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Christian Heidel im Interview : „Mainz 05 tickt so nicht“

  • -Aktualisiert am

Stilprägend: „Wenn Mainz 05 morgen 20 Millionen mehr Fernsehgeld bekäme, würden wir es wahrscheinlich auch nicht automatisch auf die Bank bringen“, sagt Christian Heidel. Bild: Imago

Christian Heidel, Sportvorstand von Mainz 05, spricht im Interview über Bauchschmerzen vor der WM in Qatar, den Fußball nach der Pandemie und die Gemeinsamkeiten von Klopp, Tuchel und Svensson.

          5 Min.

          Herr Heidel, welche Erwartungen haben Sie an die Rückrunde – und welche Hoffnungen, die über die Erwartungen hinausreichen?

          Darüber habe ich mir gar nicht viele Gedanken gemacht, weil diese sehr kurze Winterpause für uns alle keine großartige Zäsur darstellt. Deswegen wollen wir einfach die Saison in der bisherigen Art fortsetzen, ohne damit das Ergebnis des Spiels in Frankfurt zu meinen. Wir wollen keine großen Änderungen, es wird im Kader keine Veränderungen geben. Wir möchten den Weg, auf dem wir jetzt sind, die Art, wie wir Fußball spielen, fortsetzen.

          Bundesliga

          Lässt es sich nach dieser Hinrunde, nach der die Mannschaft so gut dasteht wie schon lange nicht mehr, komplett ausblenden, die internationalen Plätze anzugreifen?

          Mit dieser Herangehensweise sind wir über viele, viele Jahre sehr gut gefahren und haben uns unter anderem zweimal europäisch qualifiziert, ohne dass wir es uns vorher auf die Fahnen geschrieben hatten. Wir befinden uns in einer Phase, in der wir an einem guten Tag jede Mannschaft in der Bundesliga schlagen können. Aber wir können auch gegen jede Mannschaft verlieren. (Das Interview wurde vor dem 1:4 in Leipzig zum Rückrundenstart am Samstag geführt/Anm. d. Red.)

          Wo wir gerade beim internationalen Geschäft sind: Planen Sie, im nächsten Winter als WM-Tourist nach Qatar zu reisen?

          Ich habe mich mit dieser WM noch überhaupt nicht beschäftigt. Früher habe ich ein Jahr vorher die Tickets gebucht, wenn ich mit meinen Kumpels zu den Spielen geflogen bin. Aber Qatar war bei uns noch gar kein Thema, mal losgelöst von politischen Hintergründen und organisatorischen Dingen. Mit der WM in Qatar habe ich Bauchschmerzen.

          Eine Fußball-WM in der Wüste ist ähnlich wie Olympische Winterspiele in Peking.

          Ich habe dieser Tage gesehen, dass in der Region Peking überhaupt kein Schnee liegt, sondern Hunderttausende von Hektolitern Schnee produziert und in ein Gebirge gebracht werden müssen, in dem vorher große Flächen gerodet wurden. Das ist schon etwas beängstigend, aber ich will es nicht unbedingt mit der WM vergleichen. Es gibt dennoch einige Themen, die einem bei der Austragung einer WM in Qatar schwer im Magen liegen müssen, auch ganz pragmatische für den Fußball. Was ich bis heute nicht verstehe, ist, dass die FIFA die WM 2022 für Juni/Juli ausschreibt und ein Land den Zuschlag bekommt, bei dem man zehn Minuten nach der Wahl feststellt, dass es dort im Sommer ganz schön warm ist. Und auf einmal wird eine WM in den Winter verlegt. Ich weiß nicht, wie diese Wahl wirklich zustande kam. Aber es ist für mich völlig absurd, dass man sich für den Sommer bewirbt und im Winter spielt. Und die gesamte Fußballwelt muss ihren Spielplan deswegen verändern.

          Lassen sich solche Entwicklungen im internationalen Fußball grundsätzlich noch korrigieren?

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