereitung auf das Heimspiel am Mittwoch gegen Eintracht Frankfurt wählt der Routinier das übliche Prozedere. „Ganz normal. Video machen, miteinander sprechen und kicken“ – so sehen die Reaktion des Trainers und das weitere Vorgehen aus.

          Streich verzichtet auf Strafmaßnahmen und lädt einen Großteil der Schuld auf sich. Dass sich Mannschaft und Fans im Stadion bei der Aufarbeitung von Frust nicht begegnen konnten, sei sein Fehler gewesen. „0:6 – jetzt haben wir das auch einmal erlebt“, sagte Streich. Er läutete auf seine unnachahmliche Art sofort den Übergang zu erhoffter Normalität ein.

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